FeedGemma
HimmelskundeBrockhaus 1882

Gemma, Name des hellsten Sterns, 1. bis 2. Größe im Sternbild der Krone. Gemme. Das lat. Wort gemma bezeichnet zunächst jeden Edelstein; der ganz besondere Gebrauch aber, den die Alten von den Edelsteinen machten, indem sie dieselben mit vertieft oder erhaben gearbeiteten Verzierungen versahen, hat die Anwendung des Wortes auf solche in dieser doppelten Weise verzierte Edelsteine beschränkt. Man unterscheidet also zwei Arten, die einen, in welche die Verzierungen eingraviert, Intaglios genannt, die andern, bei welchen sie erhaben (s. beistehende Fig. 1) auf der Fig. 1. Augustus und Roma (Wien; verkleinert). Masse herausgearbeitet sind, Kameen oder auch Scarabäen, d. i. Käfer, so genannt, von den zahlreichen ägypt. Kameen in der Gestalt dieses Tieres. ber Fig. 2.) Die Kunst der Verfertigung solcher G. heißt Glyptik oder Steinschneidekunst, welch letzterer Ausdruck aber zu allgemein ist. Die Vertiefungen werden mit Hilfe rasch sich drehender Stifte und Rädchen nach einem Wachsmodell hervorgebracht. Als Steine werden weniger die ganz kostbaren, wie Rubine und Diamanten, benutzt, auch solche nicht, die leicht springen, als vielmehr minder wertvolle und Halbedelsteine. Zu den vertieften dur li dient vorzugsweise der Karneol, der rötliche Chalcedon, zu den Kameen der Onyx, der vielfarbige Achat, dessen obere weißliche Schichte das Relief bildet, die untere dunkle aber den Grund. Es kann auch eine dritte Schicht mitbenutzt werden, sodaß die Wirkung ebensowohl eine malerische als plastische is. Andere Steine, Fig die verwendet werden, sind Jaspis, Amethyst, Lapislazuli u. s. w. Die Alten verstanden es auch bereits die Steine zu färben, wie sie dieselben künstlich mit gefärbtem Glas in ausgezeichneter Weise nachahmten. Auch diese Glasimitationen wurden zu G. verarbeitet. Jetzt benutzt man vielfach Muscheln. Der Regel nach ist die Glyptik eine Miniaturkunst. Die Intaglios wurden von den Alten vorzugsweise zu Ringen und insbesondere Siegelrinen verwendet, die Kameen dienten mehr zum chmuck der Frauen; die ägypt. Scarabäen wurden z. B. zu Colliers zusammengesetzt. Es gibt aber auch einzelne größere, soweit es die Größe der Steine zuläßt, so die Gemma Augustea (Triumph des Augustus) in der kaiserl. Sammlung zu Wien 9 8 Zoll groß, die Gemma Tiberiana zu Paris 13 & 11 Zoll groß, die größte der existierenden Kameen. (S. Tafel: Bildnerei IV, 7.) Zu den größern Kameen gehört auch die in obenstehender Fig. 1 dargestellte. Ebenso arbeitete die Glyptik in ganz der gleichen Technik kleine Ziergefäße mit erhabenen Figuren und Ornamenten, von denen eins der berühmtesten aus dem Altertum das mantuanische Onyrgefäß in Braunschweig ist. Fig. 2. Agyyptischer Fig. 3. Agyptischer Scarabäus (vergrößert). Jutaglio (vergrößert). Die Entstehung der Glyptik verliert sich in die ältesten Zeiten. Die Kunst wurde in ganz bevorzugter Weise im alten Agypten (Fig. 2 u. 3), dann in Babylonien, Assyrien, von den Phöniziern u. s. w. geübt. Daß sie der ältesten griech. Kunst, der Kunst der heroischen Zeit, nicht fremd war, haben Schliemanns Entdeckungen in Mykenä bewiesen. In Griechenland aber erreichte sie ihre volle Höhe und Ausbildung. An Schönheit, Anmut, Vollkommenheit der Zeichnung wie der Maßbe d stellte sich diese Plastik im kleinsten Maßstabe der großen 4. Jupiterkopf, griechischer ö ig. 5. Apollo, griechischer Jutaglio (oergrbbert). — Intaglio (vergrößert). Skulptur würdig zur Seite. (S. Fig. 4 u. 5.) Die Blütezeit war die Epoche Alexanders d. Gr., unter welchem Pyrgoteles der erste und berühmteste Künstler war, und diejenige seiner Nachfolger bis in den Anfang der röm. Kaiserzeit. Große Beförderer und Freunde der Glyptik waren die Seleuciden und die Ptolemäer, ebenso die röm. Großen der letzten Zeiten der Republik und der ersten Zeiten des Kaiserreichs. Dann sank auch die Gemmenkunst mit dem Verfall der Kunst überhaupt, wurde war in Byzanz fortgesetzt, doch ohne irgendwie ch mit den alten Arbeiten vergleichen zu lassen. Das occidentalische Mittelalter + nur antike G. und benutzte sie anfangs wohl zum Siegeln, dann aber vorzugsweise zum Schmuck und Besatz kirchlicher Gefäße und Geräte. Erst die Renaissance rief diese wahrhaft antike Kunst in antiker Weise mit fast gleicher Vollkommenheit wieder ins Leben; doch, während die Alten vorzugsweise mytholog. Gegenstände zur Darstellung gebracht hatten, standen in der Renaissance Porträtköpfe (s. Fig. 6) in erster Linie. Fig. 6. Renaissance⸗-Kamee mit Maximilian, Karl V. und Seitdem hat die Glyptik nicht aufgehört in Übung zu bleiben, wenn auch nicht in gleicher Bedeutung. Das 17. Jahrh. bedeutet ein Sinken, das 18., mit der erneuten antiken Richtung in Kunst und Wissenschaft, eine erneute Erhebung. Und so blüht sie auch heute noch als vorzugsweise ital. Kunst, doch bei weitem mehr mit handwerksmäßigem Charakter, als es im Altertum oder zur Zeit der Renaissance der Fall gewesen war. Die erneuerte Erhebung im 18. Jahrh. erhöhte auch das Interesse und die Liebhaberei an G., und damals entstanden eine Anzahl privater und öffentlicher Sammlunen, welche wissenschaftlich bearbeitet oder in den achbildungen der Daktyliotheken » (so von Lippert) publiziert wurden. Jetzt sind die meisten Privatsammlungen den öffentlichen allmählich einverleibt worden. Von letztern sind die bedeutendsten die zu Neapel, Wien, London, Paris, Berlin, Petersburg. Die gesamte Hauptlitteratur der Glyptik ist zu. ammengestellt in H. Rolletts Aufsatz Glyptik' in uchers „Geschichte der technischen Künster (Bd. 1. Stuttg. 1875).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 7, S. 740Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Himmelskunde 6