FeedKarl I. von Anjou
GeschichteBrockhaus 1882

Karl I. von Anjou, König von Neapel und Sicilien, war ein Bruder des franz. Königs Ludwig IX., geb. 1220, erheiratete 1246 mit Beatrix, der Erbtochter Raimund Berengars IV. von der Provence, dieses Land und erhielt dazu von seinem Bruder die Grafschaften Anjou und Maine. Zwei Jahre darauf begleitete er gleich seinen andern Brüdern den König auf dessen Kreuzzuge nach Agypten. Heimgekehrt, ließ er sich besonders die Befestigung seiner Macht in der Provence angelegen sein und wandte bald seine Blicke auf Italien, wo seit dem Tode Kaiser Friedrichs II. der Kampf der Ghibellinen und Guelfen alle Verhältnisse verwirrte. Schon erwählten einige Städte Oberitaliens sich K. zu ihrem Schutzherrn, und Papst Innocenz IV. wollte K. mit dem Königreich Sicilien belehnen, wenn dieser es übernähme, mit Hilfe der Kirche es den staufischen Epigonen zu entreißen. Die darüber seit w1253 geführten Verhandlungen blieben jedoch lange ohre Ergebnis, und erst 4. Nov. 1265 wurde K. förmlich mit dem zu erobernden Königreich belehnt, 6. Jan. 1266 zu Rom im Auftrage des Papstes zum König von Sicilien gekrönt. Mit franz. Rittern und Soldtruppen rückte dann K. ins Feld gegen König Manfred (s. d.), der in der Schlacht bei Benevent 26. Febr. 1266 seinen Tod fand. Als dann aber Konrads IV. Sohn Konradin (s. d.) kam, um das Erbe seines Hauses sich zu erstreiten, die Insel Sicilien ebenso wie die Mohammedaner Apuliens sich für ihn erhoben und K.s Flotte von den Pisanern Heschlagen wurde, gestaltete sich die Lage für K. sehr ernst. Doch befestigten Konradins unerwartete Niederlage bei Tagliacozzo oder Scurcola 23. Aug. 1268, seine und seiner vornehmsten Anhänger Gefangennahme und die nur aus polit. Gründen zu rechtfertigende Hinrichtung derselben am 29. Okt. die Herrschaft K.s von neuem. Mit eiserner Hand regierte K. nunmehr, und selbst die Päpste gerieten in Abhängigkeit von ihm, welcher als päpstlicher Vilar auch im Kirchenstaate und als Haupt der siegreichen Guelfen in Italien überhaupt gebot. Der unglücklich verlaufene Kreuzzug Ludwigs IX. gegen Tunis brachte K. in dem folgenden Frieden manche Vorteile, und als Nachfolger der Normannen von Unteritalien dachte K. jetzt auch an Byzanz; er kaufte den von den Paläologen vertriebenen lat. Fürsten ihre Ansprüche ab und richtete wiederholt seine Angriffe gegen die griech. Herrscher des Ostens. So kam es, daß die Päpste eine beschränkte Erneuerung des deutschen Einflusses in Italien wieder für notwendig hielten, um K. ein Gegengewicht zu schaffen, ja daß Papst Nikolaus IV. sogar mit den sicil. Unzufriedenen in Verbindung trat, an deren Spitze der Arzt Johann von Procida stand. Dieser verschaffte sich von den bedrohten Paläologen Geld und gewann den König Peter III. ißt, sind unter C aufzusuchen. von Aragonien, welcher als Gemahl einer Tochter Manfreds und Sprosse der Staufer in weiblicher Linie als Erbe des Königreichs auftreten konnte. Aber bevor Peter eingriff, schaffte sich die durch die siskalischen Bedrückungen des anjovinischen Systems und durch die Gewaltthätigkeiten der franz. Beamten erbitterte Bevölkerung der Insel selbst ihr Recht. Das unter dem Namen der Sicilische Vesperls.d.) bekannte Morden, welches am 30. März 1282 in Palermo begann und in den übrigen Städten der Insel nachgeahmt ward, brachte ihr die Freiheit, und K.s Versuch, mit dem zufällig gegen die Griechen gesammelten Heere den Aufstand niederzuwerfen, scheiterte an der heldenmütigen Verteidigung Messinas. Man huldigte jetzt auf der Insel dem Aragonesen, der die ersehnte Hilfe brachte. K. ging nun nach Frankreich, um sich von dort aus zu verstärken. Aber während seiner Abwesenheit traf ihn ein neuer Schlag. Sein Sohn Karl, den er als Statthalter in Neapel zurückgelassen, wurde 1284, durch seine Kampflust verlockt, der vor Neapel kreuzenden überlegenen aragonesischen Flotte unter Admiral Roger de l'Oria aufs hohe Meer zu folgen, hier geschlagen und gefangen. Bald darauf starb K. selbst 1285. Vgl. del Giudice, «Codice diplomatico Angioinop; Saint-Priest, Mistoire de la conquête du royaume de Napleso (4 Bde., Par. 1847—48); Schirrmacher, «Die letzten Hohenstaufen» (Gött. 1871); del Giudice, La famiglia del re Man⸗- fredio (im Archivio stor. Napol. IILo); Minieri— Riccio, Alcuni studii storici intorno a Manfredi e Corradino (Neapel 1850); «La guerra del Vespro Siciliano (Palermo 1842).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 119Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6