Kotyledonen, Samenlappen, Samenblätter, auch Keimblätter, nennt man in der Botanik die zuerst am Keimling auftretenden Blattorgane, die in ihrer Form gegenüber den später sich entwickelnden Laubblättern gewisse Verschiedenheiten zeigen. Die K. sind schon im Samen fast vollständig ausgebildet, sie umschließen die sog. Plumula, d. h. die Stammspitze des Embryo, aus der sich nach der Keimung die Stengelorgane mit den Laubblättern entwickeln. Bei vielen Pflanen, z. B. bei den Leguminosen, bilden die K. die eservestoffbehälter des Samens: * sind massig entwickelt und ihre Zellen sind reichlich mit Stärke u. dgl. angefüllt. Bei andern Samen bleiben sie verhältnismäßig klein, es sind dann die Reservestoffe in dem sog. Eiweiß oder Sameneiweiß, einem parenchymatischen Gewebe, welches die Hauptmasse des Samens bildet, enthalten; so ist es z. B. bei den Gramineen, Palmen, Pol goneen, Chenopodiaceen u. a. Die Anzahl der K und ihr Verhalten bei der Keimung ist eins der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zwischen den beiden großen Gruppen der Angiospermen, der Dikotyledonen und Monokotyledonen. Bei den erstern sind in der Regel 7 einander gegenüberstehende K. vorhanden, bei en letztern findet sich nur ein K., welcher meist scheidenförmig die Spitze des Keimlings umgibt. gl. die Artikel Monokotyledonen und Diotyledonen.) Bei den Gymnospermen sind häufig mehrere in einem Quirl stehende K. vorhanden, in vielen Fällen aber auch nur zwei, seltener einer. Die wesentliche Verschiedenheit der Gymnospermen und der Angiospermen beruht nicht auf der Anzahl der K., sondern in dem Bau der Geschlechtsorgane. (S. Oipeemnen den W. en.) Früher stellte man die Gymnospermen den Monokotyledonen und Dikotyledonen als Polykotyledonen gegenüber, und die Kryptogamen bezeichnete man als Akotyledonen, d. h. als Lanent welche überhaupt keine K. besitzen. Das letztere ist nach den jetzigen Anschauungen nicht gerechtfertigt, denn auch bei den Gefäßkryptogamen bezeichnet man jetzt die zuerst auftretenden Blattorgane am Embryo als K.; so besitzen die meisten Farnkräuter einen K., die Cquiseten zwei K. Diese ersten Blattorgane an den sporenbildenden Generationen der Gefäßkryptogamen sind in der That Gebilde, die als den K. der Phanerogamen homologe zu betrachten sind. In der Zoologie werden K. auch diejenigen fleischigen Auswüchse genannt, welche bei den Tieren mit gespaltenen Klauen auf der Innenseite der befruchteten Gebärmutter laßemdei und in welche die Gefäßbündel auf der Außenseite des Chorions der Frucht hineinwurzeln.