Karl genannt Martell, d. i. der Hammer, der Sohn Pipins von Heristal und der Chalpaida, geb. um 690, wurde nach dem Tode seines Vaters, 714, von seiner Stiefmutter Plektrude in Köln gefangen gehalten, da sie durch ihn ihren Enkel Theudoald bedroht glaubte, auf den Pipin nach seines Sohnes Grimoald Tode trotz seiner Kindheit die Würde des Majordomus (s. d.) vererbt hatte. Eine Partei der Neustrier erhob sich aber siegreich gegen Theudoald, erwählte Raganfred zum Majordomus, und nach Dagoberts III. Tode Chilperich II. zum König. Mit den Friesen verbündet griffen sie die Austrasier an und drangen bis Köln vor. Auf dem Rückzug, den Plektrude erkauft hatte, wurde das neustrische Heer jedoch von K., der aus dem Gefängnis entkommen und von den austrasischen Franken zum Herzog gewählt worden war, an der Amblöve 716 und nochmals 717 bei Vinoy unweit Cambrai geschlagen. Plektrude, durch einen Aufstand gezwungen, öffnete ihm die Thore Kölns. K. erhob nun Chlotar IV. auf den Thron, zwang Chilperich durch den Sieg bei Soissons 719 zur Flucht zu dem Herzog Eudo von Aquitanien, schloß aber, da Chlotar noch 719 starb, Frieden mit ihm und wurde auch von ihm als Majordomus anerkannt. Als solcher herrschte er unter ihm und nach seinem Tode (720) unter Theodorich IV. über die Franken. Feldzüge gegen die abgefallenen Alamannen und Bayern und gegen die Sachsen beschäftigten ihn zunächst, bis Eudo gegen die Araber seine Hilfe anrief. Von dem westgot. Septimanien aus, das sie seit 720 behaupteten, hatten diese Aquitanien überzogen, Bor⸗ [deaux erobert, Eudo geschlagen und waren über die Garonne bis zur Loire vorgedrungen, wo sie Tours bedrohten. Zwischen dieser Stadt und Poitiers gewann K. 732 über die Araber den großen Sieg, der diese, nachdem ihr Führer Abd-ur-Rahmän gefallen, zur Flucht zwang und Germanentum und Christentum von schwerer Gefahr rettete. Noch einmal zog K., nachdem er die westl. Friesen 734 der fränk. Herrschaft unterworfen und von Hunold von Aquitanien, der seinem Vater Eudo 735 gefolgt war, den Treuschwur empfangen hatte, gegen die Araber, als sie 737 in das burgund. Land bis gegen Lyon eingedrungen waren. Er trieb sie 738 zurück. Narbonne konnte er zwar nicht erobern; das arab. Heer aber, das die Stadt entsetzen sollte, wurde von ihm besiegt und hierdurch die Herrschaft der Araber nördlich der Pyrenäen bis zur Aude beschränkt, Languedoc dem Frankenreiche gewonnen. Während der Unterhandlungen mit Papst Gregor III., der um seine Hilfe gegen den Longobardenkönig Luitprand bat und ihm den röm. Patriciat antrug, starb K., der seit Theodorichs Tode 735 den Thron unbesetzt gelassen, 22. Okt. 7⁴1 zu 111 an der Oise, nachdem er die Verwaltung des Reichs 1— Söhnen Karlmann (s. d.) und Pipin (s. d.) dem Kleinen zugeteilt. Doch hatte er, durch seine zweite Gemahlin Swanhilde bewogen, nachträglich auch deren Sohn Grifo (s. d.) einen Teil des Reichs überwiesen, was nach seinem Tode einen schweren innern Krieg zur Folge hatte. Vgl. Breysig, Jahrbücher des Fränkischen Reichs 714 741(Lpz. 1869).