FeedKnittelverse
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Knittelverse nennt man holperige Verse von schwankender, willkürlicher Messung, gewöhnlich paarweise durch oft rohe, unreine Reime gebunden. Sie sind in dieser letztern Art aus den kurzen Reimpaaren entstanden, als diese, das Metrum der epischen Kunstpoesie des Mittelalters, im 14. und 15. Jahrh. durch Vernachlässigung der Reimeinheit und nachlässige Behandlung des Wechsels der Hebungen und Senkungen verwilderten, und erhielten diesen schon im 16. Jahrh. vorkommenden Namen im Ge-Lensat gegen streng gemessene, sorgfältig gearbeitete Verse. Mit Glück hat die K. unter andern das niedrig komische Gedicht Kortum (s. d.) in der „Jobsiades angewandt. Die Engländer nennen dergleichen Verse hobbling verses oder hobbling rhythms, die Franzosen rimaille, vers du vieux temps oder von den Leoninischen Versen (s. d.) des mittelalterlichen Latein her vers léonins.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 369Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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