Kokkelskörner, auch Fischkörner (nach den ältern Pharmakopöen Cocculae officinarum, Semina Cocculi indici oder levantici), heißen die Früchte von Anamirta Cocculus Wighi (Menispermum Cocculus L.), eines zur Familie der Menispermeen gehörigen Schlingstrauchs, welcher auf Malabar, Ceylon, Java und andern ostind. Inseln zu Hause ist und, den Lianen ähnlich, bis in die Gipfel der höchsten Bäume emporklimmt. Aus den Blüten, welche in zusammengesetzten Trauben in den Achsen der gestielten herz-eiförmigen Blätter stehen, entwickeln sich meist zu drei gruppierte, erst weiße, dann rote, zuletzt schwarzpurpurne Beeren von der Größe der Weinbeere. In getrocknetem Zustande, wie sie in den Handel kommen, sind dieselben kugelig-nierenförmig, runzelig, graubraun und von der Größe einer starken Erbse. Sie enthalten einen halbkugeligen, im Längs⸗ und Querschnitt halbmondförmigen Samen mit ölig-fleischigem Eiweiß, welcher anhaltend ekelhaft-bitter schmeckt und narkotisch-giftige Eigenschaft besitzt. Die K. dienen im gepulverten Zustande zur Vertilgung des Ungeziefers (daher auch Läusekörner oder Läusesamen genannt); auch betäuben sie in stehendem Wasser die Fische so stark, daß diese auf der Oberfläche des Wassers schwimmen und sich mit den Händen greifen lassen, weshalb sich gewissenlose Fischer dieses Mittels in früherer Zeit beim Fischfang bedient haben sollen. In der Medizin finden sie nur äußerst selten noch Anwendung, offizinell sind dieselben nicht. Der wirksame Bestandteil der K. ist das Pikrotoxin (s. d.).