FeedKizilbasch (Kisilbasch, türk.)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Kizilbasch (Kisilbasch, türk.), d. h. Rotmütze, bei den sunnitischen Türken Spottname der schüti-Kiachta, s. Kiachta. sschen Perser. Kiaja, ein dem Persischen entlehntes türk. Wort, bedeutet eigentlich einen Hausintendanten, Verwalter, dann aber den Stellvertreter eines Provinzialstatthalters und sonstigen hohen Beamten, den Vizepräsidenten eines Kollegiums u. dgl. m. Wo K. in dieser Weise als Titulatur dient, wird ihm in der Regel die Ehrenbezeichnung Bej angehängt. Kiaja-Bej (Haushofmeister), s. unter Vezier. Kiaugiri, Kiangri oder Tschangri, Stadt im türk. Vilajet Kastamuni in Kleinasien, Hauptort eines Sandschaks, an einem Nebenfluß des Kisil-Irmak, hat 9000 E. und lebhaften Handel; dabei ist ein Salzbergwerk. K. ist das alte Gangra in Paphlagonien. Kjelland (Alexander Lange), norweg. Belletrist, geb. 8. Febr. 1849 in Stavanger, talentvoller Vertreter der realistischen Schule. Seine MNoveletter⸗ (mehrere Sammlungen, 1879, 1880 und 1882), sowie die Romane „Garman og Worsey (1880), „Arbejdsfolks (1881), Skipper Worser (1882) und aSifto (1883), fanden ausgedehnte Verbreitung. Meisterhaft zeichnet er Leben und Natur an der norweg. Westküste; dagegen sind seine Typen aus der hauptstädtischen Beamtenwelt meist Zerrbilder. Kiellman (Frans Reinhold), schwed. Botaniker, geb. 4. Nov. 1846 auf der Insel Bromö im Wenersee, studierte seit 1868 in Upsala und begleitete Nordenskiöld auf mehrern Polarexpeditionen, unter andern auf der Vega. Sein bedeutendstes wissenschaftliches Werk ist die Algenflora des nördl. Eismeers (in Bd. 2 der Vega-expeditionens wetenskapliga iakttagelsero). Auch hat er die schwed. Polarexpedition von 1872 und 1873 beschrieben (Stockh. 1875). Im J. 1883 ward er als außerord. Professor der Botanik nach Upsala berufen. 2 hrofan Kirchspiel der Insel Mageröe, s. unter ordkap. Kielzy oder Kielce, Gouvernementim russ. Polen, der südlichste Teil Polens, zählt auf 10092 (1882) 607 950 E., ist fruchtbar, gut angebaut und hat entwickelte Industrie. — Die Hauptstadt Kielzy mit (1882) 9600 C. liegt am Südabhange des Lysa Gora und hat ein bischöfliches Schloß, bunten. Bergakademie, Schmelzwerke und Faten, große Kornmärkte und treibt Handel mit Eisen⸗ und Kupferwaren, Mühlsteinen, Holz. In der Nähe sind Bergwerke, besonders auf Kupfer. K. gehörte bis 1795 zur poln. Wojwodschaft Sandomir (Klein-Polen), 1795— 1809 zu Osterreich (Neu-Galizien), dann zum Herzogtum Warschau und seit 1815 zu Rußland. Kierulf (Theod.), norweg. Geolog, geb. 30. März 1825 in Kristiania, studierte auf der dortigen Universität, in Bonn und Heidelberg. Im J. 1853 in seine Heimat zurückgekehrt, setzte er 1857 die Errichtung einer staatlichen geolog. Landesanstalt durch, als deren Direktor er seitdem fungiert. Auch wurde er zum Professor der Mineralogie und Geologie an der Universität Kristiania ernannt. Die bedeutendsten seiner Publikationen sind: „Das Kristiania-Silurbecken, chemisch-geognostisch untersuchto (1855), „Geolog. Kart over Kristiania omegn » (1864; 2. Aufl. 1866). ber die Kennzeichen der Stratifikationos (1877), (Udsigt over det sydlige Norges Geologi 1875 (deutsch von Ad. Gurlt), «übersichtskarte des südl. Norwegen » (1877; 2. Aufl. 1878), 4 Die Geologie des südl. und