Kameen (frz. camée, ital. cameo, cammeo, mittellat. camaeus, entstanden aus einer Nebenform von gemma, d. i. Edelstein) nennt man im allgemeinen alle erhaben geschnittenen Steine, im Gegensatz zu den vertieft geschnittenen oder Intaglien. Insbesondere aber bezeichnet man mit diesem Namen diejenigen, welche zwei übereinander liegende Schichten von verschiedener Farbe haben, sodaß die Figuren in der obern Fläche gebildet werden, die untere Seite aber den Grund ausmacht. Hierzu bedienten sich die Alten vorzüglich des aus rauchbraunen und milchweißen Lagen (z2onae) bestehenden Onyx und des noch eine dritte Lage von Karneol enthaltenden, oft auch durch Betrug hervorgebrachten Sardonyx, des Achat, Amethyst, Karneol, Hyacinth, Specksteins u. s. w. So wechseln an einer solchen K. die Farben malerisch übereinander, die Haare und die Gewandung in dunkler Färbung, das Fleisch weiß, der Grund wieder dunkel. Da aber solche Steine, welche aus zwei Schichten von verschiedener Farbe bestehen, nicht so häufig gefunden werden, so verfertigten schon die Alten auch künstliche K. aus verschiedenfarbigem, überfangenem Glas. Viele K. aus alter Zeit sind auf uns gekommen, darunter einige der merkwürdigsten und vollkommensten Art. So der berühmte Cameo Gonzaga (etzt in der kaiserl. russ. Sammlung zu Petersburg), der die Köpfe eines Fürsten und seiner Gemahlin, höchst wahrscheinlich Ptolemäus' I. und der Eurydike, vorstellt; ferner der große Cameo des Antikenkabinetts zu Wien mit den Köpfen Ptoelemäus' II. und der Arsinoe. Würdige Seitenstücke ermißt, sind unter C aufzusuchen. den K. der Ptolemäer, in Auffassung und Behandlung freilich der selbständig röm. Kunstrichtung angehörend, bilden einige prachtvolle Steine, welche das Walten der kaiserl. Macht zur Darstellung bringen. Zu den vorzüglichsten gehört die Gemma Augustea im k. k. Kabinett zu Wien. Ausgezeichnet ist ein anderer Cameo im Kabinett zu Paris, der den Tiberius als irdischen Jupiter und seine Mutter Livia als Ceres zeigt. Abdrücke echter K. des Altertums in Glasflüssen, Schwefel, Porzellan, Steingut und ähnlichen Massen, die, wenn sie genau sind, für den Kunstliebhaber den Wert der Steine selbst haben, lieferten vorzüglich die Fabrik zu Trapani in Sicilien, die Wedgwoodsche Steingutfabrik in England und auch deutsche Künstler, namentlich Lippert, Collin, Rabenstein u. a. Vgl. Fiorillo, „Aufsätze artistischen Inhaltsv (Bd. Y); Gurlitt, »Archäol. Schrifteno (Altona 1831); Arneth, „Die antiken K. des k. k. Münz⸗ und Antikenkabinetts (Wien 1849) und „Die Cinque-Cento-Kameens (Wien 1858); Krause, «Pyrgotelesv (Halle 1856); King, Antique gems and ringso (2 Bde., Lond. 1872); Mariette, «Traité des pierres gra-Ves „ (2 Bde., Par. 1750). (Vgl. Gemme mit Textfigur 2 u. 6 und Tafel: Bildnerei IV, Fig. 7.)