Kinkel (Joh. Gottfr.), deutscher Dichter und Kunsthistoriker, geb. 11. Aug. 1815 zu au-Beulun bei Bonn, studierte daselbst, seit 1834 zu Berlin Theologie. Im Herbst 1835 nach Bonn zurückgekehrt, habilitierte er sich 1836 an der dortigen Universität für Exegese und später für histor. Theologie. Bald jedoch gewann seine Neigung für die Kunst die Oberhand, sodaß er eine Reise nach Italien unternahm, wo er sich besonders zu Rom aufhielt. Im April 1838 begann K. wiederum seine Vorlesungen zu Bonn, die sich eines ungewöhnlichen Zuhörerkreises erfreuten. Denselben Beifall fand er auch als Kanzelredner in Köln, wo er 1838 die Stelle eines Hilfspredigers erhalten hatte. Nach seiner Verheiratung begann er 1843 neben der Kirchengeschichte an der Universität Bonn über Geschichte der christl. Kunst zu lesen. In den nächsten Jahren 20 Mottslehen er „Die Ahr, Landschaft, Geschichte und Volkslebeno (Bonn 1846) und die „Geschichte der bildenden Künste bei den christl. Völkerno (Tl. 1: Die altchristl. Kunsto, Bonn 1845). Schon vorher hatte er seine Gedichter (Stuttg. 1843; 7. Aufl. 1872) herausgegeben, darunter ein größeres erzählendes Gedicht: Otto der Schützv, das später besonders (zuerst 1849) erschien und 1877 bereits die 50. Auflage erlebte. In derselben Zeit war auch Margret, eine Dorfgeschichtes entstanden. K.s Poesien in dieser ersten Sammlung sind gefühl- und gemütvolle Darstellungen, voll Anmut und einfacher Schönheit. Sein Otto der Schützo insbesondere, in welchem er eine Rheinsage aus der Ritterzeit behandelt, ist eine künstlerisch vollendete Dichtung voll frischer, farbiger Schilderungen. Anfang 1846 erfolgte K.s Ernennung zum außerord. Professor der Kunst⸗, Litteratur⸗ und Kulturgeschichte zu Bonn. Im J. 1848 schloß er sich mit Begeisterung der republikanischen Bewegung an und begann als Agitator und als Journalist in dieser Richtung zu wirken; 16. Febr. 1849 wurde er zu Köln wegen Preßvergehens zu zweimonatlichem Gefängnis verurteilt. Wenige Tage vorher hatte ihn Bonn zum Abgeordneten für die preuß. Zweite Kammer gewählt, wo er seinen Platz auf der äußersten Linken nahm. Als nach Ablehnung der Kaiserkrone durch den König von Preußen in den einzelnen Städten der Rheinprovinz Unruhen ausbrachen, beteiligte sich K. an dem Widerstande der Landwehr im Siegtreis, wandte sich dann flüchtig nach der Pfalz und schloß sich dem pfälz.⸗bad. Aufstande an. Im Juni 1849 verwundet und von den preuß. Truppen in Baden gefangen genommen, wurde er vom Kriegsgericht in Rastatt zu lebenslänglicher Festungsstrafe verurteilt, die er auf Anordnung des Königs von Preußen in einer bürgerlichen Strafanstalt zu verbüßen hatte. In das Zuchthaus nach Naugardt gebracht, stellte man ihn von hier aus im April 1850 wegen versuchter Erstürmung des Zeughauses zu Siegburg abermals vor die Assisen zu Köln, die ihn jedoch nach einer glänzenden Selbstverteidigung freisprachen. Seitdem wurde K. zu Spandau in strenger Haft gehalten, bis ihm im Nov. 1850 durch Mitwirkung des damaligen Studenten Karl Schurz die Flucht aus dem Gefängnis nach England gelang. Im Einverständnis mit einem Agitationskomitee der Flüchtlinge in London und der Schweiz machte er im Winter w1851—52 eine Rundreise durch die Vereinigten Staaten, um die Sympathien der dortigen Bevölkerung wach zu erhalten. Nach London zurückgekehrt, wurde er zuerst Privatlehrer und wirkte seit 1853 als Professor an der Hochschule für Damen in Bedford-Square und an verschiedenen andern Anstalten, gründete auch 1858 die deutsche Zeitung Hermanno. Daneben hielt er mißt, sind unter C aufzusuchen. zu London wie auch in andern größern Städten Großbritanniens Vorlesungen über deutsche Litteratur und Kunstgeschichte. Im April 1866 folgte er einem Rufe nach Zürich als Professor der Archäologie und Kunstgeschichte an das Eidgenössische Polytechnikum. Er starb 12. Nov. 1882 zu Zürich, wo ihm 1884 ein Denkmal auf seinem Grabe errichtet ward. Unter Kis litterarischen Arbeiten aus neuerer Zeit ist das Trauerspiel Nimrodo (Hannov. 1857) hervorzuheben. Im J. 1868 gab er seine 4Gedichte, zweite Sammlung» (Stuttg.) heraus, in denen die polit. Tendenz schärfer hervortritt. Aus dieser Sammlung ist eine vortreffliche erzählende Dichtung: „Der Grobschmied von Antwerpeno, auch in separatem Abdruck (2. Aufl., Stuttg. 1872) erschienen. Sein letztes Gedicht war «Tanagrav (Braunschw. 1883). K.s erste Gattin, Johanna, geb. 8. Juli 1810 zu Bonn, die Tochter des dortigen Gymnasialprofessors Mockel, war erst mit dem Buch- und Kunsthändler Mathieux in Köln verheiratet, trennte sich aber bald wieder von demselben und wurde 1840 geschieden. Im Mai 1843 vermählte sie sich mit K., dem sie 1851 nach London folgte. Hier starb sie 15. Nov. 1858 infolge eines Sturzes aus dem Fenster. Ihre zahlreichen Liederkompositionen, zum Teil zu Texten ihres Mannes, und die komische Vogelcantater sind, besonders in ihrer rhein. Heimat, populär geworden. Außer Erzählungen, die gemeinschaftlich mit denen ihres Gatten erschienen (Stuttg. 1849; 3. Aufl. 1883), schrieb sie «Acht Briefe über Klavierunterrichty (Stuttg. 1852). Aus ihrem Nachlasse gab K. den Roman »Hans Ibeles in Londono (2 Bde., Stuttg. 1860) heraus.