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GeschichteBrockhaus 1882

Karolinger (Carlovingiens) werden die Glieder der Familie Kaiser Karls d. Gr., insbesondere die derselben angehörenden Könige der zweiten Dynastie in Frankreich genannt. Als Stammvater gilt der Bischof Arnulf von Metz, aus einem vornehmen fränk. Geschlecht, gest. 641. Sein Sohn Ansegisil heiratete Begga, die Tochter Pipins des Alten, der Majordomus (s. d.) in Austrasien war, und der Sohn Ansegisils, Pipin von Heristal, erzwang durch Waffengewalt von dem schwachen König Theodorich III. die Majordomuswürde über alle drei Teile des Fränkischen Reichs, Neustrien, Austrasien und Burgund. Obgleich Pipin die Merovinger auf dem Throne ließ, waren dieselben doch fortan nur Schattenkönige. Pipin starb 17. Dez. 714 und hinterließ als Nachfolger einen jungen Enkel, Theudoald, zu dessen Vormünderin er seine Gemahlin, Plektrude, einsetzte. Allein Karl Martell, ein natürlicher Sohn Pipins, wurde von den Austrasiern zum Majordomus erhoben und unterwarf sich als solcher auch die übrigen Teile. Er starb 741, nachdem er seit 737 den Thron unbesetzt gelassen. Seine beiden Söhne, Karlmann und Pipin der Kurze, teilten die Länder und setzten zu ihrer Befestigung nißt, sind unter E aufzusuchen. Childerich III. auf den Thron. Doch Karlmann ging 747 nach Italien ins Kloster und Pipin blieb Herr des ganzen Reichs. Bei den Großen als Krieger Leits d. bei der Geistlichkeit durch die Rückgabe eines eils der von seinem Vater eingezogenen Kirchenüter beliebt, stieß er den letzten Merovinger vom hrone und ließ sich 752 als fränk. König krönen; er starb 24. Sept. 768. Seine Söhne, Karlmann und Karl der Große, teilten das Reich. Karlmann starb aber 771 und seinem Bruder fiel, ohne Rücksicht auf die Neffen, das ganze Reich zu. Durch Eroberung und Politik dehnte Karl das Fränkische Reich (s. d.) zum Weltreich des Abendlandes aus. Papst Leo III. setzte ihm 800 zu Rom die abendländ. Kaiserkrone auf, die Karl 813 seinem einzig überlebenden Sohne Ludwig I. übergab. Ludwig der Fromme gab schon 817 seinem jüngsten Sohne, Ludwig, Bayern, und dem zweiten, Pipin, Aquitanien; den ältesten, Lothar, erhob er zum Mitregenten und sicherte ihm die Kaiserkrone. Dies brachte seinen Neffen Bernhard von Italien zur Empörung; derselbe wurde aber gefangen, geblendet und starb 818. Aus zweiter Ehe wurde 823 Ludwig dem Frommen noch ein Sohn, Karl der Kahle, geboren, zu dessen Gunsten der Vater eine neue Teilung vornahm. Dieser Umstand verwickelte die Brüder mit dem Vater in fortwährende Kriege. Als Ludwig der Fromme 840 starb, betrachtete sich Lothar als Kaiser. Sein zweiter Bruder, Pipin von Aquitanien, war 838 dem Vater im Tode vorausgegangen; zwar hatte er Söhne hinterlassen, doch wurden sie nicht berücksichtigt. Nach langem Hader kam endlich 11. Aug. 843 unter den Brüdern der Vertrag zu Verdun (s. d.) zu Stande, durch welchen die ganze Ländermasse Karls d. Gr. in drei unabhängige Reiche zerfiel. Lothar I. erhielt das Königreich Italien und die Kaiserkrone, dann alle Länder zwishen dem Rhein und der Schelde und vom Ursprunge der Maas an bis zum Einflusse der Saöne in den Rhöne und längs dieses bis zum Mittelländischen Meere; Ludwig der Deutsche bekam die Länder diesseit des Rheins und am linken Ufer die Gebiete von Speier, Worms und Mainz; Karl der Kahle nahm den Westen, nämlich Neustrien, Aquitanien und die Spanische Mark oder die fränk.