FeedKaratheodöry (Alexander)
GeschichteBrockhaus 1882

Karatheodöry (Alexander), bei den Türken Alexander Pascha Karatheodory, osman. Staatsmann und Gelehrter, im besondern Hellenist, wurde, als Angehöriger einer in Konstantinopel weit verbreiteten fanariotischen Familie, daselbst um 1834 geboren und erhielt eine vortreffliche Erziehung, welche er durch Universitätsstudien in Deutschland vervollständigte. Für den türk. Staatsdienst bestimmt, trat er zunächst in das Bureau der übersetzungen ein. Seine sehr rasche Carrière verdankte er der Gunst des nachmaligen Großveziers und öftern Ministers der auswärtigen Angelegenheiten Safvet Pascha, dem er während der Konstantinopeler Konferenz (Dez. 1876 und Jan. 1877), sowie bei Abschluß des Präliminarfriedens von San-Stefano 1878 als vertrauter Rat zur Seite stand. Safvet setzte auch die Ernennung K.s unter dem Namen Alexander Pascha zum Inhaber des nie zuvor einem Christen anvertraut gewesenen Postens des Chefs des Auswärtigen Amtes durch. Auf dem Kongreß zu Berlin 1878 vertrat K. die 9. als Delegierter und unterzeichnete die chlußakte des Traktats vom 13. Juli 1878. Damit hatte sein rasch aufsteigender Stern den Höhepunkt erreicht. In den Sturz seines Gönners mit verwickelt, war er seitdem von einer jeden Verwendung auf einem höhern Posten ausgeschlossen geblieben und lebt in Konstantinopel als Gelehrter. — Ein Verwandter K.s, Etienne K. schrieb: Du droit international concernant les grands cours d'eauo (Lpz. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 100Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6