FeedKeiser (Reinhard)
MusikBrockhaus 1882

Keiser (Reinhard), der größte deutsche Opernkomponist der ältern Zeit, geb. 1673 zu Leipzig, wo er auf der Thomasschule gebildet wurde. Sein außerordentliches musikalisches Talent wurde weniger durch gründliche Schulbildung als durch die damalige Bühnenmusik entwickelt, welche seinem ganzen Leben die dauernde Richtung gab. Nachdem er seine ersten Opern mit Erfolg in der Hofoper zu Braunschweig aufgeführt, kam er 1694 nach Hamburg, wo er schon nach einigen Jahren durch seine Werke die Oper zu ihrem höchsten Glanze brachte. Er starb hier 12. Sept. 1739. K. schrieb über 100 Bühnenwerke, welche voll sind von dem treffendsten Wortausdruck und einem erstaunlichen, an Mozart erinnernden Melodienreichtum. Auf die größten jüngern Meister (Händel, Bach, Telemann, Hasse u. v. a.) hat er nachhaltig gewirkt. Seine Musik ist von einer unverwüstlichen Frische; zur Klassizität fehlt ihr nichts als eine größere Geschmacksreinheit und gründlichere kontrapunktische Bildung. Besonders interessant und geschichtlich bedeutsam ist sein Verhältnis zu Händel, der anfangs im Wettkampfe mit ihm arbeitete und viele von K.s Melodien umbildete, und zu Hasse, welcher ihm seine Jugendbildung verdankte und stets K. den erfindungsreichsten aller Komponisten nannte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 221Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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