FeedKatschgar (der, Ovis Polii)
ErdkundeBrockhaus 1882

Katschgar (der, Ovis Polii), das tibetan. Schaf. Katschh, Vasallenstaat der engl.⸗ind. Regierung in Vorderindien, in polit. Beziehung der Präsidentschaft Bombay zugeteilt. Mit einem Rchon den von 16834 qkm wird derselbe nördlich von der Division Sindh der Präsidentschaft Bombay, östlich von den Besitzungen des Gaikowar von Baroda, buren von der Halbinsel Kattiwar und dem Meerusen von K., südwestlich von dem Indischen Ocean begrenzt und liegt zwischen 23 5 bis 23 45 nördl. Br. und 68 20 bis 71 5 östl. L. von Greenwich. K. wird nördlich, östlich und südöstlich von dem ind. Festlande durch Teile des in geolog. Beziehung sehr merkwürdigen Salzwassermorastes Ran getrennt, welcher nur während weniger Monate im Jahre als trockenes Land erscheint. Mit dem Ran verbinden sich der östlichste Teil des Meerbusens von K., sowie die viel schmälere Einbucht des Indischen Oceans zwischen K. und dem gegenüberliegenden Teile von Sindh. Erdbeben sind in dieser Gegend häufig; ein sehr heftiges, große Verwüstungen anrichtendes, fand im Juli 1819 in ganz K. statt. Der Boden von K. ist im allgemeinen sandig und unfruchtbar, doch gibt es auch fruchtbare Landstriche, wo Baumwolle und Zuckerrohr gedeihen. Beide HBiense liefern die Hauptartikel der Ausfuhr. Die ameineme beträgt 500000 Seelen. Sie werden von einem Radscha beherrscht, welcher der Familie Ihareja angehört, die im 15. Jahrh. von Sindh nach K. eingewandert sein soll. Nach einigen Generationen fand ein Streit um die Erbfolge statt, infolge dessen ein depossedierter Prätendent Namens Wengar den Beistand des mohammed. Herrschers von Ahmadabad anrief. Letzterer ernannte Khengar zum Rao von K., worauf sich derselbe ganz K. unterwarf. Seine Nachfolger sind seitdem immer Raos von K. gewesen. Im Okt. 1809 wurde ein Traktat zwischen dem Rao und der brit. Regierung abgeschlossen, durch welchen sich der erstere verpflichtete, keine Seeräuberei auf den benachbarten Meeren seitens seiner Unterthanen zu dulden, wogegen England alle kleinern Chefs in K. der Autorität des Rao unterwarf. Die Seeräuberei wurde von K. aber nach wie vor betrieben. Infolge dessen ward Rao 1819 entsetzt und 13. Okt. 1819 schloß die brit. Re-Degent einen neuen Kontrakt, durch welchen eine egentschaft, bestehend aus dem brit. Residenten und amteit Iharejachefs eingesetzt ward, die in Wirksamkeit blieb, bis 1834 der Sohn des depossedierten Rad, Namens Daisul, volljährig wurde. Letzterer schaffte 1836 den Sklavenhandel ab und starb 1860. Ihm folgte Rao Pragmul, der sich bemühte, unter der Bevölkerung von K. Bildung und mildere Sitten herrschend zu machen. Durch ihn entstanden daselbst 32 Schulen, die 1874 schon von 2305 Schülern besucht wurden; er wirkte auch gegen den landesüblichen Kindermord und andere in K. herrschende übelstände.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 190Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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