FeedDion
GeschichteBrockhaus 1882

Dion, ein Syrakuser aus vornehmem und begütertem Geschlechte, etwa 408 v. Chr. geboren, wurde wegen seiner gediegenen Diegnen und seiner Tüchtigkeit in Staats⸗ und Kriegsgeschäften von Dionysius dem Altern, dessen zweite Frau seine Schwester war, hochgeschätzt. Als der jüngere Dionysius 367 v. Chr. zur Herrschaft kam, wollte D., selbst von den Lehren des Plato, dessen Freund und Schüler er war, innig durchdrungen, durch sie die Sinnes⸗ und Handlungsweise des Dionysius zum Bessern leiten. Aber die Absicht mißlang durch seine polit. Gegner (wie Philistos) am Hofe des Tyrannen, und D. mußte als Verbannter 366 nach Griechenland gehen, wo er sich überall Achtung erwarb. Die Nachrichten, daß der Tyrann seine Güter eingezogen und daß er seine Gattin Arete zur Heirat mit einem Günstling Mit 800 0 habe, bewogen den D. zur Rückkehr. Mit 800 geworbenen Kriegern landete er 357 zu Minoa bei Akragas in Sicilien; sein Heer mehrte sich schnell und Syrakus öffnete ihm bereitwillig die Thore. Dionysius eilte aus Italien, wo er gerade war, zurück in die Burg von Syrakus, Ortygia, deren Besatzung ihm treu geblieben war. Nach einem vergeblichen Versuch, die Herrschaft wiederzugewinnen, floh er 356 mit seinen Schätzen nach Lokri Epizephyrii in Italien. Doch auch D. ward bald darauf durch das gehässige Mißtrauen der Demokraten genötigt, aus Syrakus zu weichen. Als aber Apollokrates, des Dionysius Sohn, die Stadt, die sich schwelgerischen Festlichkeiten Überlassen hatte, von der Burg aus überfiel und hart bedrängte, wurde D. von Leontini, wohin er sich begeben hatte, zur Rettung herbeigerufen. Die Burg ergab sih ihm nicht lange nachher, 355. D. wurde jedoch, bevor er auf die übernommene außerordentliche Gewalt verzichtet und dem Staate die aristokratische Regierungsform gegeben hatte, welche er plante und deren Gegner Herakleides er töten ließ, durch einen verräterischen Freund, den Athener Kallippos, 354 ermordet. Biographien des D. sind von Plutarch und Cornelius Nepos vorhanden. Vgl. Lau, Das Leben des Syrakusaners D. (Prag 1860).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 5, S. 372Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6