FeedSaid Pascha (Mehemed)
GeschichteBrockhaus 1882

Said Pascha (Mehemed), mit dem Zunamen Kütschük, bekannter türkischer Staatsmann, gehört der Partei an, welche die Reform ohne Anlehnung an das Ausland aus eigener Initiative der Pforte ins Leben rufen will. S. nahm 1860 unter Fuad Pascha an der Pacifikation Syriens hervorragenden Anteil, wofür ihm die Paschawürde zuteil wurde. Später wurde er mit der Verwaltung der Inseln des Archipels und Cyperns betraut und stand beim Beginn des Russisch-Türkischen Krieges von 1877 bis 1878 den Sandschaks von Tultscha und Tirnowa vor. Obwohl kein Soldat, hatte er im Verlaufe des Krieges das Kommando des Korps von Osmanbazar zu übernehmen und er selbst focht nicht unglücklich, wenn er auch dem Kriege keine vorteilhafte Wendung zu geben vermochte. Rach dem Frieden berief ihn der Sultan Abdul-Hamid II. als Sekretär in sein Kabinett und ernannte ihn zum Mitglied der Reformkommission, in welcher Eigenschaft er mit Baler Paschg Kleinasien bereiste. Im J. 1879 wurde er erster Minister und mußte als solcher wiederholt den Ansprüchen Englands entgegentreten. Dies kostete ihm 1880 seine Stellung; jedoch berief ihn der Sultan schon nach drei onaten zurück. Es gelang ihm, die montenegr. und griech. Grenzstreitigkeiten beizulegen und mit den Staatsgläubigern der Türkei ein Abkommen zu treffen. Durch den Prozeß wider die Mörder des Sultans Abd-ul-Asis wußte er seinen Nebenbuhler Midhat zu beseitigen. Am 2. Mai 1882 abermals entlassen, wurde er im Juli wieder eingesetzt und im Dezember 1882 zum Großvezier ernannt, welchen Posten er bis zum Herbst 1885 bekleidete. Weniger bedeutend als Kütschük S. ist Schischmän (der dicke) S., welcher 1883—85 die Pforte in Berlin vertrat und im Herbst 1885 zum Minister des Auswärtigen ernannt wurde.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 14, S. 107Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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