FeedVersi soiolti oder Versi libéri
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Versi soiolti oder Versi libéri, nämlich dalla rima, heißen in der ital. Poesie reimlose Verse, die vers blancs der Franzosen, die blanc verses der Engländer. Da sie dem Geiste der roman. Sprachen wenig zusagen, so kommen sie erst ziemlich spät in den neuern Litteraturen vor. Zwar finden sich schon reimlose Verse in den «Reggimento e costumi delle donnes von Francesco Barberini im 14. Jahrh., wo sie indes mehr aus Bequemlichkeit als aus einer bestimmten Absicht und einem System hervorgegangen zu sein scheinen. Erst seit dem Anfang des 16. Jahrh. werden sie, und zwar als bewußte Nachahmung der antiken Poesie, häufiger gebraucht. Die «Italia liberata da' Gotiv von Trissino, einige Gedichte von Sannazar und Rucellai und die Komödien des Ariosto sind die ersten in dieser Versart geschriebenen Werke. Jetzt bedient man sich der Sciolti, und zwar nur elfsilbiger Verse, während früher auch sieben-und fünfsilbige Verse eingemischt wurden, allgemein in der dramatischen und didaktischen Poesie, ferner in Episteln, Satiren und vorzüglich bei poetischen Übersetzungen. Zur Meisterschaft in dieser Gattung sind unter den Neuern besonders Cesarotti, Monti, Parini und Foscolo gelangt. Bei den Franzosen haben die vers blanes nie Eingang gefunden und sind höchstens zu flüchtiger Übersetzung gebraucht worden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 228Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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