FeedVictor-Perrin (Claude)
GeschichteBrockhaus 1882

Victor-Perrin (Claude), Herzog von Belluno, Pair und Marschall von Frankreich, geb. 7. Dez. 1764 zu Lamarche im Depart. Vogesen, trat im Alter von 17 J. zu Auxonne bei einem Artillerieregiment ein. Nachdem er 1789 den Abschied erhalten, trat er 1792 in ein Freiwilligenbataillon und schwang sich alsbald zum Bataillonschef empor. Bei der Belagerung von Toulon 1793 schwer verwundet, wurde er gegen Ende des Jahres als Brigadegeneral zur Armee der Ostpyrenäen versetzt, bei welcher er bis zum Baseler Frieden blieb. Dann kämpfte er in Italien unter Schérer und wurde unter Bonaparte 1797 Divisionsgeneral. Unter Lannes nahm er auch an dem Zuge gegen den Kirchenstaat teil. Nach dem Frieden zu Campo-Formio mußte V. den Befehl in der Vendee übernehmen, wobei er Klugheit und Mäßigung entwickelte. Im Kriege von 1799 war er wieder bei der ital. Armee. Nach der Revolution vom 18. Brumaire schloß er sich dem Ersten Konsul an und folgte demselben 1800 abermals nach Italien, wo er sich bei Montebello und Marengo auszeichnete. Sodann trat er mit dem Titel eines Lieutenants des General-en-Chef in die gallo-batav. Armee. Im J. 1805 ging er als Gesandter nach Kopenhagen, focht 1806 bei Jena mit, wurde aber 14. Jan. 1807 von Schills Korps in Pommern aufgehoben. Nachdem er im nächsten Monat gegen Blücher ausgewechselt worden war, belagerte er vergebens Graudenz. In der Schlacht bei Friedland erwarb er den Marschallsstab. Nach dem Frieden zu Tilsit wurde V. zum Herzog von Belluno erhoben, war einige Zeit Gouverneur von Berlin und erhielt 1808 den Befehl über das 1. Armeekorps in Spanien. Im Feldzuge von 1809 errang er Vorteile bei Espinosa und Medellin, dagegen wurde er von Wellington bei Talavera geschlagen. Durch einen kühnen Marsch zwang er 1810 die Spanier, den Posten von Pesa-Perros zu verlassen, sodaß die Franzosen in Andalusien eindringen konnten. Hierauf schloß er 5. Febr. 1810 Cadiz ein, wurde aber 1812 abberufen, um der großen Armee in Rußland das 9. Armeekorps als Reserve nachzuführen. Er deckte ruhmvoll den Übergang der Franzosen über die Beresina. Im Feldzuge von 1813 befehligte er das 2. Korps, schnitt bei Dresden 27. Aug. 1813 den linken Flügel der Ssterreicher ab, der großenteils gefangen wurde, und nahm an den Schlachten bei Leipzig und Hanau teil. Auch im Feldzuge von 1814 kämpfte er mit gewohnter Tapferkeit, bis er 7. März bei Craonne schwer verwundet wurde. Nach der ersten Restauration gab ihm Ludwig XVIII. den Befehl über die 2. Militärdivision; er folgte auch nach Napoleons Rückkehr dem König nach Gent. Mit der zweiten Restauration wurde er Pair und Majorgeneral der königl. Garde und übernahm 15. Dez. 1821 das Kriegsministerium; in dieser Stellung organisierte er die Armee, welche zur Unterwerfung des konstitutionellen Spanien bestimmt war. Bei Eröffnung des Feldzugs gab er 17. März 1823 sein Portefeuille ab und begleitete den Herzog von Angouléme als Majorgeneral nach Spanien. Infolge der Veruntreuungen in der Heeresverwaltung, um die V. wenigstens wußte, wurde er mit in den Prozeß Ouvrard verwickelt und verlor seine Stellung. Zu seiner Verteidigung veröffentlichte er die Schrift: Mémoires sur les marchés Ouvrardo (Par. 1826). Der Hof bestimmte ihn zum Gesandten nach Wien; allein das österr. Kabinett verweigerte die Anerkennung seines von Napoleon erhaltenen Titels eines Herzogs von Belluno. Seitdem lebte V. in Zurückezogenheit. Er starb zu Paris 1. März 1841. ach seinem Tode erschien: «Extraits des mémoires inédits du due de Belluno (Par. 1846). Sein Sohn, Victor Frangçois Perrin, Herzog von Belluno, geb. zu Mailand 24. Olt. 1796, ward 9. Febr. 1853 von Napoleon III. zum Senator ernannt, starb aber schon 2. Dez. 1853. Vietor von Vita, lat. Kirchenschriftsteller des 5. Jahrh., gebürtig aus Vita in Afrika, vielleicht auch Bischof daselbst, doch wahrscheinlicher Kleriker in Karthago. Er schrieb um 488 eine Geschichte der Verfolgung der afrik. Kirche durch die arian. Vandalen unter Geiserich und Hunerich, die sowohl durch die eingefügten Dokumente, als auch durch die persönlichen Erlebnisse des Verfassers wertvoll ist. Beste Ausgaben von Halm (Berl. 1879) und Petschenig (Wien 1881); deutsch von Zink (Bamb. 1883) und Mally (Wien 1883).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 250Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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