⸗ roman. Länder. Aus des letztern Anteil bildete sich nun der selbständige Staats- und Volkskörper Frankreich (s. d.). Die Lander Kaiser Lothars I., gest. 855, teilten dessen Länder nochmals. Ludwig II. nahm mit dem Königreich Italien die abendländ. Kaiserwürde; Lothar II. empfing die Länder an der Maas, die nach ihm Lothringen genannt wurden; Karl erhielt die Provinzen am linken Ufer und unterhalb der Saöne oder das Königreich Provence. Nach den Verträgen zu Mersen 847 und 851 sollte das Erbe der beiden letztern Brüder an Ludwig II. zurückfallen. Karl starb 863, und seine provengal. Staaten wurden in der That von den beiden überlebenden Brüdern, dem Kaiser und dem König von Lothringen, geteilt. Als aber 869 auch Lothar II. starb, nahmen die Oheime, Karl der Kahle von Frankreich und Ludwig der Deutsche, mit Gewalt Lothringen. Der Kaiser Ludwig II. starb 12. Aug. 875 kinderlos und setzte Karlmann, einen Sohn Ludwigs des Deutschen, zum Gesamterben ein. Doch auch den Kaiserthron mit Italien riß Karl der Kahle auf kurze Zeit an sich. König Ludwig der Deutsche starb 876 und in seine Länder teilten sich seine Söhne. Karlmann wurde König von Bayern erhielt auch 877, siegreich gegen Karl den Kahlen, Italien, starb aber ohne legitime Nachkommen 880; Ludwig II., genannt der Jüngere, erhielt Franken und Sachsen und starb ohne Erben 882; Karl der Dicke wurde bei der Teilung König von Alamannien, gewann schon 879 Italien und nach dem Tode seiner Brüder ganz Deutschland; schon 881 ward er zum Kaiser gekrönt. Endlich wählten ihn 884 auch die franz. Großen zu ihrem König. Noch einmal vereinigte er so das ganze Erbe Karls d. Gr. Aber geistig und körperlich schwach, wurde er 887 mn einem Gesamtreichstage zu Tribur seiner sämtlichen Kronen verlustig erklärt und starb darauf 13. Jan. 888. Nach Karls des Dicken Absetzung, der als Kaiser Karl III. hieß, bemächtigte sich Deutschlands und Italiens mit der Kaiserwürde Arnulf, ein natürlicher Sohn des Königs Karlmann. Derselbe starb 899 und hinterließ die deutsche Königskrone seinem siebenjährigen Sohne Ludwig III., das Kind genannt, mit dem 20. Aug. 911 die K. in Deutschland erloschen. Die Dynastie, welche Karl II. oder der Kahle in Frankreich gründete, überdauerte in einer Reihe schwacher Fürsten die bn eudwig ll nicht um ein Jahrhundert. Sein Sohn Ludwig II. starb 879 und hinterließ aus erster Ehe die beiden Söhne Ludwig III., gest. 882, und Karlmann, gest. 884, die gemeinschaftlich regierten. Nach ihrem Tode übergingen die franz. Großen den Sohn Ludwigs II. aus zweiter Ehe, Karl den Einfältigen, und wählten den Kaiser Karl den Dicken zu ihrem König. Erst 893 wurde Karl III. oder der Einfältige von einigen Großen auf den franz. Thron erhoben, verlor denselben aber, noch ehe er 929 starb, an Rudolf von Burgund. Nach dessen Tode setzten die Großen 936 Karls des Einfältigen Sohn Ludwig IV., den Ultramariner, auf den franz. Thron. Derselbe starb 954, beerbt von seinem ältesten Sohne, Lothar I.; sein zweiter Sohn, Karl, wurde Herzog von Niederlothringen. Lothar I. starb 986; ihm folgte sein Sohn Ludwig V., mit dem 987 die K. in apon Riederschen. Zwar suchte der Herzog Karl von Niederlothringen sein Erbfolgerecht mit den Waffen geltend zu machen, allein er wurde von Hugo Capet überwunden und starb 994 im Gefängnis. Vgl. Warnkönig und Gerard, Histoire des Carolingienso (2 Bde., Par. 1862); Bonnell, Die Anfänge des karolingischen Hausesp (Berl. 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 146Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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