FeedKakteen (Cactéae)
PflanzenreichBrockhaus 1882

Kakteen (Cactéae), eine Pflanzenordnung, welche die verschiedensten Formen umfaßt, während Linne sie noch zu einer einzigen Gattung vereinigte. Ihre Stellung im natürlichen Pflanzensystem ist noch ziemlich unsicher und nur mit einigem Zwange lassen sie sich in der Nähe der Ribesiaceen, oder der Loaseen, oder auch vielleicht mit größerm Rechte der Portulaceen unterbringen. Ihre Arten sindüberaus zahlreich; man kennt ihrer bereits mehr als 800, die vielen Nebenformen ungerechnet. Die K. gehören ausschließlich Amerika an, wo sie auf beiden Seiten des Aquators zwischen dem 36. und 38. Grade sich finden, und zwar in den Gebirgen bis nahe zur Schneegrenze, bald als ungeheuere Kugeln (Melokakteen), als vieleckige Säulen (Cereen), als Büsche mit blattartig verbreiterten einfachen (Phyllokakteen) oder gegliederten (Epiphyllen) Asten, als dichter Stachelrasen (manche Echinocereen), als larageftrecte kriechende oder kletternde Schlangen (manche Cereen), als binsenartige (Rhipsalis) oder belaubte (Peirescien) Einmieter auf Bäumen u. s. w., oft mit großen farbenprächtigen duftenden Blüten. Alle K. haben fleischige, oft sehr saftreiche Stengel und Aste, welche jedoch bei vielen von einer holzigen, mit einer Bastlage umgebenen Achse durchzogen sind, sodaß der dicke fleischige Teil nur als Rindenlage zu betrachten ist. Die meisten sind blattlos, nur die Peirescien haben wahre Blätter und bei den Opuntien sind sie zu hinfälligen pfriemlichen Gebilden reduziert, im übrigen aber durch Schuppenhaare und Stacheln vertreten. Die wirtschaftliche Bedeutung der K. für ihr Heimatland ist mannigfach. Manche Arten, wie Cereus Swartzii, werden zur Herstellung undurchdringlicher Zäune benutzt, andere auch zu Rädern und Thürschwellen; dazu liefern sie in vielen holzarmen Gegenden Mexikos und auf den Hochebenen Perus das einzige Feuerungsmaterial. In den wasserarmen Landstrichen sind die saftreichen Stämme vieler Melokakteen eine nie versiegende Quelle der Erfrischung. Ferner verwenden die Eingeborenen das saftige Fleisch vieler Arten ur Bereitung von Gemüse und mit dem aus en Früchten einiger Arten gewonnenen Sirup zu Konserven. Die Früchte vieler K., vorzugsweise des Cereus giganteus, C. Thurberi und mancher Opuntia-Arten (indian. Feigen) schmecken sehr angenehm und bilden im frischen Zustande oft für lange Wochen die Hauptnahrung der Eingeborenen wie der weißen Ansiedler und erfreuen sich selbst im Süden Europas, wo mehrere Spielarten der Opuntia vulgaris der Früchte wegen angebaut werden, einer großen Beliebtheit. Aber als die wohlschmeckendste Kaktusfrucht gilt in Westindien die scharlachrote, die Größe eines Gänseeies erreichende Frucht des Cerens triangularis Hatu. Dort werden auch die Früchte der Peirescia aculeata n Gooseberry bush) mit großer Vorliebe gegessen. Am wichtigsten aber sind von den K. mehrere Opuntia-Arten, O. coccitera, O. Luna und andere zur Gruppe Nopalea gerechnete Spezies, als Nährpflanzen der Scharlachlaus (Coceus cacti), welche die Cochenille (s. d.) liefert. Sie sind in Brasilien und Mexiko Gegenstand einer nißt, sind unter C aufzusuchen. sorgfältig betriebenen und gewinnreichen Massen-r kultur. Einen schönen roten Farbestoff enbalten auch die Früchte mancher Kaktusarten, doch ist ihm Dauerhaftigkeit zu geben noch nicht gelungen. Gegenwärtig teilt man die zu einer großen Menge angewachsenen Spezies in 7 Zünfte, welche 20 oder l 21 verschiedene Gattungen umfassen. Die wichtigsten und artenreichsten Gattungen der MNelocacteae sind Mamillaria (Warzenkaktus, s. Tafel: Kaktusgewächse, Fig. 7) und Melocactus (Melonenkaktus, Fig. 5). Die Gattung Echinocactus (Igelkaktus, Fig. H) bildet mit noch einigen andern keinern die Zunft der Echinocacteae. Zur Zunft der Cereastreae gehören die Gattungen Cereus Riesen-und Peitschen-Kerzenkaktus, Fig. 1 u. 11), Echinopsis (Meerigelkaktus), Echinocereus (Igelkerzenkaktus, Fig. 8) und Pilocereus (Haarkerzenkaktus). Die Zunft der Phyllocacteae umfaßt unter anderm die Gattungen Phyllocactus (Flügelkaktus, Fig. 6) und Epiphyllum (Glieder-Blattkaktus, Fig. 3), die der Rhipsalideae die Gattungen Rhipsalis (Binsenkaktus, Fig. 12) und Lepismium (Schuppenkaktus), die der Opuntieae die Gattungen Nopalea (Ropalkaktus, Fig. 10) und Opuntia (Feigenkaktus, Fig. 4), und die Zunft der Peirescieae besteht aus der einzigen Gattung Peirescia Laubkaktus, Fig. 2). Eine Anzahl dieser hochinteressanten Gewächse läßt sich in Wohnräumen kultivieren und bedarf nur sehr geringer Pflege; die meisten aber erfordern eine sorgfältige Abwartung, viele die Temperatur eines eigens für sie unterhaltenen Gewächshauses Galteenhaus). Die beste und für alle K. ohne Ausnahme geeignetste Erde ist eine gute Lauberde, da diese selbst in feuchtem Zustande locker und mild bleibt, schnell wieder austrocknet und ein den K. zusagendes Maß nährender Substanzen einschließt. Wan mischt sie mit etwas Sand, für manche Arten auch mit dem sechsten Teile verwitterten Mauerlehms. Für die Kultur der K. in Wohnräumen, unter der Voraussetzung, daß sie hell und trocken sind und daß im Winter eine Temperatur von 5 bis 10 K. unterhalten wird, sind hauptsächlich leicht blühende Arten und Formen mit großen und schönen Blumen geeignet, z. B. Cereus speciosissimus mit seinen Blendlingen, C. nycticalus, Phyllocactus phyllanthoides, Ackermannii u. a., Epiphyllum truncatum, Altensteinii (Fig. 3) und viele andere. Die beste Anleitung zur Kultur gibt Försters „Handbuch der Kakteenkunden, neu bearbeitet von Rümpler (Lpz. 1885). —27

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 16Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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