Kaukasische Bergvölker nennt man im allgemeinen die aus sehr verschiedenen Elementen bestehenden Völkerschaften, welche die Gebirgsthäler des Kaukasus (s. d.), sowie die zu beiden Seiten nach dem Schwarzen wie nach dem Kaspischen Meere hin anliegenden Berglandschaften bewohnen. Neuere Forschungen haben ergeben, daß die Bewohner der Kaukasusländer, wenn man von den erst neuerdings, besonders in Ciskaukasien angesiedelten Russen und den Armeniern, sowie den Georgiern (s. d.) absieht, sich unter folgende acht Völkter⸗ und Sprachfamilien gruppieren lassen: 1) Die Tscherkessen (s. d.) oder Adighe, am nördl. und nordwestl. Abhange des Kaukasus nach dem Schwarzen Meere zu oder in der neuerdings so genannten Kubanischen Oblast. 2) Die Abchasen (s. d.) oder Asegavölker, von den Russen unter dem Namen Abasinzen zusammengefaßt, zu denen außer den eigentlichen Abchasen oder Absua auch die Dshigeten, Zebeldiner und Samursakaner gehören. 3) Die Ubychen, am Südabhange des Hauptgebirges zwischen den Flüssen Chosta und Sache und den Gebieten der tscherkess. Natuchaizen und der abchas. Dfhigeten, nur etwa 20000 Köpfe stark. 4) Die Kaukasisches Generalgouvernement Suanen in Suanethi, welche nebst den mehr oder minder stark abweichende Dialekte der alten Sprache der Georgier redenden Thuschen (zum Teil), den Pschawen und Chewsuren Glieder des Iberischen Völker⸗ und Sprachstammes sind. 5) Die Osseten 9. d.), deren Sprache entschieden zu der iranischen Familie des indogerman. Stammes gehört. 6) Die Völker türk. oder tatar. Stammes, wie die unter Peter d. Gr. am Kuban, der Kuma und zwischen den Mündungen des Terek und Sulak angesiedelten Nogaier, die Karatschai am nordöstl. Abhange des Gebirges um den Elbrus, die Malkarzen an den Quellen der Flüsse Tscherem und Tscherek und die Kumüken im Osten der Tschetschnia, zwischen Terek und Sulak und südwärts von letzterm längs des Kaspischen Meeres bis gegen Derbent. 7) Die Gruppe der Tschetschenvölker, deren man an 21 verschiedene Stämme und Abteilungen, zufsammen mit etwa 164 000 Köpfen zählt. Außer den eigentlichen Tschetschen oder Tschetschenzen (von den Georgiern Khisten genannt) gehören dahin unter anderm noch die Kistinen, ein Teil der Thuschen, die Karabulaken, Schubusen, Nasranowzen, Itschkerinzen u. s. w. 8) Die in ihren ethnogr. und linguistischen Unterschieden nur erst zum kleinsten Teile bekannten Völker des sog. lesghischen Stammes in Daghestan und den südwestlich anliegenden Landschaften. Eine der Hauptsprachen ist hier das Awarische (bei 155000 Individuen), nächstdem sind die Dargosprachen (das Akuscha und die Chaidakmundarten bei 88 000 Individuen), denen sich die Sprache des kleinen Stammes der Kubetschi (1800 Individuen) anschließt, und das starker Assimilation durch das türk. Element verfallene Kürinische (bei 131000 Individuen), sowie das von Uslar Laksprache benannte Kasikumükische (bei 32000 Individuen) am meisten verbreitet; das Tabassaranische erstreckt sich nur auf 17000 Individuen. Die durch Uslar bekannt gewordene Sprache der Artschi (etwa 600 Individuen), sowie das nur in den Dörfern Wartaschen und Nidsh im Gebiete von Scheki erhaltene, fast gänzlich durch das türk. Element assimilierte Udische (etwa 10000 Individuen) gehört unstreitig zu derselben Sprachenfamilie des Kaukasus. Vgl. außer den ältern Werken von Klaproth und Güldenstädt: Bodenstedt, «Die Völker des Kaukasuso (2. Aufl., 2 Bde., Frankf. 1855); Berger, «Die Bergvölker des Kaukasus v, in Petermanns »Mitteilungen» (Bd. 6, Gotha 1860); von Seidlitz, „Ethnographie des Kaukasus in Karte und Tabellerß (in Petermanns «Mitteilungen v, Bd. 26, Gotha 1880) und «Die Völker des Kaukasus nach ihrer Sprache und topogr. Verbreitunge (in «Russische Revpuev, herausg. von C. Röttger, Bd. 19, 1881), sowie die ethnogr.⸗linguistischen Monographien von Dorn, Sjögren, von Schiefner und vor allem von Uslar (von den beiden letztern in den Schriften der petersburger Akademie der Wissenschaften seit 1856—73).