Knochenkohle (Spodium), bei Luftabschluß geglühte Knochen. Zur Darstellung werden die Knochen durch Auslesen soviel wie möglich von beigemengten fremden Teilen, durch Sieben von Sand und Erde befreit, dann durch Extraktion mit Benzindämpfen entfettet oder mit Wasserdämpfen einer Spannung von drei Atmosphären ausgesetzt, wobei ein großer Teil des Fettes abfließt und verwertet werden kann. Die entfetteten Knochen werden entweder unmittelbar gebrannt, oder zuerst auf Brechmaschinen zu Korn von der Größe der darzustellenden Knochenkohlenkörnung zerkleinert (Patentkohle). Letzteres Verfahren ist vorteilhafter, weil dabei weniger feiner Bruch gewonnen wird, der als Knochenmehl verwertet werden kann, während der beim Körnen der Knochenkohle sich ergebende Abfall als Beinschwarz (s. d.) Verwertung findet. Die Verkohlung erfolgt in Töpfen oder Retorten. Bei ersterm Verfahren werden mit den Knochen gefüllte, kurze, cylindrische, eiserne Töpfe in einem Ofen säulenförmig übereinander gebaut, bis der ganze gewölbte Innenraum des Ofens davon erfüllt ist. Nach dem Vermauern der Einsatzthür wird der Ofen angeheizt und im Verlauf von 24 Stunden sein Inhalt zur gelinden Rotglut gebracht, welche so lange unterhalten wird, bis beim Hinsehen durch Schaulöcher sich an den Topfrändern keine Flämmchen mehr zeigen, worauf man den Ofen erkalten läßt. Die Verkohlung in Retorten ist stets mit einer Gewinnung der Nebenprodukte der trockenen Destillation: Tieröl, Ammoniumcarbonat, verbunden. Als Apparat dienen dabei Retortenöfen von ganz analoger Einrichtung, wie die bei der Leuchtgasfabrikation gebräuchlichen. Die Retorten werden entweder unmittelbar mit gröblich zerbrochenen Knochen gefüllt, oder es werden beim Brennen von Knochenkörnern eiserne, der Form der Retorten nißt, sind unter C aufzusuchen. angepaßte eiserne Behälter, die mit den Körnern gefüllt sind, in die Retorten eingeschoben. Der Betrieb mit den Retorten ist ein kontinuierlicher, derart, daß sie einmal in Glut gebracht, stets darin erhalten bleiben. 19 beendigter Destillation werden die glühenden Knochen mit eisernen Krücken rasch in eiserne, dicht verschließbare Dämpfer gezogen, in denen sie vor Luftzutritt geschützt erkalten; die in eisernen Kapseln eingesetzten Körner werden samt den Kapseln, die sofort verschlossen werden, aus den Retorten gezogen. In der sämtlichen Retorten gemeinsamen Vorlage sammelt sich rohes Tieröl, in weitern Kondensatoren setzt sich kohlensaures Ammonium, teils als wässerige Lösung, teils fest (rohes Hirschhornsalz) ab. Die K. findet Verwendung wegen ihrer Absorptionsfähigkeit für Farbstoffe und Salze und wird wegen dieser Eigenschaft im umfangreichsten Maße in der Zuckerfabrikation benutzt. Während man aber bis vor wenigen Jahren nicht genug Kohle für diesen Zweck anwenden zu können glaubte, hat sich diese Ansicht unter den Rohzuckerfabrikanten sehr geändert, indem sehr viele den Gebrauch der K. bedeutend eingeschränkt haben, noch mehrere ganz ohne dieselbe arbeiten und trotzdem ebenso guten Rohzucker liefern. In der Zuckerraffinerie wird die K. immer unentbehrlich bleiben. Die zum Klären und Entfärben benutzte K. ist nach einer Reinigung (Wiederbelebung) zu neuem Gebrauch geeignet. Sie wird zu dem Behuf mit sehr verdünnter Salzsäure übergossen, um absorbierten Kalk fortzuschaffen, bleibt damit stehen, worauf alsbald eine Gärung eintritt, durch welche organische Substanzen zerstört werden. Durch Waschen in eigenen Maschinen wird alle Unreinigkeit und Kohlenschlamm melt ft letzterer wird in Absatzbehältern Aaep t und dient zur Fabrikation von Superphosphat (s. d.). Die gewaschene Kohle wird ausgedämpft, auf einer Darre getrocknet und in Röhrenöfen zum schwachen Glühen erhitzt, worauf sie zur Wiederverwendung bereit ist.