Kolosséum (ital. il coliseo, colosseo), das größte und prachtvollste und zur Zeit seiner Erbauung das einzige steinerne Amphitheater in Rom, an der Südostseite des Forum Romanum in der Thalsenkung zwischen dem Palatin, dem Cälius und dem Esquilin gelegen, von Vespasian an der Stelle eines zum Goldenen Hause des Nero gehörigen künstlichen Sees (Stagnum Neronis) begonnen, von Titus (80 n. Chr.) dediziert, aber erst von Domitian ganz vollendet, daher, weil diese Kaiser dem Flavischen Geschlecht angehörten, Amphitheatrum Flavium oder kurzweg Amphitheatrum genannt. Der Name K. findet sich erst bei eda (8. Jahrh.) und wird von der nördlich von dem Amphitheater einst stehenden Kolossalstatue des Apollo Nero oder mit mehr Wahrscheinlichkeit von seiner kolossalen Größe abgeleitet. Das diente zur Abhaltung der großartigsten Tierhetzen und Fechterspiele. Der Tradition zufolge ist es in Zeiten der Christenverfolgungen die Stätte des Martyriums vieler Gläubigen gewesen. Auch nachdem im Anfang des 5. Jahrh. die christl. Kaiser die Gladiatorenspiele beseitigt hatten, blieb es für Tierkämpfe in Gebrauch, und wurde daher baulich möglichst in Stand gehalten. Der letzte bezeugte Restaurationsbau fällt in die Zeit des Theodorich. Bei den innern Kämpfen zwischen den röm. Baronen wurde das K. als eine der Hauptfestungen der Stadt benutzt, und während des Aufenthalts der Päpste in Avignon und bis ins 16. Jahrh. hinein diente es als Steinbruch: fast zwei Drittel des Baues sind der Verwendung für private und öffentliche Gebäude des neuen Rom zum Opfer gefallen. Doch blieb die Masse des Erhaltenen immer noch groß. Seit der Mitte des 18. Jahrh., zuerst durch Benedikt XIV., ward der Konservierung und Wiederherstellung größere Sorgfalt zugewandt. Im J. 1811 begann die Bloßlegung des antiken Bodens um das K.; 1813 grub man in der Arena und fand die unterndischen Anlagen derselben; 1874 ging man daran, die Arena wiederum von Schutt und Erde zu räumen und die unterirdischen Gänge zu säubern. Gegenwärtig ist die Hälfte sämtlicher innern Substruktionen bloßgelegt, doch das sich ansammelnde Wasser und die Schwierigkeit, zt, sind unter C aufzusuchen. demselben einen Abfluß zu schaffen, werden wohl die abermalige Zuschüttung nötig machen. Der Umfang beträgt 524, die Länge der großen Achse 188, der kleinen 155, die entsprechenden Achsen der Arena 86 und 54 m, die Gesammthöhe 48 m. Das Gebäude selbst, von elliptischer Form, ist aus Travertinquadern aufgeführt. Die Außenseite stellt sich in vier Stockwerken dar, von denen die drei untersten aus je 80 Bogen und Pfeilern bestehen, welche letztere wiederum mit dor., ion. und korinth. Halbsäulen geziert sind. Die Arkaden des ersten und zweiten Stockwerks waren wahrscheinlich mit Statuen geschmückt. Das oberste Stockwerk bildet eine von Fenstern derart durchbrochene Mauer, daß über jedem zweiten Bogen der untern Geschosse ein rechteckiges Fenster zwischen korinth. Pilastern steht; ein Kranzgesimse schloß das Ganze ab. Von dieser Außenseite steht nur noch der nach dem Esquilin zu gelegene Teil. Das Ganze hat vier Haupteingänge, die durch reichen Schmuck ausgezeichnet waren. Innerhalb der so gezierten Umiuungemaner befinden sich fünf andere elliptische Mauerringe, welche, an Höhe nach innen zu abnehmend, die Sitze der Zuschauer trugen. Bewundernswert in architektonischer Hinsicht war besonders die Anlage der innern Gänge und Treppen, die zu den verschiedenen Sitzreihen führten. Die marmornen Sitzstufen, bis auf ganz geringe Reste zerstört, stiegen terrassenförmig von der Arena bis zur Höhe des dritten äußern Stockwerks. Zu unterst befand sich das Podium mit der Kaiserloge und gegenüberliegendem entsprechenden Balkon an den beiden Enden der kleinen Achse der Arena; auf den Sitzen des Podiums nahmen Senatoren, Vestalinnen, fremde Gesandte und andere Ehrengäste Platz. Zwei weitere Stufenordnungen (praecinctiones), die erste mit etwa 16, die zweite mit etwa 20 Stufen, waren für die röm. Ritter und Bürger bestimmt. Oberhalb folgt eine mit Zugangsthüren Comitoria) und Fenstern durchbrochene Gürtelwand (balteus), welche, wie es scheint, eine aus 80 Säulen bestehende, dem vierten äußern Stockwerk entsprechende Halle trug. Innerhalb der Halle, auf Holzgerüsten, fanden die geringern Zuschauer Platz. Auf der Terrasse des Säulenganges waren Vorrichtungen angebracht, um ein Zeltdach (velarium) zum Schutz gegen die Sonnenstrahlen auszuspannen. Die Sitzreihen jedes Stockwerks waren in regelmäßigen Entfernungen wieder durch Treppen durchschnitten, auf denen man zu den Sitzen stieg und die, wie im Theater, den ganzen Zuschauerraum in keilörmige Abteilungen (cunei) teilten. Unter der rena zogen sich gemauerte Gänge, teils für die wilden Tiere, teils für Maschinerien aller Art. Die Zahl der Zuschauer, welche das K. fassen konnte, wird auf 87000 angegeben. Vgl. Platner und Bunsen, Beschreibung der Stadt Romo (Bd. 3, Abteil. 1, Stuttg. 1837); Reber, Die Ruinen Romsv E2. Aufl., Lpz. 1879); Lanciani im «Bullettino archeologico comunalev (Bd. 8, Rom 1880 fg.).