FeedKolossä oder Kolassä
ErdkundeBrockhaus 1882

Kolossä oder Kolassä, eine vormals volkreiche Stadt in Großphrygien am Flusse Lykos, wurde 65 n. Chr. unter Nero samt den Nachbarstädten Laodicea und Hierapolis durch ein furcht: bares Erdbeben fast gänzlich zerstört, jedoch später wieder aufgebaut, und blühte bis in das 12. Jahrh. Die unbedeutenden Ruinen von K. liegen etwas nördlich von der modernen Stadt Chonas. Kolosser (Brief an die), einer der im Neuen Testament unter dem Namen des Paulus enthaltenen Briefe. Die Gemeinde zu Kolossä in Kleinasien ist nicht von Paulus selbst, sondern von einem seiner Schüler gestiftet worden. Der an sie gerichtete Brief will im Gegensatze zu der in der Gemeinde verbreiteten Engelverehrung zeigen, daß Christus als das universelle Haupt der gesamten Schöpfung, in welchem die Fülle der Gottheit wohnt, auch das alleinige Haupt der Kirche ist, durch seinen Kreuzestod über alle Mächte der übersinnlichen Welt triumphiert und dadurch die aus Juden und Heiden gesammelte Kirche versöhnt und zu seinem (Leibo sich verbunden hat. Zugleich warnt der Brief vor einer dualistischen Ascese, durch welche die Leser den Engelmächten dienen zu müssen glauben. Die Echtheit oder doch Integrität des Briefs ist streitig. Vgl. Holtzmann, «Kritik der Epheser⸗ und Kolosserbriefes (Opz. 1872); Klöpper, Der Brief an die K.» (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 429Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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