Karl XIV. Johann, König von Schweden und Norwegen, 1818—44, Adoptivsohn und Nachfolger Karls XIII. (s. d.), hieß eigentlich Johann Baptist Julius Bernadotte und war der Sohn eines Rechtsgelehrten zu Pau (Depart. Niederpyrenäen) in Frankreich. Geb. 26. Jan. 1764, trat er 1780 als Freiwilliger in die franz. Armee und diente zwei Jahre als Grenadier in Corsica, worauf er wegen Krankheit seinen Abschied nahm. Doch bald trat er wieder als gemeiner Soldat ein und war beim Ausbruch der Revolution Feldwebel (Sergeant-major). Im J. 1792 wurde er Bataillonschef unter Custine, 1793 Brigadechef, bald darauf unter Kleber Brigadegeneral und 1794 befehligte er bei Fleurus eine Division. Unter Jourdan begründete er 1796 in den Kämpfen am Rhein, an der Lahn und am Main seinen Ruf als Feldherr. Dann wirkte er 1797 unter Bonaparte in Italien. Nach dem Frieden von Campo-Formio wurde er franz. Gesandter in Wien. Als er daselbst auf dem Gesandtschaftshotel die dreifarbige Fahne aufpflanzen ließ, entstand ein Volkstumult (13. April 1798), infolge dessen er nach Paris Aceufe Wer Bald darauf vermählte er sich mit Eugenie Bernardine Desirée, Tochter des Kaufmanns Clary in Marseille, deren Schwester mit Joseph Bonaparte (s. d.) verheiratet war. Im J. 1799 kommandierte Bernadotte anfangs die sog. Observationsarmee am Rhein. Sodann erhielt er das Kriegsministerium, wurde aber schon nach drei Monaten durch das Direktorium wieder von diesem Amte entfernt. Nach dem 18. Brumaire berief ihn der Erste Konsul in den Staatsrat und übertrug ihm 1800 das Kommando über die Westarmee, in welcher Stellung er einen neuen Aufruhr in der Vendée durch humane Maßregeln schon im Entstehen unterdrückte. Im Juni 1804 übernahm Bernadotte das Oberkommando in Hannover und erhielt bei der Errichtung des franz. Kaisertums den Marschallsstab. Im österr. Kriege von 1805 trug er bei Ulm und Austerlitz zur Entscheidung wesentlich bei. Am 5. Juni 1806 ernannte ihn Napoleon zum Fürsten von Pontecorvo, einer vormals päpstl. Enklave in Neapel. Im preuß. Kriege von 1806 befehligte er das 1. Armeekorps und verfolgte nach der Schlacht bei Jena den General Blücher bis Lübeck, wo er denselben (7. Nov.) zur Kapitulation nötigte. Nach rühmlicher Teilnahme am russ.⸗preuß. Kriege von 1807 erhielt er das Oberkommando über die franz. Truppen in Norddeutschland und Dänemark. In dem neuen österr. Kriege von 1809 führte er auch die mit Frankreich verbündeten Sachsen, focht mit denselben bei Wagram und schrieb ihnen in seinem au em Mern fast ausschließlich die Ehre des Siegs zu, ein Verfahren, das Napoleon sehr übel aufnahm und öffentlich (7. und 11. Juli) desavouierte. Kurz darauf erhielt er den Oberbefehl in Antwerpen, um die belg.⸗holländ. Küste gegen die auf Walcheren gelandeten Engländer zu verteidigen. Doch schon im September ward er wieder abberufen. Napoleon machte ihm nicht ohne Grund zum Vorwurf, daß er Unzufriedene um sich versammle und mit den revolutionären Demokraten in Verbindung stehe. Doch kam eine Art Aussöhnung zu Stande, und der Kaiser ernannte ihn, um ihn zu entfernen, zum Generalgouverneur von Rom. mißt, sind unter C aufzusuchen. „Bevor er diese Stellung antrat, überbrachte ihm eine schwed. Gesandtschaft (Sept. 1810) die Nach⸗( richt von seiner Ernennung zum Kronprinzen von Schweden. König Karl XIII. hatte Bernadotte (16. Aug.) den Ständen vorgeschlagen und diese hatten (21. Aug.) ihn einstimmig gewählt, unter l der Bedingung, daß er das franz. Bürgerrecht ganz. aufgebe und zur luth. Kirche übertrete. Mit Napoleons Bewilligung nahm er die Wahl an. Nachdem er zu Helsingör 19. Okt. 1810 im Hause des schwed. Konsuls zum Protestantismus übergetreten, landete er 20. Okt. zu Helsingborg und wurde durch eine Akte vom 5. Nov. 1810 von Karl XIII. förmlich adoptiert, worauf er den Namen Karl Johann annahm. Schon im nächsten Jahre fungierte er während einer Krankheit des Königs als Regent und gewann überhaupt bald den größten Einfluß auf die schwed. Regierung und Politik. Gegen Napoleon vertrat er mit Energie die Interessen seines Adoptivvaterlandes. Als es darüher zur Entzweiung kam, wandte er sich dem Kaiser Alexander von Rußland zu, welcher ihm bereits in dem geheimen Allianztraktat von Petersburg, 24. März (5. April) 1812, den Besitz Norwegens zusicherte. Auch England willigte darein. Die Allianz zwischen Schweden und Rußland wurde bei einer persönlichen Zusammenkunft zwischen K. und Kaiser Alexander in Abo besiegelt und 30000 Schweden unter K.s eigener Führung stießen zu den alliierten Heeren. Im Feldzug von 1813 kommandierte er als schwed. Kronprinz die sog. Nordarmee, welcher zeitweilig auch die sog. Schlesische Armee unter Blücher beigeordnet war. Nach der Schlacht bei Leipzig, in welcher er nur eine passive Rolle spielte, blockierte er Hamburg, zwang den König Friedrich VI. von Dänemark zur Abtretung Norwegens (Friede zu Kiel w14. Jan. 1814) und rückte dann langsam gegen Frankreich, wo er erst nach der Eroberung von Paris eintraf. Er kehrte indes bald zurück und bewirkte, daß das widerstrebende Norwegen sich friedlich der schwed. Dynastie unterwarf (Juli bis Nov. 1814). Während Napoleons Rückkehr 1815 hielt Schweden sich neutral, was die Alliierten dem Kronprinzen zur Last legten. Namentlich bewies seitdem Osterreich dem Prinzen Gustav von Wasa, Sohn des vertriebenen Königs Gustav IV. Adolf von Schweden, große Teilnahme. Doch K. bewahrte die Freundschaft des russ. Kaisers Alexander, und so blieb seine Stellung ungefährdet. Am 5. Febr. 1818 succedierte er seinem Adoptivvater in beiden Reichen und ließ sich zu Stockholm und Drontheim krönen. Große Schwierigkeit machte anfangs die Auseinandersetzung mit dem dän. Hofe bezüglich der von Norwegen zu übernehmenden Staatsschuld und anderm; 1. Sept. 1819 ward der Streit durch eine Konvention zu Stockholm beendigt. Seitdem regierte K. in Frieden und Ruhe bis an seinen Tod, der zu Stockholm 8. März 1844 erfolgte. In der innern Verwaltung hielt er an einer gemäßigt konservativen Richtung fest und war namentlich beflissen, die materielle Wohlfahrt seiner Reiche zu heben. (S. Schweden und Norwegen.) Bemerkenswert ist, daß der König niemals der Landessprache vollkommen mächtig wurde. In der Regierung folgte ihm sein einziger Sohn, Oskar I. (s. d.). Die Enthüllung eines Denkmals für K. erfolgte zu Kristiania 7. Sevt. 1875. Vgl. Geijer, Konung Carl XIV. Johans historiav (Stockh. 1844; deutsch von Dietrich); Sarrans jeune, Histoire de Bernadotte, Charles XIV Jean (Par. 1845); Schinkel, Minnen ur Sveriges nyare Historia (herausg. von Bergmann, Rogberg, Hellstenius und Alin, 12 Bde., Stockh. 1852 —81; nebst Anhang, Bd. 1—2, Ups. 1880—81).