FeedKokospalme
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kokospalme (Cocos nucifera L.). Die Palmengattung Cocos umfaßt etwa 25 Arten, die mit uizt, sind unter C aufzusuchen. 26 * Ausnahme der K. sämtlich im tropischen Amerika einheimisch sind. Über die Heimat der K. läßt sich keine sichere Angabe machen, sie wächst in den Tropengegenden sowohl der Alten als der Neuen Welt und ist auch berall in den Tropen in der Nähe der Küsten schon seit sehr langer Zeit eine wichtige Kulturpflanze. Es lassen sich sowohl für den amerik. Ursprung mehrere Gründe geltend machen, als auch dafür, daß ihre Heimat in Ostindien zu suchen sei. Vorerst muß deshalb diese Frage als unentschieden betrachtet werden. Gegenwärtig wird die K. in den Tropenländern kultiviert, am meisten jedoch auf den Inseln des Großen Oceans, für deren Bewohner sie die Hauptlebensbedingung ist. Sie wird zwar gewöhnlich nur gegen 20 mhoch, erreicht jedoch bisweilen 25—30 m Höhe. Ihr schlanker, geringelter Stamm trägt eine Krone von 10— 12 gefiederten, schön grünen, bis 5 m langen Blättern, deren Stiel am Grunde von einem zähen, braunen Geflecht umgeben und unterseits rinnenförmig ausgehöhlt ist. Aus den Achseln der untersten Blätter kommen die bis Im langen, zusammengedrückten Blütenscheiden hervor, welche lange, beseh verzweigte (bis aus 30 dreikantigen Asten bestehende) Kolben mit gelben männlichen und grünen weiblichen Blüten umschließen. Die nicht selten einem Menschenkopf an Größe gleichkommenden Früchte (Kokosnüsse) sind blaß aschgrau oder rötlich, äußerlich von einer bis zwei Finger dicken Faserhülle umgeben und enthalten eine dick- und hartschalige, dreikantige Nuß mit drei Löchern an der Spitze. Die junge Nuß ist mit einer milchigen, süßen Flüssigkeit, der Kokosmilch, erfüllt, welche mit einer Mischung von Wasser, Milch und Zucker verglichen wird und frisch ein angenehmes, kühlendes Getränk gewährt. Aus derselben entsteht später die haselnußartig schmeckende Masse des großen Eiweißkörpers oder Kokosnußkerns. Die Palme beginnt oft schon im 7. Jahre zu blühen und trägt bis zum 35. Jahre reichliche Früchte. Bis dahin besteht der Stamm nur aus einem mit schwammigem Mark erfüllten Holzeylinder, später wird er viel fester, indem er auch inwendig verholzt. Das Holz wird dann unter dem Namen Stachelschweinholz ausgeführt und zu Bauzwecken, Möbeln und allerhand kleinen Nipptischsachen verwendet. Das ausfließende Gummi dient den Frauen Tahitis dazu, die Haare glänzend zu machen und zu befestigen, die Schale der Nüsse allen Bewohnern der Südsee-Inseln zur Verfertigung von allerhand Gefäßen. Die Blätter benutzt man zum Dachdecken, sowie zu Teppichen und mancherlei Geflechten, die Blütenscheiden und alten Blätter zu Fackeln, die Mittelrippe zu Kämmen, die zusammengebundenen Blätter zu — Das Hirn der Palme, d. h. das ganz junge Mark unter der Endknospe, welches einen süßen, an Haselnuß erinnernden Geschmack besitzt, desgleichen die ganz jungen Blätter werden als Gemüse (Palmenkohl) zubereitet gegessen, und aus dem Fasernetz am Grunde der Blätter Durchschläge und selbst Anzüge verfertigt. Aus den Fasern der Fruchthülle, die im Handel den Namen Coir führen, bereitet man Taue und Stricke, die zwar nicht so schön aussehen wie hänfene, auch keinen Teer annehmen, aber völlig Anverwüstlich sind und sich daher namentlich zu Ankertauen sehr eignen. Auch Besen, Matten, Bürsten, Hüte und allerhand zierliches Flechtwerk werden daraus verfertigt. Aus den noch geschlossenen Blütenscheiden wird durch Umschnü-Srung derselben mit jungen Kokosblättern und Anschneiden der Toddy oder Palmenwein, und aus diesem durch Destillation Arrak, durch Einkochen ein Sirup und endlich ein brauner Zucker, Jaggery, gewonnen. Der Kern der Nüsse wird roh bverspeist, namentlich aber zur Fabrikation des Kos[kosöls oder der Kokosbutter benutzt, welche man durch Auspressen des gekochten Kerns erhält. Ein Mandel Nüsse gibt 21 Ol. Den Rest verfüttert man auf Ceylon wie bei uns die Rapskuchen. Das weiße, butterartige, wohlschmeckende, aber sehr leicht ranzig werdende Ol wird in Europa namentlich zu SSeifen, Salben und Pomaden verwendet. Es enthält ein Gemisch von mehrern Fettsäuren. Die arte Nußschale benutzt man bekanntlich zu allerhand Drechslerwaren, namentlich zu Knöpfen. Die Kokosnüsse bilden deshalb einen wichtigen Handelsartikel. Ceylon allein führt jährlich gegen 3 Mill. Nüsse aus. —4. den Antillen gedeiht die K. nicht so gut. Von den übrigen, sämtlich in Amerika wachsenden Arten von Cocos ist namentlich die in Columbien einheimische buttergebende Kokospalme (Cocos butyracea L.) berühmt. Sie ist ein majestätischer Baum mit fast cylindrischem Stamm, aus dessen Mark die Indianer ebenfalls Palmenwein gewinnen, indem sie den Baum vor der Blütezeit fällen und den Stamm unterhalb der Krone aushöhlen. Es sammelt sich dann der weinähnliche Saft von selbst in der Höhlung an. Ein Baum liefert gegen 18 Flaschen Aà 750 cem Inhalt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 403Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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