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NaturlehreBrockhaus 1882

Karsten, deutsche Gelehrtenfamilie: Wenzeslaus Johann Gustav K., geb. 15. Dez. 1732 zu Neubrandenburg, gest. 17. April 1787 als Professor der Physik zu Halle, machte sich durch eine Reihe mathem. Werke bekannt. Franz Christian Lorenz K., ein Bruder von Wenzeslaus K., geb. 3. April 1751 zu Pohnsdorf im Mecklenburgischen, gest. 28. Febr. 1829 zu Neuen-Werder bei Rostock, seit 1780 erst zu Bützow, dann zu Rostock Professor der Nationalökonomie und Kameralwissenschaften, war der erste, welcher eine landwirtschaftliche Lehranstalt in Deutschland gründete (zu Neuen-Werder bei Rostoch. Einer der Söhne des vorigen war Karl Bernhard K., geb. 26. Nov. 1782 zu Bützow, welcher seit 1799 zu Rostock erst die Rechte, dann Medizin studierte, sich aber bald aus Neigung der Metallurgie und Bergbaukunde zuwandte. Nachdem er seit 1804 verschiedene Stellungen beim Berg- und Hüttenwesen in Schlesien bekleidet, wurde er 1819 als Geh. Oberbergrat bei dem Ministerium des nnern nach Berlin berufen, in welcher Stellung er is zu seiner Emeritierung (1851) wirkte. Er starb 22. Aug. 1853 zu Schöneberg bei Berlin. K. hat viel zur Entwickelung des Hüttenwesens in Deutschland beigetragen; namentlich ist auch die Entstehung der großartigen Zinkindustrie Schlesiens H ihn zurückzuführen. Zu seinen Hauptschriften gehören: „Handbuch der Eisenhüttenkunder (3. Aufl., 5 Bde., Berl. 1841), (System der Metallurgiev (5 Bde., Berl. 1831—32), «Lehrbuch der Salinenkundev (2 Bde., Berl. 1846). Außerdem hat er sich durch die Herausgabe des «Archiv für Bergbau und Hüttenweseny (20 Bde., Berl. 1818 —31) und des (Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunder (26 Bde., Berl. 1829—54), welches er vom 11. Bande ab gemeinschaftlich mit H. von Dechen redigierte, große Verdienste erworben. Klassisch sind seine Abhandlung Küber die kohligen Substanzen des Mineralreichs» (Berl. 1826), seine «Metallurgische Reise durch einen Teil von Bayern und Osterreich (Halle 1821) und die Monographie Das erzführende Kalksteingebirge von Tarnowißo (Berl. 1826). Auch schrieb er (Grundriß der deutschen Bergrechtslehrer (Berl. 1828) und „Philosophie der Chemies (Berl. 1843). Des vorigen ältester Sohn, Hermann K., geb. 3. Sept. 1809 in Breslau, widmete sich zu Bonn, Berlin und Königsberg mathem. und naturwissenschaftlichen Studien und habilitierte sich w1830 in Rostock, wo er 1832 die Professur der Astronomie, Mathematik und Mineralogie, 1862 auch die Direktion der Navigationsschule erhielt. Er starb 26. Aug. 1877 im Bade Reinerz in Schlesien. Außer astron. und meteorolog. Beobachtungen und dem für Seeleute bestimmten Kleinen astron. Almanachv (1840 —51ʃ) sind von seinen Schriften zu nennen: (Beituag zur Berichtigung der Sterblichkeitstafelnv (Rost. 1845) und das „Lehrbuch der Krystallographie o (Lpz. 1861). es vorigen jüngerer Bruder, Gu stav K., geb. 24. Nov. 1820 zu Berlin, studierte ebenfalls Mathematik und Naturwissenschaften und habilitierte sich 1845 in seiner Vaterstadt. Seit 1847 wirkte er als Professor der Physik und Mineralogie an der Universität zu Kiel und 1859 wurde ihm auch die Direktion des Eichungswesens für die Elbherzogtümer übertragen. Seit 1869 ist er Mitglied der kais. Normal-Eichungskommission. Die von ihm in den Elbherzogtümern eingeführte Organisation des Eichwesens wurde auf die neuen Einrichtungen im Reiche angewendet. Seine wichtigsten Schriften sind: „Lehrgang der mechan. Naturlehres (3 Bde., Kiel 1849—53) undeUntersuchungen über das Verhalten der Auflösungen des reinen Kochsalzes in Wasser v (Berl. 1846). Seit 1856 gibt er im Verein mit andern Gelehrten die «Allgemeine Encyklopädie der Physiky heraus. Er veröffentlichte ferner eine Denkschrift über den großen norddeutschen Kanalo (Kiel 1865) und (Beiträge zur Landeskunde der Herzogtümer Schleswig und Holstein » (2 Bde., Berl. 1869 — 72). Auch ist er an der Herausgabe der Jahresberichte über Untersuchungen der deutschen Meerer (Berl. 1872—84) beteiligt. K. war 1867— 72 Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses; seit 1877 ist er Mitglied des Deutschen Reichstags, in welchem er der Fortschrittspartei angehört. Ein Vetter der beiden letztgenannten ist der als Naturforscher und Reisender bekannte Hermann K., der Jüngere, geb. 6. Nov. 1817 zu Stralsund. Derselbe studierte erst Pharmacie, dann Naturwissenschaften in Rostock und Berlin. K. machte 1843—47 und 1848—56 zwei größere naturwissenschaftliche Reisen durch Venezuela, Neugranada und Ccuador. Seit seiner Rückkehr wirkte er erst als Privatdocent, dann als Professor der Botanik an der Universität zu Berlin. Im J. 1868 wurde er als Professor der Botanik nach Wien berufen, wo er, wie auch schon in Berlin, die an diesen Universitäten seitdem bestehenden pflanzenphysiol. Laboratorien gründete, legte aber sein Amt 1872 nieder. Seitdem beschäftigt er sich, als Privatgelehrter in der Schweiz lebend, mit bot. und archäol.⸗geognost. Studien. Seine Hauptwerke sind: „Die Vegetationsorgane der Palmen» (Berl. 1847), 4KFlora Columbiaen (Bd. 1 u. 2, jeder mit 100 Tafeln, Berl. 1857.66), (Gesammelte Beiträge zur Anatomie und Physiologie der Pflanzen » (Bd. 1, mit 25 Tafeln, Berl. 1865), Die geognost. Verhältnisse des westl. Columbien» (Wien 1856), Chemismus der Pflanzenzelles (Wien 1870), Fäulnis und Ansteckcung. Im Anhange die Darstellung meiner Erlebnisse an der wiener Universität in den J. 1869 —71 (Schaffh. 1873), Zur Geschichte der Botanik» (Berl. 1870), Studie der Urgeschichte des Menschen in einer Höhle des schaffhauser Jurav Gür. 1874), «Deutsche Flora, pharmaceut.⸗mediz. Botanik» (Berl. 1880 fg.). Durch seine anatom. Untersuchungen erkannte K. den allen Gewächsen zu Grunde liegenden einheitlichen Bau, während nach den bis dahin gültigen Ansichten der Anatomen ein dreifacher Typus stattfinden sollte. Seine physiol. Forschungen über die Entwickelung und Metamorphose der Pflanzenzelle leiteten ihn zu der Erkenntnis, daß nicht die im Zellsafte waltenden chem. Verwandtschaften, sondern vielmehr die organisierende Thätigkeit der Zellhaut die eigentümlichen Pflanzenstoffe erzeuge.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 154Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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