FeedKnall ist eine intensive
NaturlehreBrockhaus 1882

Knall ist eine intensive, schnell vorübergehende Erregung unsers Gehörorgans und entsteht durch jede schnelle und gewaltsame Zertrennung der Luft mittels eines in ihr sich schnell fortbewegenden Körpers (3. B. beim K. einer Peitsche), serner durch jede heftige und augenblickliche Entwickelung einer großen Menge von Gasen, welche die Luft mit großer Gewalt fortstoßen, bei ihrem momentanen Verbrennen aber ebenso schnell einen leeren Raum erzeugen, welchen die Luft mit gleicher Heftigkeit anzufüllen strebt. Die Chemie dat eine sehr große Menge von Stoffen kennen gelehrt, welche sich unter gewissen Bedingungen, z. B. Erwärmung, Schlag, Reiben u. s. w., plötzlich in gasförmige Produkte zerlegen, welche Zersetzung von einem K. begleitet ist. Beispiele derartiger Körper sind Schießpulver, ferner Gemenge von chlorsaurem Kali mit Schwefel oder Schwefelantimon (die entzündliche Masse in den Zündnadelgewehren), die knallsauren Salze oder Fulminate, Chlor⸗ und Jodstickstoff, pikrinsaures Kali, Nitromannit, Nitroglycerin und Dynamit u. s. w. Eine folche Zersetzung heißt Explosion oder, wenn sie schwächer ist, Verpuffung oder Detonation, und es ist eine solche zuweilen mit großer Gefahr für den Experimentierenden verbunden. Explodierende Körper nennt man, insofern sie technische Anwendung finden, Knallpräparate. Das Schießpulver verursacht bei seinem Verbrennen im geschlossenen Raume selbst im Freien einen seiner verbrannten Menge entsprechenden K., der durch die Gegenstände vergrößert wird, die sich seiner augenblicklichen Ausdehnung nach allen Seiten entgegensetzen. Obgleich bei dem K. das Hervortreten einer Haupterschütterung das Wesen desselben ausmacht, so darf man doch annehmen, daß dieser eine oder vielleicht auch einige schwache Schwingungen folgen, da man bei einem K. mehr oder weniger eine Tonhöhe unterscheiden kann. Veims chnellen offnen eines Pennals hört man einen K. ganz von der Höhe des Tons, den man beim Anblasen desselben erhält. Bei den Explosionen in einem geöffneten Gefäß, wie 3.B. einem Büchsenschuß, pflegt der Ton beträchtlich höher zu sein als beim Anblasen, was wohl der höhern Temperatur zuzuschreiben ist. Auch wenn Seifenblasen, mit Knallgas (s. d.) gefüllt, abgebrannt werden, wo also die Luft in einen von allen Seiten geöffneten Raum stürzt, unterscheidet man eine Tonhöhe des K. und kann bemerken, daß derselbe um so tiefer ist, je größer die Blase war. Einwirkung von salpetriger Säure auf Anilin und Fällen des Produkts mit einer salzsauren Lösung von doppeltchromsaurem Kali erhalten, soll das Knallquecksilber unter Umständen ersetzen können.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 360Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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