Kirchbach (Hugo Ewald, Graf von), preuß. General, geb. 23. Mai 1809 zu Neumarkt in Schlesien, erhielt seine Ausbildung im Kadettenhause, trat 1826 als Portepeefähnrich in das 26. Infanterieregiment, wurde 1827 Offizier, 1840 Premierlieutenant und 1845, unter Versetzung zur Adjutantur, Hauptmann; in diesen Jahren war er 1831 —34 zur Allgemeinen Kriegsschule, 1838 41 zum Topographischen Bureau und 1841—45 zur 7. Division (Magdeburg) als Adjutant kommandiert. Als Hauptmann trat er zum Stabe der 8. Division (Erfurt) über, zeichnete sich bei Niederwerfung des Aufstandes 22. Okt. 1848 daselbst aus, wurde 1850 Major und 1851 Adjutant im Generalkommando des Gardekorps, im gleichen Jahre noch in den Generalstab des Gardekorps versetzt. K. war 1855 —58 Lehrer an der Allgemeinen Kriegsschule, wurde 1856 Oberstlieutenant und Abteilungschef im Großen Generalstabe, 1857 Chef des Generalstabes des Garde⸗ und 1858 des 3. Armeekorps, 1859 Oberst. Er führte von 1859 ab das 36., das kombinierte 26. (später 66.) Infanterieregiment, bis er 26. Jan. 1863 zum Kommandeur der 19. Infanteriebrigade und 17. März 1863 zum Generalmajor ernannt wurde. In der ersten Hälfte des J. 1864 war K. als Militärdistriktskommandant an der preuß.⸗russ. Grenze thätig, bis ihm 14. Juli der Befehl über die mobile 21. Infanteriebrigade in Schleswig-Holstein übertragen wurde. Ohne am Kampfe teilgenommen zu haben, trat K. nach dem Kriege in seine frühere Stellung zurück, bis er 1865 mit der Führung der 10. Division (Posen) beauftragt und 4. Jan. 1866 zum Kommandeur derselben, 8. Juni desselben Jahres auch zum Generallieutenant ernännt wurde. Er führte diese Division mit glänzendem Erfolge während des Feldzugs 1866, nahm ruhmreichen Anteil an den Tagen von Nachod und Skalitz (27. und 28. Juni), schlug selbständig das Gefecht bei Schweinschädel (29. Juni), führte tags darauf das Artilleriegefecht bei Gradlitz, stand bei Königgrätz (3. Juli) in Reserve und erhielt für seine Gesamtthätigkeit (die K. selbst litterarisch in einem Beihefte zum Militärwochenblatto 1867 behandelt hat) den Orden pour le mérite. Nach dem Friedensschlusse behielt K. die bisherige Stellung als Kommandeur der 10. Division in Posen, wurde jedoch beim Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 an Stelle des zur Führung einer Armee berufenen Generals von Steinmetz 18. Juli 1870 zum Kommandierenden General des 5. Armeekorps ernannt. Während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870 und 1871 eröffnete K. durch das Gefecht bei Weißenburg (4. Aug.) die Siegesbahn des Heeres, wobei er leicht verwundet (Schuß durch die linke Achsel), aber zum General der Infanterie mit dem Patent vom 4. Aug. befördert wurde; 6. Aug. war das 5. Korps vorzugsweise an der Erstürmung von Wörth beteiligt. Seiner persönlichen Einwirkung ist der Erfolg des Tags großenteils zuzuschreiben. Bei Sedan (1. Sept.) fuhrte K. nach der schweren Verwundung des Kommandierenden Generals des 11. Korps auch dieses. Vor Paris, und zwar in Versailles selbst, hatte K. vom 19. Sept. 1870 bis 9. Febr. 1871 mit dem 5. Korps die Hauptquartiere des Königs, sowie des Kronprinzen Friedrich Wilhelm zu schützen und die gewichtige Stellung gegenüber dem Mont-⸗Valérien von Bougival bis St.⸗Cloud besetzt zu halten. Den großen Ausfall am 19. Jan. 1871 (Schlacht am Mont-Valérien) schlug er blutig zurück. Ende Mai rückte K. wieder in Posen ein und wurde bald darauf zum Chef des 1. niederschles. Infanterieregiments Nr. 46 ernannt. Am 2. Sept. 1873 verlieh der Kaiser dem Fort Nr. 10 bei Straßburg den Namen Fort Kirchbach » und zeichnete 1875 den General durch Verleihung des Schwarzen Adlerordens aus, zu welchem derselbe im folgenden Jahre die Kette empfing. Im J. 1880 trat K. aus dem aktiven Militärdienste aus und wurde in den Grafenstand erhoben; er lebt seitdem auf seinem Gute Moholz bei Niesky.