Kakaobaum (Theobroma L.) heißt eine Pflanzengattung, welche zur Iuet ie der Sterculiaceen gerechnet wird. Sie zeichnet sich durch einen fünfdlätterigen abfallenden Kelch, fünf am Grunde kapuzenförmig-konkave Blumenblätter und zehn Staubgefäße aus, die am Grunde in einen nach oben zehnspaltigen Becher zusammengewachsen sind, an welchem fünf Zipfel staubbeutellos sind und die fünf übrigen, mit den vorigen abwechselnden, vierfächerige Staubbeutel tragen. Der fädige Griffel endet in eine fünfteilige Narbe. Die länglichen oder eiförmigen, lederartig-holzigen Früchte sind fünfkantig und fünffächerig, springen nicht auf und enthalten in einem breiartig-fleischigen Marke viele Samen. Alle hierher gehörigen Arten sind niedrige, im tropischen Amerika einheimische Bäume mit großen, ungeteilten Blättern und einblütigen, büschelig gehäuften oder ästig vielblütigen Blütenstielen. Die Hauptmasse des käuflichen Kakao stammt von dem echten Kakao (Th. Cacao L.), welcher, im tropischen Amerika einheimisch, vielfach angebaut wird, besonders auf den Antillen, in Mexiko, Guatemala, Guaiana, Venezuela, Caracas, außerdem aber auch in Afrika und Asien, doch kommen auch die Samen von Th. bicolor H. et B., Th. angustifolium Sessé, Th. glaucum Narst., Th. microcarpum Mart. u. a. im Handel vor. Der K. erreicht eine Höhe von 10 bis 15 m und wird 27 bis 30 em stark. Der Stamm, aus leichtem, weißem Holze bestehend, bedeckt von einer dünnen, bräunlichen Rinde, teilt sich in eine Menge schlanker Aste, mit abwechselnd gestellten länglichen, zugespitzten, glänzenden, beiderseits kahlen und grünen, in der Jugend rötlichen Blättern besetzt. Die Blüten stehen zu Büscheln vereinigt am Stamme und an den Ästen auf einblütigen Blütenstielen; Kelch und Staubgefäße sind rosenrot, die Blumenblätter citrongelb und rötlich geadert. Die gurken- oder melonenförmigen, 12—24 em langen und 6—8 em dicken Früchte sind äußerlich funskantig und warzig und enthalten unter der dicken, lederartigen Schale ein saftiges, angenehm säuerliches Mark und in diesem zahlreiche, quer übereinanderliegende, zusammengedrückte, bohnenartige Samen. Die dünne, blaßrötlich-braune, brüchige Samenschale enthält einen dunkelbraunen, öligen, aromatisch-bittern Kern, der größtenteils aus den rissigen Samenlappen des Embryo besteht; zwischen den Ritzen bemerkt man die weiße, zarte Innenhaut des Embryo. Diese Samen sind die Kakaobohnen, welche eine fast mandelartige Gestalt haben. Im allgemeinen stehen die Samen des wildwachsenden Baums denen des kultivierten nach; jene sind kleiner, flacher und bitterer. Die wilden Bäume geben nur Eine Ernte, im Februar bis Mai, die kultivierten dagegeu zwei Ernten, im Februar bis Mai und im ugust und September. Die Früchte werden entweder in großen hölzernen Gefäßen der Gärung fünf Tage lang unterworfen und an der Sonne oder am Feuer getrocknet oder auch so lange in die Erde gegraben, bis die breiartigen Teile durch Fäulnis abgesondert sind. Die letztere Methode gibt den besten oder gerotteten Kakad (Cacao terré). Manunterscheidet übrigens eine Menge Kakaosorten, welche teils durch die klimatische Verschiedenheit der Länder, aus denen sie stammen, teils durch den Boden und auch durch die Kulturart und Behandlung bedingt werden. Der beste, sehr angenehm schmekkende ist der fast goldgelbe und kleine Soconuscokakas, der aber beinahe gar nicht nach Europa kommt, wie auch der sehr kleine Kakas von Esmeraldas. Im Handel gehört zu den teuersten Sorten der Caracaskakao, während der billige Guayaquilkakao der in Europa am häufigsten benutzte ist. Zu dem gerotteten Kakao gehören besonders der Kakao von Caracas, Soconusco, Guayaquil, Berbice, Surinam und Essequibo; zu dem nichtgerotteten der von Para und Rio Negro (beide zusammen auch Kakao von Maranhao genannt), von Cayenne, Martinique und Jamaica. Die beiden letztern und andere Sorten der Antillen heißen häufig Cacao des Iles, unter welchem Namen auch der Kakao von Isle-de-France und Bourbon in den Handel kommt. Die Kakaobohnen sind ein äußerst wichtiges Nahrungsmittel der Amerikaner. Der Hauptbestandteil dieser Bohnen (34 bis 56 Proz.) ist ein festes und consistentes, weißlich-gelbes, bei + 29 bis 30 schmelzendes but von spezifischem Gewicht 0,9, die sog. Kakaobutter (s. d.), die mit Natron versetzt, eine gute, feste, zum mediz. Gebrauch geeignete Seife, Kakaoseife, gibt. Sie besteht größtenteils aus dem Glycerinäther der Palmitinsäure und findet außer in der Medizin in der Parfümerie und zu kosmetischen Zwecken rmißt, sind unter C aufzusuchen. Anwendung. Außerdem enthalten die Bohnen einen karminroten, etwas blätterigen, bittern, in Wasser und Alkohol löslichen Farbestoff, das Kakaorot, sowie einen dem Caffein überaus nahestehenden basischen Körper, das Theobromin, in der Menge von 1, bis 1,5 Proz. Hauptsächlich werden die Kakaobohnen zu Chokolade benutzt; auch bereitet man aus ihnen eine besondere Masse, den Kakao oder die Kakaomasse (Cacao tabulata), die, ohne mit Zucker und Gewürz versetzt zu werden, statt des Kaffees gebraucht wird und leichter verdaulich ist als die Chokolade. Das von allem Fett befreite Bohnenpulver kommt unter dem Namen entölter Kakao in den Handel. Häufig wird aber die Kakaomasse in den Fabriken verfälscht, besonders mit gebranntem Mehl, Erbsenmehl, Kartoffel- und Reisstärke. Die gerösteten Schalen der Kakaobohnen werden bisweilen nach Art des Kaffees zum Getränk benutzt (Kakaothee). über die Fabrikation der Kakaomasse s. unter Chokolade. Der Kakao kommt teils in Fässern, teils in Ballen in den Handel; den meisten beziehen Spanien, Italien und Frankreich. Bei Ankunft der Spanier in Mexiko galten Kakaobohnen daselbst als Scheidemünze. Vgl. Gallois, cMonographie du Cacaos (Par. 1827); Mitscherlich,«Der Kakao und die Chokolade⸗ (Berl. 1859); Wiesner, «Die Rohstoffe des Pflanzenreichs» (Lpz. 1873).