Karl V., genannt der Gelehrte, König von Frankreich, 1364—80, der Sohn Johanns II. (s. d.), „ 21. Jan. 1337, übernahm 1356, nachdem sein Vater in die Gefangenschaft Eduards III. von England geraten war, als Dauphin die Reichsverwaltung. Der gedrückte Bürgerstand nahm diesen Anlaß wahr, sich Geltung zu verschaffen. Auf der Versammlung der Generalstaaten im Frühjahr 1357 zu Paris forderte man die Entfernung der königl. Räte und setzte die Einführung einer gemischten Kommission durch, die dem Dauphin zur Seite stehen und die Verwendung der Subsidien überwachen sollte. Robert Lecog, Bischof von Laon, und Etienne Marcel, Prévöt der pariser Kaufmannschaft, waren die Häupter dieser Volkspartei. Hinter ihnen stand König Karl der Böse von Navarra, der nach der franz. Krone strebte. Als der Dauphin die Räte nicht entließ, drang Marcel, während einer zweiten Reichsversammlung, 22. Febr. 1358, in das Gemach des Prinzen und ließ vor dessen Augen die Marschälle von Champagne und Normandie ermorden. K. verließ nun Paris, verband sich mit dem Adel in den Provinzen und berief nach Compiegne eine neue Reichsversammlung, die von Paris nicht beschickt wurde. Vielmehr bewaffnete Marcel die Stadt und die Bürger und suchte den König von Navarra an die Spitze der Empörung zu stellen. Am 1. Aug. wurde jedoch Marcel von einem Bürger, Maillard, erschlagen. Am Arme des Mörders zog nun der Regent in Paris ein und begann eine blutige Reaktion, während der König von Navarra die Stadt einschloß und durch Verwüstung der nördlichen Provinzen den Anstoß zu dem Bauernaufruhr, der sog. Jacquerie (s. d.), gab. In diesen Wirren brach der Krieg mit England wieder aus. Johann II. war zu London einen Mnande Vertrag eingegangen, den die franz. Generalstände und der Dauphin verwarfen. Ein engl. Heer verwüstete Frankreich von Calais bis nach Burgund. Endlich kam 8. Mai 1360 der Friede zu Brétigny zu Stande, nach welchem Johann als Lösegeld 3 Mill. Goldthaler zahlen, aber auch fast den dritten Teil des eichs an das engl. Königshaus abtreten sollte. Mit des Königs Rückkehr legte der Dauphin die Regierung nieder. Johann aber starb 8. April 1364 u London, wohin er zur persönlichen Unterhandlung über die Vollziehung des Friedens gereist war, und K. bestieg nun den franz Thron. Durch eine kluge Politik förderte er die königl. Macht. Duguesclin und die königl. Brüder führten mit Glück die Waffen. Der König von Navarra, der den Kampf erneuert, wurde im Mai 1364 zu Cocherel besiegt. Die Kameradschaften aber (s. Condot-Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. tieri), die das Land mit Raub und Brand erfüllten, zogen mit Eduard, dem Schwarzen Prinzen, nach Spanien. Nach der Rückkehr desselben fand sich K. so stark, daß er selbst den Streit erneute. Eduard hatte dem Adel von Guyenne drückende Abgaben auferlegt, und dieser beklagte sich beim König von Frankreich, Obgleich die Souveränetät über dieses Land im Frieden auf England übergegangen, lud doch K. den Prinzen Eduard vor seinen Pairshof. Darüber entbrannte 1369 der Krieg. Die Engländer verheerten das Land furchtbar; allein bei der Hinfälligkeit Eduards und der Schwäche seiner Mittel konnten sie wenig ausrichten. In 10 Jahren eroberte K. alle engl. Besitzungen bis auf einige 5 Städte. Nachdem er noch den vergeblichen Versuch gemacht, die Bretagne dem Herzog Johann V. zu entreißen, starb er 16. Sept. 1380. So despotisch und hart wie sein Charakter war auch seine Regierung. Er unterdrückte die Generalstände und erhob die Gelder durch Versammlung der Notabeln. Selbst die wichtige Anordnung, daß die Könige von Frankreich schon mit 14 Jahren mündig sein sollten, ließ er nur in einem Lit de justice (s. d.) bekräftigen. Als Freund gelehrter Bildung war er stets mit Gelehrten (eleres) umgeben, die auch die berühmte Schrift gegen den Papst «Songe du Vergiero abfassen mußten. Vgl. Choisy, «Vie de Charles Vo (Par. 1784) Barthelemy de Beauregard, «Ilistoire de Charles Vo (Par. 1843); Delisle, Mandements et actes divers de Charles Vo (Par. 1874); von Bojanowsli, „Etienne Marcel und die pariser Communey (Preußische Jahrbücher“, 1880, Bd. 45).