Kleopätra, die älteste Tochter des ägypt. Königs Ptolemäus XIII. Auletes, geb. 66 v. Chr., sollte nach dem Tode ihres Vaters (51 v. Chr.) nach dessen Willen mit ihrem 10jährigen Bruder und Gemahl Ptolemäus XIV. Dionysus die Herrschaft führen, wurde aber durch Potheinos, dessen Vormund, und Achillas, der das Heer befehligte, verdrängt. Sie wandte sich, Hilfe suchend, an Julius Cäsar, als dieser im Okt. 48 nach Alexandria kam, und wußte denselben bald durch den Zauber ihrer Person und ihres Geistes für sich zu gewinnen. Nachdem in dem Alexandrinischen Kriege Ptolemäus Dionysus gefallen und die Gegenpartei überwunden war, setzte Cäsar sie wieder als Königin ein und gab ihr ihren jüngern Bruder und Gemahl Ptolemäus XV. als Mitregenten zur Seite. Im J. 46 besuchte sie mit ihrem und Cäsars Sohn, Cäsarion (griech. Kaisarion), Rom und wurde von Cäsar mit ihrem Range entsprechenden Ehren aufgenommen, kehrte aber nach Cäsars Ermordung nach Alexandria zurück. In dem bürgerlichen Kriege hielt sie sich, nachdem sie sich des Ptolemäus durch Gift entledigt hatte, anfangs uninnin Nach der Schlacht bei Philippi ließ sie deshalb Antonius (41 v. Chr.) zur echenschaft vor sich nach Tarsus in Cilicien fordern. Sie erschien in festlichem Aufzuge als Aphrodite und fesselte Antonius für immer an sich. In Schwelgerei verlebte er mit ihr den Winter 41 zu 40 in Alexandria; auch kehrte er, obwohl er 40 sich mit Octavians Schwester Octavia vermählt hatte, 37 zu ihr zurück. Von Laodicea, wohin er sie eingeladen hatte, begleitete sie ihn bis an den Cuphrat. Nach dem schimpflichen Zuge gegen die Parther lebte er bei ihr in Alexandria, und hielt hier, nachdem er sich 34 in verräterischer Weise Armeniens bemächtigt hatte, einen glänzenden Triumph. K. wurde mit Ländern beschenkt, Cäsarion als ihr Mitregent erklärt, und auch ihre Kinder von Antonius erhielten röm. Länder zum Geschenk. Als 32 der Krieg zwischen Antonius und Octavianus ausbrach, begleitete K. den Antonius. Das Jahr verging unter schwelgerischen Festen in Ephesus, Samos und Athen. Dies und die Scheidung von Octavia erregten Unwillen bei des Antonius eigener Partei; in Rom wurde er gehaßt und verachtet; nicht ihm, sondern der K., als deren Feldherrn man ihn betrachtete, wurde der Krieg vom Senat und Volk erklärt. Weil K. es wollte, entschied sich Antonius wider den Rat der Seinen 31 v. Chr. zur Seeschlacht bei Actium. Sie ging verloren, zum Teil weil K. mit ihren 60 Schiffen plötzlich die Flucht ergriff, worauf Antonius ihr nacheilte. Octavian erschien vor Alexandria, verwarf alle Versöhnungsversuche und drang in die von den Truppen des Antonius nur schwach verteidigte Stadt ein. Als diesem ein Bote von der K. die falsche Nachricht brachte, dieselbe habe sich getötet, mochte er sie nicht überleben und stürzte sich in sein Schwert. Zum Tode verwundet, erfuhr er, daß sie lebe, ließ sich zu ihr in das feste Grabmal, das sie sich erbaut und wohin sie sich geflüchtet hatte, tragen und starb in ihren Armen. Durch List gelang es Octavian, sich ihrer hier zu bemächtigen. Vergebens suchte sie seine Kälte zu besiegen und ihn zu gewinnen; sie sah, daß er ihr Leben nur schonte, um sie im Triumph in Rom aufzuführen. Dieser Schmach zu entgehen, tötete sie sich selbst im Aug. 30 durch Gift, wie es hieß, durch den Biß einer Natter, die sie an den Arm gesetzt hatte. Ihr Leichnam wurde nehen dem des Antonius beigesetzt; ihre Kinder von diesem, zwei Söhne, Ptolemäus und Alexandros, und eine Tochter, Kleopatra, später dem jüngern Juba vermählt, nahm Oetavia, nachdem sie Octavians Triumph verherrlicht hatten, auf und erzog sie; Cäsarion war schon vorher getötet worden. Den Versuch einer Rettungo der K. unternahm Adolf Stahr in der Schrift 4Kleopatra (Berl. 1864).