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GeschichteBrockhaus 1882

Konradin, wie er gewöhnlich genannt wird, eigentlich Konrad, Herzog von Schwaben, der letzte Sprößling des schwäb. Kaiserhauses der Hohenstaufen (s. d.), Sohn Konrads IV. (s. d.) und Enkel Kaiser Friedrichs II., geb. 25. März 1252 zu Wolfstein bei Landshut, war erst zwei Jahre alt, als sein Vater in Italien starb. Während seiner Minderjährigkeit, wo er am Hofe seines Oheims, des Herzogs Ludwig von Bayern, erzogen wurde, hatte Manfred (s. d.) auf das falsche Gerücht von seines Neffen Tode sich die Krone von Sicilien aufgesetzt, erklärte sich aber bereit, dieselbe auf K. zu vererben. Papst Clemens IV. aber, voll Haß gegen das hohenstaufische Geschlecht, vergab das Königreich Sicilien an Karl von Anjou, der nach Manfreds Niederlage und Tod 1266 sich in den Besitz desselben setzte. Bald aber wurden die Italiener der Gewaltherrschaft der Franzosen überdrussig und luden den rechtmäßigen Erben K. durch Gesandte ein, sein väterliches Reich in Italien in Besitz zu nehmen. Mutig und voll edler Begeisterung zog dieser, begleitet von seinem Jugendfreunde Friedrich, dem Sohne des Markgrafen Hermann von Baden, mit einem Heere von 10000 Mann, das er mit dem durch Verpfändung seiner letzten Hausgüter gewonnenen Gelde gesammelt hatte, im Herbst 1267 über die Alpen. Trotz des vom Papst gegen ihn geschleuderten Bannfluchs gewann er allenthalben zahlreiche Anhänger und seine ersten Unternehmungen gingen glücklich von statten. Einige oberital. Städte und Karls ehemaliger Bundesgenosse, Heinrich von Castilien, Senator von Rom, traten auf seine Seite; eine Schlacht gegen die Franzosen im Arnothal wurde gewonnen; Rom nahm ihn freudig auf, und eine zu seinen Gunsten in Sicilien entstandene Empörung verbreitete sich immer weiter. Doch in der Hauptschlacht bei Tagliacozzo oder Scurcola, 23. Aug. 1268, ward K. durch eine Kriegslist Karls geschlagen und auf der Flucht durch Frangipanis Verrat gefangen genommen. Karl aber ließ 29. Okt. 1268 K. nebst dessen Freunde Friedrich auf dem alten Markte zu Neapel enthaupten. K. starb mit bewundernswürdiger Standhaftigkeit. Erhalten sind von ihm noch zwei deutsche Minnelieder, die unter dem Namen König Konrads des Jungenin der Manesseschen Sammlung stehen. Kis tragisches Schicksal ist von mehrern deutschen Dichtern dramatisch bearbeitet worden, wie z. B. von Raupach und Köster. Im Auftrage des Kronprinzen (nachmaligen Königs Maximilian II.) von Bayern ward die durch Schöyf aus München nach Thorwaldsens Modell ausgeführte Marmorstatue K.s in der Kirche Sta.⸗Maria del Carmine, wo K.s Gebeine liegen, 1847 aufgestellt. Vgl. Schirrmacher, Die letzten Hohenstaufeno (Gött. 1871). ourektor (neulat., d. i. Mitrektoro), Amtstitel für Lehrer, welche im Range unmittelbar nach dem Rektor folgen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 483Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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