Kadett (im Deutschen offiziell auch Cadet, vom frz. cadet, qünger, nachgeboreneꝰ) war in Frankreich im 17. und 18. Jahrh. vorzugsweise Bezeichnung für die nachgeborenen Söhne des Adels, für welche im Inu Stande, besonders aber in den Offizierstellen des Heeres ein Unterkommen gesucht wurde; 1682 begann man hier die zu Offizieren bestimmten jungen Edelleute als cadets in Komvagnien zu vereinigen und ihnen eine ihrem künftigen Berufe entsprechende Erziehung angedeihen zu lassen; auch in andern Staaten ging man ähnlich vor. Es entstanden Kadettenschulen, die anfänglich mehr die technischen Fertigkeiten der K. im Auge hatten, erst im Laufe der Zeit zu eigentlichen wissenschaftlichen Lehranstalten wurden. Der Name K. ist gleichbedeutend mit 4«Offizieraspiranto, *Offizierzöglings geworden, namentlich wenn solche schon vom Knabenalter ab in besondern Anstalten, sog. Kadettenhäusern, mit spezieller Rücksicht auf ihren künftigen Beruf erzogen und vorgebildet werden. Eine besonders fruchtbringende Entwickelung hat das Kadettentum in Preußen genommen. Als eigentlicher Schöpfer desselben ist König Friedrich Wilhelm I. zu betrachten, der die unter seinen Vorgängern ohne Zusammenhang bereits bestandenen Kadettenakademien von Kolberg (1653), Berlin (1701) und Magdeburg (1709) im J. 1717 zu einem Kadettenkorps in Berlin vereinigte. Das Kadettenwesen erfreute sich fortlaufend einer besondern Fürsorge des preuß. Herrs erhauses, welches sich auf diese Weise einen besonders geeigneten Ersatz für das Offizierkorps seines Heeres sicherte. Nach mannigfachen Wandlungen, wie sie die geschichtliche Entwickelung der Monarchie bedingte, wurde infolge einer im J. 1818 vollzogenen Reorganisation des Kadettenkorps die Anstalt zu Berlin mit 4 Kompagnien zu 60 Zöglingen, diejenige zu Kulm (gestiftet 1776) und Potsdam (gestiftet 1801) mit je 2 Kompagnien von gleicher Stärke formiert. Letztere beiden sollten als Voranstalten die untern Klassen und die Zöglinge vom 10. bis 14. Lebensjahre, Berlin dagegen die obern Klassen enthalten. Weitere Voranstalten traten hinzu, so Wahlstatt 1838, Bensberg 1840, Plön und Oranienstein 1868. Im J. 1878 wurde das Hauptinstitut unter dem Namen Hauptkadettenanstalt von Berlin nach dem 9 km entfernten Lichterfelde (s. d.) verlegt, woselbst zur Aufnahme derselben von 1873 ab ein großartiger Neubau aufgeführt worden war, und zugleich auf 2 Bataillone zu 4 Kompagnien mit im ganzen 880 K. gebracht. Die sechs Voranstalten haben je 2 Kompagnien und zählen je nach ihren Räumlichkeiten 148240, im ganzen 1208 K. Seit der Errichtung des Deutschen Reichs nimmt das preuß. Kadettenkorps Zöglinge Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. ißt, sind unter C aufzusuchen. aus dem gesamten Reichsgebiet auf, mit Ausnahme von Bayern und Königreich Sachsen, welche ihre eigenen Korps beibehalten haben. Im J. 1877 wurde, um dem Kadettenkorps seinen exklusiven Bildungsgang zu nehmen, bestimmt, daß der Lehrplan desselben mit demjenigen der preuß. Realgymnasien in Ubereinstimmung zu bringen sei, was mit 1884 zur vollen Durchführung gelangt ist. An der Hauptanstalt besteht außer den Gymnasialklassen zur militärwissenschaftlichen Ausbildungeine Selecta, für welche der Lehrplan der Kriegsschulen zu Grunde gelegt ist. Das königl. bayr. Kadettenkorps zu München wurde 1756 von Maximilian III. gestiftet und ist seit 1868 den Realgymnasien gleichgestellt. Es umfaßt 6 Klassen mit 180 Plätzen. Das königl. sächf. Kadettenkorps zu Dresden ist aus einer 1725 errichteten Kadettenkompagnie hervorgegangen und zählt w180 K. in 6 Divisionen (Klassen). In Ssterreich-Ungarn Ooldgn (Kadettenschulend, in welchen geeignete Soldaten und Truppeneleven zu Aspiranten für die Offizierscharge ausgebildet werden, und zwar sind deren 12 für Infanterie, 1 für Kavallerie und 3 für Spezialwaffen, mit in Summa 3098 Frequentanten. Sie geben in vier Jahrgängen eine realistische und humanistische Ausbildung nach dem Lehrplan der Oberrealschulen und eine militärische nach dem Lehrplan der Wiener-Neustädter Militärakademie. Das eigentliche Kadetteninstitut der österr. Armee ist die Wiener Neustädter Militärakademie, 1752 von der Kaiserin Maria Theresia gegründet, mit dreijährigem Kurs, von 300 Zöglingen. In Rußland wurde 1731 durch die Kaiserin Anna die erste Schule für K. des Landheers gestiftet. Gegenwärtig besteht das mehr erklusive Pagenkorps, das Söhnen verdienter Männer Erziehung und Ausbildung gibt und speziell für den Dienst in der Garde vorbereitet. Für Söhne des finländ. Adels besteht das finländische Kadettenkorps. Die Kadettenkorps der Schweiz bestehen im Anschluß an die bürgerlichen Schulen in den Städten und bezwecken einen gewissen militärischen Vorunterricht der Schüler. Seekadett ist in der deutschen Marine eine dem Portepeefähnrich der Armee gleichstehende Charge. «Kadetten zur Seey heißen dagegen die Offiziersaspiranten der Marine nach ihrer Einstellung in dieselbe.