Kinderkrankheiten, im allgemeinen diejenigen Krankheiten, welche ausschließlich das Kindesalter befallen, wie die Rhachitis oder Englische Krankheit, die Kopfblutgeschwulst und die Nabelkrankheiten der Neugeborenen u. a., oder doch vorzugsweise bei Kindern angetroffen werden, wie der Krupp, die Skrofulose, die tuberkulöse Hirnhautentzündung, die Diphtheritis, der Keuchhusten u. a., im engern Sinne die sog. akuten Exantheme (Masern, Röteln, Scharlach, Wasserpocken), weil diese zu gewissen Zeiten in größern oder geringern Epidemien unter der Kinderwelt auftreten und Erwachsene nur dann befallen, wenn sie in der Kindheit von ihnen verschont blieben. Im allgemeinen ist die Morbidität, d. i. die Wahrscheinlichkeit zu erkranken, bei Kindern viel größer als bei Erwachsenen; dies liegt teils an den bedeutenden Veränderungen im Kindeskörper nach der Geburt, wodurch das Neugeborene besonders vielen Krankheiten der Brustorgane ausgesetzt ist, teils an der Körperentwickelung und ihren verschiedenen Phasen, wobei das Durchbrechen der Zähne und späterhin die beginnende Pubertät den wichtigsten Platz einnehmen und leicht Krämpfe, Nerven- und Gehirnkrankheiten sich einstellen, teils an der geringern Widerstandsfähigkeit und Abhärtung des Kindes, sowie an seiner größern Empfänglichkeit gegen gewisse Krankheitsgifte; weiterhin wird oft durch den Schulbesuch (sitzende Lebensweise, fehlerhafte Haltung, Einatmung schlechter Luft, überanstrengung der Augen und des Hirns) der Grund zu Krankheit und Siechtum gelegt. Insofern der kindliche Organismus vermöge seiner körperlichen und psychischen Eigentümlichkeiten vielfach in anderer Weise gegen krankmachende Einflüsse reagiert als der der Erwachsenen, bietet auch die Untersuchung und Behandlung des kranken Kindes mancherlei Verschiedenheiten und Eigentümlichkeiten dar, weshalb die Kinderheilkunde (s.d.) sich in der neuesten Zeit von den übrigen Disciplinen der Medizin mehr und mehr abgezweigt und zu einer wichtigen Spezialität entwickelt hat. Litteratur. Bednar, «Die Krankheiten der Neugeborenen und Säuglinger (Wien 1850); A. Vogel, «Lehrbuch der K. » (6. Aufl., Erlangen 1873); Steffen, «Klinik der K.» (Berl. 1865); Gerhardt, „Lehrbuch der K.» (3. Aufl., Tüb. 1874); derfelbe, KHandbuch der K.y (6 Bde., Tüb. 1877—83).