FeedKirchentöne
MusikBrockhaus 1882

Kirchentöne nennt man in der Musik diejenigen Tonarten, welche vor der Ausbildung der modernen Dur⸗ und Moll-Tonleiter im Gebrauch waren. Sie heißen K., weil sie in der kunstvollen Kirchenmusik des 15. bis 17. Jahrh. besonders zur Geltung gekommen und in dauernden Kunstwerken erhalten sind; im übrigen hatten sie für die weltliche Musik der damaligen Zeit dieselbe Geltung. Bei den Tonarten der K. hielt man sich nur an diejenigen Töne, welche durch die untern (weißen) Tasten des Klaviers dargestellt werden und begann die Reihe mit D, welches deshalb auch der erste K. oder die dorische Tonart genannt wurde; die Töne hießen also aufsteigend: Def ga hc. Der zweite K. (Ef gea h c d wurde phrygische Tonart genannt; der dritte (Eg a h c d e) lydische Tonart; der vierte (G a h d ef) mixolydische Tonart; der fünfte (A defg) äolische Tonart; der sechste (O d eef ga h) ionische Tonart. Die Oktavenreihen nannte man auch die authentischen Töne und stellte ihnen sechs andere als plagale oder von den erstern abhängige gegenüber, welche mit jenen zwar dieselben Töne besitzen, aber die Melodien mehr in den untern Lagen halten; deshalb erhielten sie die Namen Hypodorisch (d. i. Unterdorisch), Hypophrygisch, Hypolydisch u. s. w. Die Modulationsweise in den Folgen der K. ist von besonderm Ausdruck, muß daher als eine berechtigte, für die Kunst fortdauernd gültige Eigentümlichkeit angesehen werden, die auch (nachdem sie eine Zeit lang aus Unkenntnis verachtet war) neuerdings wieder große Bedeutung erlängt hat.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 301Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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