FeedKanon
MusikBrockhaus 1882

Kanon heißt in der Musik der Griechen eine Art Monochord, seit dem 15. Jahrh. aber in der Musik ein mehrstimmiges Tonstück, dessen verschiedene Stimmen nach und nach aus einer einzigen Stimme fließen. Die Stimmen setzen deshalb auch nicht zusammen, sondern erst nacheinander ein, wobei jede nachfolgende genau (wenn auch in höhern oder tiefern Intervallen) wiederholt, was die voraufgehende gesagt hat. Diese Art der Komposition entstand im Mittelalter schon vor dem 13. Jahrh., und der Name K. wurde ihr gegeben, weil durch eine derartige Herleitung aller Stimmen der Harmonie aus einer einzigen der Kernpunkt und die Grundregel des strengen Tonsatzes gefunden war. Der K. bildet den Grund und Anfang der gesamten fugierten Komposition; in der spätern Praxis hat sich dann die Fuge (s. d.) weiter und freier ausgebildet. Wie der K. von beiden das erstere war, so ist er auch das populärere geblieben. Wie im K. alles aus einer einzigen Stimme entsteht, so wurde er auch früher und wird meistens noch jetzt nur rmißt, sind unter C aufzusuchen. 5* einstimmig aufgezeichnet, mit Zeichen für den Ein⸗ —2— der perschiebenen Stimmen. Unter den alten Fugenmeistern war es nun ein beliebtes Kunststück, derartige Zeichen, sowie Vorzeichnungen der Tonart und sonstige Bedingungen der Ausführung zu unterdrücken und lediglich erraten zu lassen. Ein s olches Gebilde heißt Rätselkanon.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 67Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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