Kirchhoff (Joh. Wilh. Adolf), ausgezeichneter Philolog und Altertumsforscher, geb. zu Berlin 6. Jan. 1826 als Sohn des Geschichtsmalers Johann Jakob K., erhielt seine Gymnasialbildung auf dem Friedrich-Wilhelms-Gymnasium daselbst und widmete sich dann 1842—46 auf der Universität seiner Vaterstadt philol. Studien. Nachdem er seit 1846 als Adjunkt, später als Professor am Joachimsthalschen Gymnasium gewirkt, erhielt er im Okt. 1865 eine ord. Professur an der Universität und nach Böckhs Tode auch die Mitdirektion des Philologischen Seminars. Im J. 1860 ward K. als ordentliches Mitglied in die Akademie gewählt. Seine ersten wissenschaftlichen Arbeiten waren den Homerischen Gedichten gewidmet, wie 4Quaestionum Homericarum particula o (Berl. 1846), Die Homerische Odyssee und ihre Entstehung » (Berl. 1859) und „Die Komposition der Odysseen (Berl. 1869; 2. umgearbeitete Aufl. unter dem Titel „Die Homerische Odyssees, 1879). Ferner lieferte er eine Handausgabe des Plotin (2 Bde., Lpz. 1854), eine kritische Ausgabe der Tragödien des Euripides (2 Bde., Berl. 1855), sowie eine Handausgabe desselben Dramatikers (3 Bde., Berl. 1867—68), des Aschylos (1880) und der unter Xenophons Namen gehenden Schrift vom «Staat der Athener⸗ (2. Aufl. 1881). Große Verdienste hat sich K. um die Sprachen des alten Italien und um die Paläographie erworben; so gab er Die umbrischen Sprachdenkmäler» (in Verbindung mit Aufrecht, 2 Bde., Berl. 1848-51) und Das Stadtrecht von Bantiap (Berl. 1853) heraus. Daran schlossen sich die Untersuchungen über „Das got. Runenalphabeto (Berl. 1852) und über „Die fränk. Runenp in Haupts (Zeitschrift für deutsches Altertumo (1855). Im Auftrage der Akademie der Wissenschaften bearbeitete K. das zweite Heft des vierten Bandes des „(Corpus inscriptionum graecarum v (1859), welches die christl. Inschriften enthält. Im J. 1873 gab er den ersten Band des «Corpus inscriptionum atticarume, enthaltend die Inschriften vor Euklides, heraus. Außerdem lieferte K. eine Reihe Beiträge zu Wchdfitenrtn zu den Monatsberichteno und »Denkschriften der Akademie u. s. w., wie die „Studien zur Geschichte des griech. Alphabetso (3. Aufl., Berl. 1877).