FeedKnochenwunde
HeilkundeBrockhaus 1882

Knochenwunde gelangen und in dieser Entzündungen und Vereiterungen, ja selbst lebensgefährliche Verjauchungen bewirken können. In der Regel bricht der Knochen nur in zwei Stücke; sind mehrere Stücke entstanden, so nennt man dies einen Splitterbruch (kractura comminutiva). Auch bloße Absplitterungen von Knochenstücken Camellen) kommen vor. Am häufigsten ereignen sich die K. an den Gliedmaßen, wobei aber die nebeneinander liegenden, das Ellbogenbein und die Speiche, das Schienbein und das Wadenbein, nicht immer zugleich brechen. In den meisten Fällen ist ein Knochenbruch nicht schwer zu erkennen. Die falsche Stellung der Extremität, die beträchtliche Anschwellung, die Schmerzhaftigkeit, die Beweglichkeit der Bruchenden und das Reiben der Knochenenden aneinander (Krepitation), sowie die mehr oder minder schwere Beeinträchtigung der Funktionen des betroffenen Gliedes zeigen die Fraktur an. In manchen Fällen ist die Erkennung schwer, namentlich wenn der Knochen in der Nähe eines Gelenks zerbrochen, wobei die Fraktur mit einer Verrenkung ( d.) verwechselt werden kann. Erleichtert wird die Diagnose durch eine große Regelmäßigkeit der Brüche unter gleichen Verhältnissen. So brechen Kinder beim Fallen sehr häufig das Schlüsselbein, Erwachsene, wenn sie auf die vorgestreckte Hand fallen, das vordere Ende der Speiche, alte Leute den Oberschenkelhals. An sich ist ein Knochenbruch eine ungefährliche Krankheit; gefährlich wird sie nur durch die Nachbarschaft lebenswichtiger Organe (Schädelbruch) oder durch Kompliziertheit, namentlich mit Hautwunden. Zur Heilung der einfachen K. ist nach der möglichsten Annäherung der Bruchenden (Einrichtung oder Reposition) Festhalten derselben in dieser Lage (Retention) und vollständige Ruhe der Gliedmaßen nötig. Man lagert daher das Bein oder den Arm zwischen Schienen, legt einen Verband aus Pappe, die man mit Watte füttert, und mit Kleister oder Dextrin bestrichenen Binden an (Watte⸗, Kleister⸗, Dextrinverband) oder gipst die Binden ein (Gipsverband). Die Heilung erfolgt um so schneller, je jünger und gesünder das Individuum ist; Schlüsselbeinbrüche der Kinder heilen oft ohne alle Behandlung, während Oberschenkelhalsbrüche alter Leute häufig gar nicht heilen. Unter günstigen Verhältnissen ist die Heilung eines K. binnen einigen Wochen keines Fingers in zwei, eines Vorderarmknochens in vier bis sechs, eines Oberschenkelknochens in acht bis zehn Wochen) vollendet. Dieselbe aabe unter Bildung von neuem, anfangs weichem, aber allmählich knochenhart werdendem Knochengewebe (sog. Callus), welches die gebrochenen Knochenstücke fest wieder zusammenkittet. Ist dies nicht oder nur unvollkommen der Fall, so bleibt ein falsches Gelenk, eine Pseudarthrosis, zurück, welche namentlich an den untern Extremitäten die übelsten Funktionsstörungen verursacht und nur sehr schwierig auf operativem Wege zu beseitigen ist. In falscher Stellung geheilte Brüche müssen wieder gebrochen und neu eingerichtet werden. In den meisten Fällen wird ein einfach gebrochenes Glied wieder vollkommen brauchbar; der „Oberschenkel erleidet jedoch infolge eines Bruchs eimmer eine Verkürzung. e Von ganz besonderer Wichtigkeit sind bei allen rK. die ersten Hilfeleistungen, welche der Ver⸗ „letzte erfährt. Nachdem man Kleidungsstücke und übertez so weit aufgeschnitten hat, daß die Verletzung „übersehen werden kann, befestige man das kranke d Glied mit Binden oder mit Tüchern, zerschnittenen 3Hemden, Bettlaken u. dgl. auf einer festen Unter⸗ . lage (Schienen aus Latten, Brettern, Cigarrennkisten, Pappstücken, Draht, zusammengebundenen nZweigen u. ähnl.) derart, daß es nicht mehr schmerzt e und sich nicht verschieben kann, und lege bis zur eAnkunft des Arztes kalte Buuchielle von Eis, tSchnee oder Wasser auf die Bruchstelle auf. Im äußersten Notfalle kann man auch das gesunde tBein als Schiene benutzen, indem man das zerrbrochene Bein mit Tüchern an dasselbe festbindet. eKann man das zerbrochene Glied nicht hinreichend „fixieren, so mag man den Verletzten lieber noch „längere Zeit bis zum Erscheinen des Arztes auf der r. Stelle, wo das Unglück geschehen ist, liegen lassen, „als daß man ihn den Schmerzen und Gefahren „eines längern Transports ohne hinreichende Siche⸗ )frung der gebrochenen Knochen aussetzt. Vgl. Esmarch, «Die erste Hilfe bei Verletzungen-Gannov. 1875); derselbe, «Leitfaden für Sama5riterschulen „ (4. Aufl., Lpz. 1882). Knochenentzündung, Ostitis. Kunochenerde, s. unter Knochen. Knochenerweichung, s. Osteomalacie. ö Knochenfett, s. unter Knochen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 372Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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