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GeschichteBrockhaus 1882

Kleon, Sohn des Kleänetos, bekannter athenischer Staatsmann aus der ersten Zeit des Peloponnesischen Kriegs, der Hauptvertreter jener Gattung von bürgerlichen Demagogen, welche seit Perikles' Tode einen starken Einfluß auf die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten ausübten. Um ein richtiges Urteil über seinen Charakter und seine polit. Thätigkeit zu fällen, darf man nicht außer Acht lassen, daß die beiden Schriftsteller, denen wir fast ausschließlich unsere Kenntnis über K. verdanken, Aristophanes und Thucydides, zu seinen entschiedensten polit. und persönlichen Gegnern gehören. Der erstere, der ihn in seiner Komödie Die Rittero unter dem Namen eines paphlagonischen Gerbers (weil K. ein von seinem Vater ererbtes Gerbereigeschäft betrieb) als einen wahren Ausbund von Gemeinheit zeichnet, hat offenbar ein Zerrbild von ihm entwerfen wollen, und auch das Urteil des Thucydides über ihn ist wesentlich durch seinen entgegengesetzten Parteistandpunkt beeinflußt. In der That war K., wie es scheint, ein Mann von derben plebejischen Manieren, in seinem Auftreten als radikaler Demokrat überaus leidenschaftlich, trotz scharfen Verstandes ein Mann von ziemlich engem Horizont, in seinem attischen Patriotismus zu starker überschätzung der attischen Kraft geneigt, aber voll Energie und Kühnheit. Er machte sich zuerst durch seine Opposition gegen Perikles in den Volksversammlungen bekannt und war nach dessen Tode der eifrigste Vertreter der Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. Kriegspartei, welche die möglichst energische Fortführung des Kampfes gegen Sparta verlangte. Durch Durchsetzung des Antrags, den Richtersold (d. h. die Tagegelder für die Mitglieder der Geschworenengerichte) von 1 Obol auf 3 Obolen zu erhöhen, gewann er sich die Gunst der großen Masse der ärmern Bürger. Nach der Unterwerfung des von Athen abgefallenen Mitylene (427) setzte er in der Volksversammlung den Antrag durch, daß die ganze waffenfähige Mannschaft getötet, die übrigen als Sklaven verkauft werden sollten, ein Beschluß, der schon am folgenden Tage, nachdem über Nacht eine versöhnlichere Stimmung bei der Mehrzahl der Bürgerschaft platzgegriffen hatte, in einer außerordentlichen Volksversammlung widerrufen ward. Als nach der Eroberung von Pylos und der Einschließung von 420 Spartiaten auf der Insel Sphakteria durch die Athener eine lacedämonische Gesandtschaft mit Friedensvorschlägen nach Athen kam (425), wurden diese auf K.s Betrieb verworfen; nun aber selbst zur Ubernahme des Oberbefehls gedrängt, gelang es ihm unter Beistand seines Kollegen Demosthenes Sphakteria zu erobern und die spartanische Besatzung gefangen nach Athen zu bringen. Als Brasidas in Thrazien bedeutende Erfolge errungen hatte, wurde K. 422 an die Spitze der gegen jenen ausgesandten Truppen gestellt und fand in der Schlacht bei Amphipolis zugleich mit dem feindlichen Feldherrn den Tod. Vgl. Wendt, «Perikles und K.» (Pos. 1836); Hasselbach, «Uber (Marburg 1844); Brock, Zur Beurteilung K.s des Atheniensersy (Celle 1859); Wallichs, «Thucydides und K. »(Flensb. 1866); C. Pauli, «Beitrag zur Würdigung des K.v (Frankf. a. M. 1873); Müller-Strübing, «Aristophanes und die histor. Kritiko⸗ (Lpz. 1873); Beloch, «Die attische Politik seit Perikleso (Lpz. 1884). Kleonä, argivische Stadt an der Hauptstraße von Argos nach Korinth; geringe Mauerreste sind erhalten. Die Hauptbedeutung von K. lag in den Spielen, welche in ihrem Gebiete zu Nemea (s. d.) in einem benachbarten Seitenthale stattfanden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 337Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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