FeedKerner (Andr. Justinus)
HeilkundeBrockhaus 1882

Kerner (Andr. Justinus), hervorragender Dichter und mediz. Schriftsteller, geb. 18. Sept. 1786 zu Ludwigsburg in Württemberg, erhielt dort und im Kloster Maulbronn seinen ersten Unterricht. Nach dem Tode des Vaters kam er in eine Tuchfabrik zu Ludwigsburg. Durch den damals in Ludwigsburg als Prediger lebenden Dichter Conz unterstützt, bezog er 1804 die Universität zu Tübingen, wo er Medizin studierte, begab sich 1809 auf Reisen und wurde dann 1811 Badearzt in Wildbad, 1812 praktischer Arzt in Welzheim, 1815 Oberamtsarzt in Gaildorf und 1819 in Weinsberg, wo er sich am Fuße der Burg Weibertreue anbaute, deren Trümmer hauptsächlich unter seiner Leitung vom Schutt gereinigt und in Anlagen verwandelt wurden. Die „Bestürmung der Stadt Weinsberg 1525 beschrieb er nach handschriftlichen Quellen (2. Aufl., Heilbr. 1848). Fast ganz erblindet, legte K. 1851 Amt und Praxis nieder und lebte seitdem zu Weinsberg, wo er 21. Febr. 1862 starb. Als Dichter gehört K. zu den namhaftesten Vertretern der sog. Schwäbischen Dichterschule. Allgemeine Aufmerksamkeit erregte er schon durch seine rmißt, sind unter E aufzusuchen. «Reiseschatten von dem Schattenspieler Luxo (Hei-1 delb. 1811), die von einer traumhaften hantasie und origineklem Humor zeugten. Um dieselbe Zeit besorgte er mit Uhland, Schwab u. a. den Poetischen Almanach » (Heidelb. 1812) und den Deutchen Dichterwaldv (Tüb. 1813), in denen sich seine i chönsten Gedichte fsinden. Im J. 1826 ließ er eine Sammlung seiner «Gedichter erscheinen, die er in den spätern Auflagen (4. Aufl., Stuttg. 1848) sehr! vermehrte und durch neuere Gedichte unter dem Titel «Der letzte Blütenstrauß o (Stuttg. u. Tüb. 1852) und ⸗Winterblütene (Stuttg. 1859) ergänzte. Seine Dichtungeno (in Versen und Prosa) erschienen Stuttg. 1834, Ausgewählte poetische Werkex in 2 Bdn. (Stuttg. 1878—79). Seine überhaupt dem unvermittelten Gefühlsleben zugekehrte Richtung bekundete K. durch eine Reihe von Schriften, in denen er sich mit den Erscheinungen des tierischen Magnetismus und den zweifelhaften Thatsachen des Dämonismus beschäftigt. Dahin arler. 18 die „Geschichte zweier Somnambuleno (Karlsr. 1824), „Die Seherin von Prevorsty (2 Bde., Stuttg. 1829, 5. Aufl. 1880), die mit Eschenmayer gemeinschaftlich herausgegebenen „Blätter aus Prevorsto (5 Sammlungen, Karlsr. 1831—34), 4Geschichten Besessener neuerer Zeity (Karlsr. 1834; 2. Aufl. 1835), (Eine Erscheinung aus dem Nachtgebiete der Naturb (Stuttg. 1836), Rachricht von dem Vorkommen des Besessenseinsy (Stuttg. 1836), Magikon, Archiv für Beobachtungen aus dem Gebiete der Geisterkunder (5 Bde., Stuttg. 1840), Erinnerungen an Franz Anton Mesmerv (Frankf. 1856). Andere Schriften sind Das Fettgift oder die Fettsäure und ihre Wirkungen auf den tierischen Organismuso (Stuttg. 1822) und Das Wildbad im Königreich Württemberg» (Tüb. 1813; 4. Aufl. 1839). Eine anmutige Schilderung seiner Jugendjahre gab K. selbst im „Bilderbuch aus meiner Knabenzeite (Braunschw. 1849) heraus. Vgl. K. Mayer im Album schwäb. Dichterd (Tüb. 1861); D. Strauß, «Kleine Schrifteno (Neue Folge, Lpz. 1866); M. Niethammer, «Justinus K.s Jugendlieben (Stuttg. 1877); Ann. Watts, «Life and works of K.v (Lond. 1884). Theobald K., Sohn des vorigen, geb. in Gaildorf 14. Juni 1817, Arzt in Weinsberg, ist ebenfalls als Dichter und 7.— bekannt. Von ihm erschienen: «Gedichter (Stuttg. 1851), Prinzessin Klatschrose (Stuttg. 1851), Aus dem Kinderlebeno (Stuttg. 1852), Galvanismus und Magnetismus als Heilkraft » (4. Aufl., Cannstatt 1858), Natur und Frieden » (2. Aufl., Frankf. 1861).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 242Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Heilkunde 6