Keller (Friedr. Ludw. von), Jurist und Staatsmann, geb. 17. Okt. 1799 zu Zürich aus einer alten, durch ihren Reichtum und polit. Einfluß ausgezeichneten Familie, widmete sich seit 1819 zu Berlin und Göttingen jurist. Studien. Bereits 18235 als Professor des Civilrechts an das damalige Politische Institut seiner Vaterstadt berufen und 1826 zugleich auch zum Amtsrichter erwählt, wirkte K. beim Ausbruch der durch die franz. Julirevolution hervorgerufenen Bewegungen an der Spitze der liberal-radikalen Partei in Zürich, wurde 1830 in den Großen Rat gewählt und 1831 zum Präsidenten des Obergerichts, sowie zum Mitglied des Erziehungsrats ernannt. Als Vertreter seines Kantons auf der eidgenössischen Tagsatzung beteiligte er sich, namentlich in Verbindung mit Rossi, wesentlich bei den Arbeiten für Bundesreform (1833) und für das Militärstraf- und Militärprozeßgesetzbuch. In Anerkennung dafür erfolgte seine Ernennung zum Obersten und Chef des eidgenössischen Justizstabes. K. wandte sich jedoch bald mehr und mehr konservativen Anschauungen zu, weshalb er sich 1839 aus dem öffentlichen Leben zurückzog und nur seine Professur behielt. Im J. 1843 folgte er einem Rufe des preuß. Kultusministers Eichhorn als Professor der Rechte nach Halle, und 1847 siedelte er als Nachfolger Puchtas nach Berlin über. Als Mitglied der preuß. Zweiten Kammer wie auch im Erfurter Parlament war er ein Hauptwortwotate der konservativen Partei. Bald darauf erfolgte seine Erhebung in den Adelsstand unter dem Namen K. von Steinbock, sodann die Berufung in das Herrenhaus. K. starb 11. Sept. 1860 zu Berlin. Seine Hauptwerke sind: «lber Litis-Kontestation und Urteilh (Zür. 1827) und „Der röm. Civilprozeß und die Aktionen (Lpz. 1852; 6. Aufl., bearbeitet von A. Wach, 1883); wertvoll sind auch seine „Semestria ad M. Tullium Ciceronem (2 Bde., Zür. 1843—50). Außerdem veröffentlichte er (Grundriß zu Vorlesungen über Institutionen und Antiquitäten des röm. Rechtso (Berl. 1854 58) und „Institutionen o (Lpz. 1861). Nach K.s Tode gab Friedberg dessen Vorlesungen über die Pandekten (Opz.1861; 2. Aufl., besorgt von Lewis, 1867) heraus.