Kerze (frz. cierge, engl. taper), im allgemeinen jeder Beleuchtungskörper, der aus festen Fetten, wie Talg, Stearin, Walrat, Wachs etc., in Form eines cylindrischen oder schwach kegelförmigen Stabes hergestellt und im Innern mit einem in der Längenrichtung verlaufenden Docht versehen ist. Die Fabrikation der K. erfolgt nach der älte⸗ —5 Methode durch Ziehen; neuerlich hat sich das ür die Massenproduktion geeignetere Verfahren des Gießens eingebürgert. Das Ziehen besteht in wiederholtem Eintauchen der Dochte in das geschmolzene Fett, meist Talg; denn es werden fast nur noch Talgkerzen gezogen. „Das Gießen ist jetzt, wo die Materialien für K. eine wesentliche Bereicherung erfahren haben, sodaß Stearin, Paraffin, Ceresin mit Wachs und Walrat in Konkurrenz treten, die einzig rationelle Fabrikationsweise. Die geschmolzenen Fette werden in Lichtformen, in denen der Docht in genau centraler Stellung fixiert ist, achrsn Zur Herstellung solcher Gießformen wählt man eine Legierung aus 2 Teilen Zinn und 1 Teil Blei. Die Dormen können über Stahlkerne, welche genau die Gestalt einer K. haben, entweder gegossen oder gezogen werden. Das erstere Mantet,a erfordert außer dem Stahlkern einen Mantel, also eine vollständige Form. Viel einfacher als das Gießen ist das Ziehen der Kerzenformen, wobei der Stahlkern nur in die flüssige Legierung eingetaucht und herausgezogen wird. Nach dem Erkalten des anhaftenden Metalls kann der Kern leicht aus der Form entfernt werden. Die so hergestellten Gießformen werden unten durchbohrt, oben mit dem Kopf oder Dopf leiner kleinen Schale mit abwärts gebogenem, in eine Erweiterung der Form passendem Rand und mit durchgehendem Steg) versehen, der das genaue Centrieren des Dochts gestattet, aber auch gleichzeitig als Trichter beim Eingießen des Stearins, Wachses u. s. w. dient. Um die erkalteten K. aus den Formen herauszunehmen, drückt man Leloaer mit dem Daumen auf die erstern, wodurch sie locker werden, sodaß sie leicht mit den Fingern oder mittels einer Zange aus den Formen herausgehoben werden können. Für größern Fabrikbetrieb hat man Kerzen90 eßmaschinen konstruiert, deren en K. aus den ufgabe darin I die gegossenen K. aus den Formen herauszuheben. Die Geschichte der Kerzenfabrikation reicht bis in das 2. Jahrh. n. Chr. zurück. Lange, nachdem man angefangen hatte, in den Lampen flüssige Fette, die bei der Verbrennung Licht entwickeln, zu Beleuchtungszwecken zu verwenden, kam man zu der Erkenntnis, daß auch einige häufig vorkommende feste Stoffe, wie Talg und Wachs, diese Eigenschaft besitzen. Die ersten, den heutigen K. einigermaßen ähnlichen Beleuchtungskörper bestanden aus feitgetränkten Binsen; an die Stelle dieses rohen Produkts traten K. aus Wachs mit Flachsdochten. Gegen Ende des 2. Jahrh. unterschied man bereits zwischen Wachs- und Talgkerzen. Einen bedeutenden Aufschwung nahm die Kerzenbeleuchtung, besonders die mit Wachskerzen, durch den Kultus der kath. Kirche, sowie später durch den vermehrten Luxus der fürstl. Höfe. Zu Anfang des 18. Jahrh. kamen die durch ihr reines Weiß ausgezeichneten Walratkerzen in Gebrauch, die Verbreitung derselben blieb jedoch ihrer Kostspieligkeit wegen eine beschränkte; heute verwendet man diese K., auch Spermacetikerzen genannt, nur noch bei Lichtmessungen oder als Luxusartikel, namentlich in England. Seit dem zweiten Decennium des 19. Jahrh. sind zu den erwähnten, in der Natur fertig gebildeten Kerzenmaterialien noch Kunstprodukte, wie Stearin, Paraffin und Ceresin, hinzugetreten. Nachdem Cambacerès die Anwendung geflochtener und gedrehter Baumwolldochte gezeigt und De Milly 1831 ein einfacheres Verfahren zur rmißt, sind unter C aufzusuchen. Darstellung der Stearinsäure erfunden hatte, gewann die Industrie eine immer größere Ausdehnung. Wesentliche Verbesserungen, die in den folgenden Jahren von De 1.½ der Herstellung der nach ihm benannten K. (Millykerzen) eingeführt wurden, veranlaßten die Errichtung von Stearinkerzenfabriken in Paris, Wien und Berlin, von welcher Zeit an die Verwendung der Stearinkerzen allgemein geworden ist. Von der zu Anfang ihres Bestehens unweit des Are de Triomphe de l'Etoile gelegenen pariser Fabrik haben die Etoile-⸗ oder Sternkerzen ihren Namen.