Kern (Jak. Konr.), schweiz. Staatsmann und Diplomat, geb. 1808 zu Berlingen (Kanton Thurau), studierte 1825—31 in Zürich, Basel, Berlin, Hedelberg und Paris Jurisprudenz und Staatswissenschaften, widmete sich dann, 1831 in die Heimat zurückgekehrt, der Advokatur und wurde 1832 in den thurgauischen Großen Rat gewählt. Von 1833 bis 1848 vertrat er seinen Heimatskanton in der eidgenössischen Tagsatzung, in welcher er bald eine hervorragende Stellung einnahm, und namentlich 1838, als Frankreich von der Eidgenossenschaft die Ausweisung des Prinzen Ludwig Napoleon Bonaparte (Napoleon III.) verlangte, als Verteidiger des gefährdeten Asylrechts und 1845 — 47 als energischer Bekämpfer des verfassungswidrigen Sonderbundes der ultramontanen Kantone eine wichtige Rolle spielte. Als nach kurzem Kriege (1847) der Sonderbund besiegt war, wurde K. als Civilkommissar nach Luzern gesandt, um die gesetzliche Ordnung wiederherzustellen und die Aussöhnung der Parteien anzubahnen. An dem Verfassungsentwurf, welcher aus dem lockern Staatenbunde der alten Eidgenossenschaft einen fester geschlossenen Bundesstaat machen sollte, war er in 1er Entumrf 12 Weise beteiligt, und nachdem dieer Entwurf 12. Sept. 1848 von der Mehrheit der Kantone angenommen worden war, nahm K., der inzwischen für kurze Zeit als eidgenössischer Gesandter in Wien Bunde-r hatte, seinen Sitz in der neugeschaffenen Bundesversammlung ein. Nach dem Aufstand der neuenburger Royalisten (3. Sept. 1856) gelang es K., Napoleon III. zur Vermittelung zwischen Preußen und der Schweiz zu bestimmen, und als die Konferenz zur endgültigen Lösung der Neuenburger Frage in Paris zusammentrat, nahm er an derselben als Delegierter der Schweiz teil. Von 1857 bis 1883 bekleidete er die Stelle eines außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Ministers der Eidgenossenschaft in Paris. Von seiner Thätigkeit zeugen der 1864 abgeschlossene Handelsvertrag zwischen Frankreich und der Schweiz, der Vertrag zum Schutz des litterarischen und künstlerischen Eigentums, der Auslieferungsvertrag von 1869 und der Vertrag zum Schutz der Grenzwaldungen. Während der Belagerung von Paris 1870—71 trat K. als Senior der wenigen in der Stadt zurückgebliebenen Diplomaten mehrmals kräftig für den Schutz der ausländischen Einwohner gegenüber den fremdenfeindlichen Anwandlungen des pariser Stadtregimentes ein.