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PflanzenreichBrockhaus 1882

Labiaten oder Lippenblütler ist der Name einer der größten und natürlichsten Pflanzenfamilien aus der Abteilung der Dikotyledonen. Man kennt gegen 2500 Arten, die über die ganze Erde zerstreut sind, hauptfächlich aber den wärmern Gegenden der gemäßigten Zone angehören. Es sind teils krautartige Pflanzen, teils Halbsträucher, sehr selten besitzen sie baumartigen Wuchs oder kletternde Stengel. Einen besonders charakteristischen Bestandteil der Vegetation bilden sie in den Mediterranländern, wo die Form der Halbsträucher entschieden vorherrscht; doch auch in der deutschen Flora sind sie durch viele Gattungen und Arten vertreten. Die L. kennzeichnen sich: 1) durch ihre Blüten, welche aus einem röhrigen Kelch mit meist fünfzähnigem und oft zweilippigem Saume, aus einer röhrigen Blumenkrone mit zweilippigem (selten bei fehlender Oberlippe einlippigem) Saume, vier in die Blumenkronenröhre eingewachsenen Staubgefäßen, von denen zwei länger als die beiden andern sind (ausnahmsweise kommen bloß zwei vor, z. B. bei den Salbei-Arten), und einem oberständigen Stempel mit tief vierteiligem Fruchtknoten und grundständigem, langem, fadenförmigem, oben in zwei ungleich lange Narben gespaltenem Griffel bestehen; 2) durch ihre Frucht, welche eine in vier einsamige, kugelige, glatte Nüßchen zerfallende Spaltfrucht ist; 3) durch die Anordnung ihrer Blüten, die bei der großen Mehrzahl in aus zwei gegenständigen, büschelförmigen, dichotomen Trugdolden gebildete Scheinquirle gestellt sind, welche oft wieder in Ahren, Köpfe und Rispen gruppiert erscheinen; 4) durch ihre stets kreuzweisgegenständigen, nebenblattlosen Blätter, die stets einfach, aber selten ganzrandig, meist gesägt, gezähnt, gekerbt, seltener gelappt oder zerteilt sind; 5) durch ihre in der Regel vierkantigen Stengel und Aste; 6) durch den Gehalt an ätherischen Olen, die bald von gestielten, bald von versenkten Drüsen an den Blättern und Blüten ausgeschieden werden und allen diesen Gewächsen einen mehr oder weniger starken, angenehmen oder unangenehmen aromatischen Geruch verleihen. Zu dieser Familie gehören viele aromatische Küchengewürz⸗ und Medizinalpflanzen, z. B. die Salbei-Arten (Salvia), der Thymian (Thymus vulgaris L.), der Feldkümmel (Thymus Serpyllum L.), das Pfefferkraut (Satureja hortensis I.), das Basilikum (Ocymum Basilicum L.), die Lavendel (Lavandula vera Dec.), der Gundermann (Glechoma hederaceum L.), der Nsop (Hyssopus offieinalis L.), die Pfeffer⸗ und Krauseminze (Mentha piperita und erispa L.), die Citronenmelisse (Melissa oflicinalis L.), der Majoran (Origanum Mazorana L.), der Rosmarin (Rosmarinus officinalis L.) u. a., ferner viele Unkräuter (z. B. die Taubnesseln), auch verschiedene Gartenzierpflanzen (3. B. Arten von Salvia, Dracocephalum u. a.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 722Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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