Klystier oder Lavement (elyster, elysma oder enema) nennt man die Einspritzung von Flüssigkeit in den Mastdarm und den sich anschließenden Dickdarm. Man nimmt derartige Einspritzungen vor, entweder um Darminhalt zu entleeren, und bedient sich in diesem Falle des warmen oder kalten Wassers (einfaches K.), oder des Wassers unter Zusatz von Seife, Ol u. dgl. (verschärftes K.), oder zur Einverleibung von Arzneien (Chinin, Morphium, Chloralhydrat u. s. w.), welche von den Blut⸗ und Lymphgefäßen des Mastdarms aus ebenso schnell in die allgemeine Säftemasse elangen wie vom Magen aus, oder sogar von ahrungsmitteln (Fleischbrühe, Milch, Eiwasser, Wein), wenn der Kranke nicht schlucken kann. In letzterer Beziehung haben sich in der neuern Zeit besonders die von Leube empfohlenen ernährenden Fleischpankreasklystiere bewährt, durch welche dem Körper eine beträchtliche Menge Stickstoff einverleibt und der Kranke somit längere Zeit durch den Mastdarm ernährt werden kann. (S. unter Ernährung, Bd. VI, S. 3040.) Das K. ist zur Hervorbringung von Stuhl den Abführmitteln entschieden bei weitem vorzuziehen, doch muß man in der Anwendung vorsichtig verfahren, weil bei roher Ausführung die Darmschleimhaut leicht verletzt werden kann. Man verabreicht das K. in der Regel mit der Klystierspritze, die gewöhnlich 250—300 g, bei Kindern 60—150 g Flüssigkeit faßt und zum Selbstklystier mit einem krummen Metallrohr oder einem Kautschukschlauch versehen ist. Beim Einführen der Klystierspritze hat man zu beachten, daß der Mastdarm nach hinten und oben verläuft und deshalb das Ansatzrohr der Spritze auch in dieser Richtung einzuführen ist; auch muß dasselbe zuvor gut eingeölt und alle Luft aus der Spritze durch Vorschieben des Stempels bei nach aufwärts gehaltener Spitze des Instruments zuvor ausgetrieben werden, damit keine Luft in den Darm eingespritzt werde. An Stelle der Klystierspritze wird vielfach auch die Klysopompe in ihren verschiedenen Formen (clyshelice, hydroclyse, clysoir atmosphérique u. s. w.) gebraucht. Dieselbe (s. nachstehende Fig. 1) besteht aus einer kleinen Pumpe a, welche in ein flaches Gefäß mit Wasser gestellt wird und durch abwechselndes Senken und Heben des Stempels b das Wasser aus dem Gefäß ansaugt und durch angebrachte Ventile in den Schlauch 6 und durch das Ansatzstück d in den After treibt. Der Irrigateur von Eguisier treibt die Flüssigkeit mittels eines Uhrwerks ein, ist aber kostspielig und leicht mannigfachen Reparaturen unterworfen. Der Klystierschlauch (syphon, Heber) leitet aus einem höher stehenden, mit Wasser mißt, sind unter E aufzusuchen. gefüllten Gefäß die Flüssigkeit mittels eines langen biegsamen Rohrs in den Mastdarm. (S. unter Irrigator, Bd. IX, S. 674.) Sehr einfach und praktisch ist auch die sog. englische Klysopompe oder englische Ballonspritze (s. Fig. 2), welche sich vortrefflich zum Selbstklystieren eignet. Dieselbe besteht aus einem langen Gummischlauch a, in dessen Mitte sich der Gummiballon b befindet; das Saugstück e wird in ein Gefäß mit Wasser gesetzt, das Ansatzstück d in den After eingeführt und nun durch abwechselndes Zusammendrücken des Ballons b und mit Hilfe eines im Innern desselben angebrachten Ventils die Flüssigkeit angesaugt und durch das Ansatzstück d in den Mastdarm getrieben. Letztgenannte Instrumente dienen auch zur aufsteigenden Mastdarmdouche (douche ascendante), welche sich vom gewöhnlichen K. nur durch die große Menge und Gewalt, mit welcher die Flüssigkeit eingespritzt wird, unterscheiden. Neuerdings haben Hegar und Simon das Eingießen von großen Wassermengen (3 bis 51) durch den Mastdarm vermittelst eines Trichterapparats und in Verbindung mit einer geeigneten, den Druck in der Bauchhöhle möglichst herabsetzenden Lagerung des Kranken (Bauchlage, Knie-Ellbogenlage) zur Methode erhoben und damit bei hartnäckigen Verstopfungen, Darmverschließungen, Schleimflüssen, Wurmkrankheiten u. dgl. vorzügliche Resultate erzielt. In manchen Fällen wählt man dafür die bloße atmosphärische Luft, die mittels einer Art von Luftpumpe in die Därme getrieben wird; dies ist die sog. Luftdouche, welche bisweilen bei Darmverschlingungen sich nützlich erwiesen hat.