mittlern Norwegen » (deutsch von Ad. Gurlt, 1880). Kjöbenhavn, dän. Name von Kopenhagen. Küchenabfälle) haben die dän. Altertumsforscher eigentümliche Ansammlungen genannt, welche si in der Nähe der dän. Ostseeküsten, besonders am Kattegat finden, und die man früher irrtümlich für von dem Meere zurückgelassene Muschelbänke gehalten hatte, bis Steenstrup und Worsaae nachwiesen, daß in den K. die Speisereste und Hausgeräte eines Volks aus der Steinzeit enthalten sind. Diese Ansammlungen bilden kleine Erhöhungen oder Terrassen von wenigen Meter Mächligkeit, häufig von langgestreckter Form, und bestehen zum größten Teil aus den Schalen der Auster, Mies- und Herzmuschel. Außerdem finden sich die Reste einiger Strand⸗ und Netzschnecken, die Uberbleibsel von Fischen, Krebsen, Krabben u. s. w., auch Knochen von Seehunden und Landtieren, wie von Urochs, Bär, Luchs, Wolf, Eber, Hirsch und Reh. sowie von Wasser⸗ und Landvögeln. Da Hirschgeweihe von allen Jahreszeiten, ebenso Zeichen von allen Entwickelungsperioden der übrigen Säugetiere vorkommen, so wird dadurch bewiesen, daß die Stellen das ganze Jahr hindurch bewohnt waren. Das einzige Haustier ist der Hund, wie Steenstrup aus der Benagung, besonders der Vogelknochen nachwies. Dabei fand man zahllose Instrumente, roh bearbeitet aus Flintstein, Knochen und Horn, rohe Topfscherben, halbverbrannte Herdsteine u. s. w. Durch die scharfsinnigsten Kombinationen. die sich namentlich an das Vorhandensein des Auerhahns knüpfen, ist nachgewiesen, daß die Küchenabfälle einer Zeit entstammen, wo Fichtenwälder in Dänemark existierten, die später durch Eichen. dann durch Buchen ersetzt wurden. Bei Ausgrabung eines Hügels der Bronzezeit auf Sylt wurde beobachtet, daß derselbe auf einem kleinen K. errichtet war; man hatte die überreste des Leichenmahls: Austern⸗ und Muschelschalen und Schnecken, mit Holzkohlen untermischt, aufgehäuft und darauf den regelmäßigen Haufen von Handsteinen (Steinkern) aufgebaut, worin der Leichnam verpackt wurde. lübrigens hat man lleu Haufen von Küchenüberresten, die, obwohl zum Teil einer ziemlich modernen Zeit entstammend, doch auf ganz ähnliche mißt, sind unter C aufzusuchen. Kulturstufen schließen lassen, nach und nach an zahlreichen Gestaden in- und außerhalb Europas gefunden und untersucht. Vgl. Steenstrup, «Sur les K. de l'àge de pierre et sur la faune et la flore préhistoriques du Danemarko (Kopenh. 1872). Kjölen, Teil des skandinav. Gebirges, s. unter Skandinavien. Kjöprülü, Kiuprili oder Weleze, Stadt im europ.⸗türk. Vilajet Prisrend, mit etwa 15000 E., liegt zu beiden Seiten am Vardar und an der Linie Saloniki-Mitrovitza der Türkischen Staatsbahnen, am Bergabhange und hat daher steile Straßen, aber gut gebaute Häuser. Über den Fluß führt eine hölzerne Brücke. In der Umgegend zieht man Maulbeerbäume und baut Mais. — K. kommt zur Zeit der Byzantiner unter dem Namen Belasus, auch Belesus oder Belessus vor, gehörte seit Mitte des 9. Jahrh. bis 1019 und wieder nach 1205 längere Zeit zum Bulgarenreiche, seit Stephan Duschan zu Serbien und kam mit letzterm unter die Herrschaft der Türken (1389). Kjutahia, s. Kutahiag.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 315Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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