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PflanzenreichBrockhaus 1882

Knollen (Tubéra) nennt man in der Botanik kugelig oder klumpenartig angeschwollene Stammteile, die in der Erde sich entwickeln, oder ähnlich gestaltete Wurzelteile. Die K. dienen in den meisten Fällen zur vegetativen Vermehrung, wie z. B. die der Kartoffelpflanze, sie enthalten reichliche Mengen von Reservestoffen in Form von Stärke oder Inulin u. dgl., sodaß die aus ihnen sich entwickelnde junge Pflanze längere Zeit davon ernährt werden kann. Die Form und der innere Bau der K. können sehr verschieden sein. Diejenigen, welche morphologisch als Stammorgane zu betrachten sind, wie die Kartoffel, haben im wesentlichen auch den Bau eines Stammes, nur wird die Hauptmasse desselben von parenchymatischen Geweben gebildet, die mit Reservestoffen erfüllt sind, die übrigen Gewebe, Gefäßbündel, Baststränge u. dgl. sind verhältnismäßig schwach ausgebildet. Die sog. Wurzelknollen (Radices tuberosae), welche morphologisch als Wurzel aufzufassen sind, haben ebenfalls reichlich entwickeltes Parenchym und unterscheiden sich äußerlich von jenen aus verdickten Stammteilen bestehenden K. dadurch, daß an ihrer Außenfläche keine Spur von rudimentären Blattorganen und auch keine sog. Augen, d. h. Knospen zu finden sind. Ihre Form ist so wie die der erstern eine sehr verschiedene, in einigen Fällen sind sie handförmig gelappt, z. B. bei manchen Orchideen (s. d.), in andern Fällen sind sie kugelig oder ellipsoidisch ausgebildet, wie die des Feigenkrautes Ranunculus Ficaria. Bei manchen Pflanzen, z. B. bei Crocus, ist der knollig entwickelte Stamm von größern trockenhäutigen Niederblättern umhüllt und bietet hierdurch manche Ähnlichkeit mit der Zwiebel (s. d.) dar, man nennt deshalb derartige Gebilde auch Knollenzwiebel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 375Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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