FeedEpheserbrief
ErdkundeBrockhaus 1882

Epheserbrief, ein im neutestamentl. Kanon enthaltener, mit dem Namen des Apostels Paulus überschriebener Brief an die Gemeinde zu Ephesus (. d.), den mehrjährigen Mittelpunkt der Missionswirksamkeit des Apostels in Kleinasien. Dieser Brief bildet mit dem Briefe an die Gemeinde zu Kolossä (. d.) eine eigene Gruppe, welche durch Stil und Gedankengehalt sich nicht unerheblich von den unzweifelhaft echten Briefen des Apostels unterscheidet. Da der Brief nicht in allen Handschriften an die Gemeinde zu Ephesos adressiert ist, gelegentlich auch Brief an die Laodicener heißt (so bei Marcion, vgl. Kol. 4, 16) und durch seinen vollständigen Mangel an lokalen und persönlichen Beziehungen nicht wohl an eine Gemeinde, die dem Paulus so nahe stand, gerichtet sein kann, so betrachtete man ihn als ein Umlaufschreiben an die Gemeinden von Asia proconsularis, welches gleichzeitig mit den Briefen an die Kolosser und an Philemon durch Tychikus Eph. 6, 21; Kol. 4, 7) überbracht worden sei. Da ulus sich in dem Briefe als «Gefangenerv bezeichnet, so lassen ihn die einen während der Gefangenschaft zu Cäsarea, die andern während der röm. Gefangenschaft geschrieben sein. Letztere Annahme ist, wenn die Echtheit des Briefs sich nicht halten läßt, die einzig natürliche. Das stilistische und sachliche Verwandtschaftsverhältnis zum Kolosserbriefe hat schon die Kritik De Wettes und Schleiermachers herausgefordert, welche den Hiaperbrfef als eine spätere Uüberarbeitung des Kolosserbriefs betrachteten, und allerdings hat diese Annahme, für welche auch neuere Gelehrte eingetreten sind, entschieden mehr für sich als die umgekehrte von Mayerhoff. Die Hauptsache aber ist, daß beide Briefe in ihren Abweichungen von den „Hauptbriefeno miteinander stehen und fallen. Der Gedankenkreis auch des Epheserbriefs bewegt sich mit Vorliebe in transscendenten Regionen, in den Engel⸗ und Geisterreichen, als deren Herr und Haupt Christus erscheint, und betrachtet das Werk Christi als überwindung der bösen Geisterwelt und damit als universelle kosmische Versöhnung; doch führt er dabei weiter aus, wie dieses Versohnungswerk zugleich die Stiftung der Kirche auf Erden und die Vereinigung von Juden und Heiden zu einem Leibe Christi herbeigeführt hat. Wie daher das Verhältnis Christi und der Kirche als ein geheimnisvolles Eheband (ESyzygies)erscheint, so haben die Glieder der Kirche ihrerseits sich als Glieder des Leibes Christi zu heiligen und den Kampf mit den bösen Geistern als des Briess Männer zu bestehen. Die Unechtheit es Briefs ist nach dem Vorgang von De Wette und Schleiermacher namentlich von Baur lin seinem 4Pauluse, 2. Aufl., Bd. 2, Lpz. 1867) und scen Schule erwiesen und jetzt fast von allen kritichen Theologen anerkannt worden. Vgl. Holtzmann, Pfleiderer, Paulinismusv (Lpz. 1873); Hilgenfeld, „Einleitung ins Neue Testament, (Lpz. 1875). Tempel zu Ephesus; auch hieß so ein ihr zu Ehren in diesem Tempel gefeiertes nächtliches Fest, welches ausschweifend begangen wurde; nur Männer, unverheiratete Frauen und Sklavinnen durften den Tempel betreten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 6, S. 215Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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