FeedKnochenhautentzündung
HeilkundeBrockhaus 1882

Knochenhautentzündung oder Beinhautentzündung (Eeriostitis), die Entzündung der den Knochen überziehenden und ernährenden, sehr gefäß⸗ und nervenreichen Knochen- oder Beinhaut (. unter Knochen, S. 3713), entsteht entweder durch örtlich einwirkende Schädlichkeiten, wie durch Quetschungen, Verwundungen und ähnliche Verletzungen der Knochen und der benachbarten Weichteile, insbesondere oberflächlich gelegener Knochen (Schienbein, Vorderarmknochen, Rippen u. a.), oder tritt im Verlauf gewisser Allgemeinkrankheiten, namentlich der Skrofulose, der Tuberkulose, der Englischen Krankheit und der Syphilis auf, und nimmt im letztern Falle gewöhnlich einen sehr schleichenden und langwierigen Verlauf. Die hauptsächlichsten Kennzeichen der K. sind eine mehr oder minder beträchtliche Auftreibung des erkrankten Knochens und schließlich Anschwellung des ganzen Gliedes, Fieber, Schlaflosigkeit, sowie heftige stechende und bohrende Schmerzen, die sich bei Druck und Berührung bis zum Unerträglichen steigern. Ausgang und Verlauf der Krankheit sind sehr verschieden; entweder tritt baldige Zerteilung der Entzündung und damit vollständige Genesung ein, oder es bleibt eine dauernde Verdickung und Auftreibung der Knochenhaut und des Knochens (Hyperostose) zurück, oder es kommt zu umfänglicher Eiterung und Absceßbildung, oder endlich es erfolgt durch die eingetretene Ablösung der Beinhaut vom Knochen ein gänzliches oder teilweises Absterben des letztern (Knochenbrand, Knochennekrose, s. u. Knochenfraß). Die Behandlung erfordert vor allen Dingen absolute Ruhe und Schonung des erkrankten Körperteils; daneben erweisen sich im Anfang kalte Umschläge und Eisbeutel, späterhin bei beginnender Eiterung feuchtwarme Umschläge nützlich; haben sich Eiterherde gebildet, so muß dem vorhandenen Eiter durch einen rechtzeitigen Einschnitt in die entzündete Knochenhaut ein Abfluß nach außen verschafft werden. Wenn die K. auf einem der obengenannten Allgemeinleiden beruht, so ist neben der örtlichen Behandlung die energische Bekämpfung des betreffenden Grundleidens unerläßlich.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 373Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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