Kalmücken oder, wie sie sich selbst nennen, Mongol-Oirad oder bloß Oirad, von den Ostmongolen Ogeled (kalmückisch Slöd) und von den Tataren Khalimak nal. unser Kalmück) genannt, die zahlreichste mongol. Nation, stehen noch zum größten Teil unter chines. Oberhoheit, sind aber auch seit bereits zwei Jahrhunderten in großer Anahl und auf weiten Räumen über das Russische Reich verbreitet. Sie teilen sich in vier Hauptstämme. Der erste derselben sind die Choschod, noch gegenwärtig von Fürsten aus dem Geschlecht Dschingis-Chans regiert. Sie stehen größtenteils unter chines. Hoheit und bewohnen, 50— 60000 Köpfe stark, die Gegend des Kuku-Noor oder des Blauen Sees, die sie als ihre eigentliche Heimat rmißt, sind unter C aufzusuchen. bezeichnen. Ein Teil dieses Stammes soll schon frühzeitig an den Haupts gezogen, sich darauf aber mit dem zweiten Hauptstamme der K., den Dsongaren, vereinigt und an den Kämpfen gegen China teilgenommen hahen. Ein anderer Teil dieser Horde zog sich bei der Überfüllung des Landes ins russ. Gebiet, wo sie sich schon seit 1675 an den Ufern der Wolga im astrachanischen Gouvernement finden. Dieser Kalmückenstamm unterwarf sich freiwillig dem russ. Scepter und ist zugleich derjenige, der sich durch Friedlichkeit und Anhänglichkeit an Rußland am meisten auszeichnet. Offenherzigkeit und Neugier, eine gewisse Lebhaftigkeit und Reizbarkeit, Anlage zum Diebstahl, zur Rachsucht, im ganzen aber mehr Gutmütigkeit und Treue zeichnen diesen Volksstamm aus, der noch gegenwärtig ein unstätes, nomadisierendes Leben führt, seine Filzhütten bald hier, bald dort aufschlägt, sich in Kumiß, dem beliebten Trank aus gegorener Stutenmilch, gern berauscht und mit Bogen, Pfeil und Speer gut umzugehen weiß. Den zweiten Hauptstamm bilden die Dsongaren, einst die tapferste, reichste und aht. tigste Horde, im 17. und im Anfang des 18. Jahrh. die Beherrscherin aller übrigen Stämme, später von den Chinesen unterjocht und fast ganz aufgerieben und zerstreut. Von ihnen hat die Dsongarei (s. d.) ihren Namen. Als dritter Hauptstamm erscheinen die Dörböd, die, bald mit den Dsongaren, bald mit den Torgod vereint, sich schon frühzeitig in Rußland niederließen, wo sie bis gegen das Ende des 18. Jayrh. häufig im Gouvernement Astrachan an der Wolga und am Ural vorkamen, während sie sich in neuerer Zeit, nach dem Erlöschen der Hauptlinie ihrer Erbfürsten, von der Wolga nach dem Don und an den Ili hinzogen. Den vierten Hauptstamm bilden die Tor god, die einst mit den Dsongaren verbunden waren und erst später eine eigene Horde ausmachten. Sie heißen auch Wolgaische K., weil sie bereits 1616, also am frühzeitigsten von den Kalmückenstämmen, ihr Vaterland aufgaben und die Wolga-Ebenen zur neuen Heimat erwählten. Doch kehrten die meisten von ihnen später ebenfalls wieder in ihre Stammsitze zurück, als der Druck der russ. Oberhoheit sich ihnen fühlbar machte. Seit 1771 findet man bloß noch wenige Torgod in Rußland ansäfsig. Nur ein untergeordneter Zweig, der Stamm Zochor unter dem Fürsten Dundukow, hlieb zurück und trat in die vollkommenste Abhängigkeit von den Russen. Die Zahl der K. beläuft sich im Gouvernement Astrachan mit denen im Lande der Donischen Koaken und in Saratow und Orenburg auf 107531, in Westsibirien (Tomsk, Semipalatinsk, Semirjetschensk) auf 53000, somit im ganzen Russischen Reiche auf etwas uber 160000. Ihr Reichtum besteht in großen Herden von Pferden, Kamelen, Rindern und Schafen. Rußland hat in neuerer Zeit viel für die Bildung der noch heidnischen K. gethan. Um Dolmetscher und Beamte für sie zu erlangen, wurde schon 1829 ein eigenes kalmückisches Institut gegründet? Die K. haben eine Litteratur, die aber meist nur in übersetzungen aus Indien und Tibet stammender Date Mor er Schriften besteht. Am bekann. testen ist die Märchensammlung »Siddhi-kürp Cext mit deutscher Übersetzung und Wörterbuch von Jülg. Lpz. 1866). Eine Art Heldenepos ist die Dschang ariader (kalmückisch lithogr. herausg. von Gol. samskiij, etersb. 1864; russisch Übersetzt von Bo brownikow, Petersb. 1854; deutsch von Franz von Erdmann in Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaftẽ, 1857, XI, 708—730). Eine Grammatik ihrer Sprache, welche mit dem Mongolischen zu dem großen Altaischen Sprachstamme gehört und mit einer der mongolischen zunächst verwandten Schrift geschrieben wird, gab Zwick (Donauesch. 1851) heraus; besser sind die russisch geschriebenen von Popow (Kasan 1847) und von Bobrownilow (Kasan 1849); ein Wörterbuch veröffentlichte ebenfalls Zwick (Donauesch. 1852. Vgl. Bergmann, KRRomadische Streifereien unter den K.» (4 Bde., Riga 1804—5); Howorth, XAIlistory of the Mongols from the 9²0 t0 the 19 h centuryy (Bd. 1, Lond. 1876).