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ErdkundeBrockhaus 1882

Kempten, Stadt im bayr. Regierungsbezirk Schwaben, am linken Ufer der Iller und an den Linien München-Buchloe-Lindau und Ulm-K. der Bayrischen Staatsbahnen, im nördl. Vorlande der Algäuer Alpen anmutig gelegen, ist Sitz eines Landgerichts mit Handelskammer, Amtsgerichts, Bezirksamtes und einer Reichsbanknebenstelle und zählt (1880) 13 872 E. (darunter 3435 Protestanten). Die Stadt besteht aus der ehemaligen Reichsstadt und dem frühern Klosterstift K., welche beide als Alt⸗ und Neustadt seit 1803 zu einer polit. Gemeinde vereinigt sind. Unter den Gebäuden sind in der Neustadt das Schloß, die ehemalige Residenz der Fürst-Abte, 1650 neu gebaut, jetzt verschiedenen Amtern und der Garnison zugewiesen, die daneben stehende stattliche Stiftskirche mit Kuppelbau, in der Altstadt die prot. Kirche sowie das 1474 erbaute, in neuester Zeit sehr hübsch restaurierte Rathaus hervorzuheben. Im Süden überragen die Stadt auf steiler isolierter Höhe die Reste der alten Römerburg Campodunum, der spätern Burg Hilarmont, jetz Burghalde genannt. Von höhern Unterrichtsmißt, sind unter C aufzusuchen. anstalten bestehen in Kein Gymnasium, eine Latein⸗, Real- und eine Handelsschule. Es bestehen daselbst drei Baumwollspinnereien und Webereien, eine ansehnliche Papierfabrik, eine Zündholzfabrik, mechan. Werkstätten u. s. w. Wichtig ist der Käse⸗ und Holzhandel sowie der Transitverkehr. Die früher lebhafte Flößerei auf der Iller hat seit Bestehen der K.⸗Ulmer Bahnlinie sehr abgenommen. Die Stiftsstadt wurde als Benediktinerkloster von Karls d. Gr. Gemahlin Hildegarde gestiftet. Der Abt erlangte 1360 die reichsfürstl. Würde, erwarb allmählich ein Gebiet von 880 qkm und fungierte bei der Krönung der röm. Kaiserin als Erzmarschall. K. im Thale hingegen erwarb sich 1289 unter Rudolf von Habsburg die Reichsfreiheit, hatte aber wegen unausgesetzter Streitigkeiten mit den Fürst-Abten viel Not auszustehen, bis endlich beide Parteien 1803 an Bayern fielen. Im Dreißigjährigen Kriege hatte die Stadt zu leiden von den Schweden wie von den Kaiserlichen. Letztere nahmen trotz der tapfersten Gegenwehr der schwed. Besatzung und der Bürger 13. Jan. 1633 die Stadt mit Sturm. Im Spanischen Erbfolgekriege wurde sie 1703 von den Franzosen und Bayern erobert, und im franz. Revolutionskriege kam es bei K. 17. Sept. 1796 zu einem Treffen, in welchem die Franzosen von den Ssterreichern besiegt wurden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 231Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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