Kommunismus ist als Theorie das konsequent ausgemalte System der vollen Gemeinwirtschaft ißt, sind unter C aufzusuchen. einer menschlichen Gesellschaft, in welchem das Privateigentum, wenn nicht vollständig, so doch wenigstens in Betreff der Produktionsmittel aufgehoben, die Produktion und die Verteilung der Produkte staatlich oder genossenschaftlich organisiert und auch die Konsumtion mehr oder weniger durchgreifend durch die Gesellschaft geordnet ist. Eine praktische Bedeutung hat diese Lehre erlangt, sofern sie zum Programm einer sozialen Partei geworden ist, welche glaubt, dieses System verwirklichen und an die Stelle der bestehenden «kapitalistischen Produktionsweises setzen zu können. Mit dem privatwirtschaftlichen Kapital würde dann auch der gegenwärtige Gegensatz von Kapital und Arbeit verschwinden. Ansätze zu kommunistischen Organisationen finden sich schon im Altertum, z. B. in der Gesetzgebung des Lykurg in Sparta. Auch hat schon Plato in seinem Staato ein theoretisch-kommunistisches Ideal aufgestellt, das auch Weibergemeinschaft und Erziehung der Kinder durch den Staat einschließt, aber freilich nur für eine herrschende Kaste gilt und die Masse der Arbeiterbevölkerung zur Rechtlosigkeit verurteilt. Kommunistische Versuche von echt humanem Charakter, auf dem Prinzip der allgemeinen Verbrüderung beruhend, finden sich in der ersten Periode des Christentums, das auch später in den klösterlichen Gemeinschaften diesen Tendenzen stets einen gewissen Raum zu ihrer Bethätigung gelassen hat. Auch manche Sekten des Mittelalters zeigen Verwandtschaft mit dem K., ebenso wie später die Wiedertäufer, die Mährischen Brüder u. s. w. Als Ausgangspunkt des neuern theoretischen K. ist die 1516 erschienene Utopiao des Thomas Morus anzusehen, nicht nur weil sie ein vollständiges Idealbild einer kommunistischen Gesellschaftsordnung entwirft, sondern besonders auch deswegen, weil der Verfasser zu dieser Schilderung durch die «soziale Frager seiner Zeit gedrängt wurde, die aus der massenhaften Verdrängung der kleinen Grundbesitzer und der Latifundienbildung entsprang. übrigens glaubte Morus, so ernst ihm auch die Kritik der damaligen Zustände gemeint war, keineswegs selbst an die Ausführbarkeit seines Phantasiegemäldes, und auch andere Verfasser von kommunistischen «Staatsromaneno dürften diese phantastische Darstellungsform gerade des halb gewählt haben, weil sie sich der praktischen mendundionnch io ihrer Schilderungen bewußt waren und durch dieselben nur eine Kritik der +½* Übel der Wirklichkeit liefern wollten. Die bekannteste Nachahmung der „Utopia ist die „Sonnenstadto des Campanella (1630), die in manchen Punkten, namentlich in Betreff der Weibergemeinschaft, über ihr Vorbild hinausgeht und überhaupt nicht ohne Originalität ist. Auch Morelly trat (1753) Galll mit einer utopistischen eech auf, der Basiliade, aber für ihn war der K. schon eine wirkliche Theorie, die er (1755) in seinem «Code de la natures systematisch entwickelte. Auch Mably zeigte sich dem K., allerdings in dem strengen spartanisch-antiken Gewande, unverkennbar geneigt. Rousseau war selbst nicht Kommunist, aber seine Klagen über die Ungleichheit der Menschen fanden bei vielen einen dem K. günstigen Widerhall. Seine Verherrlichung des Naturzustandes wurde noch übertroffen durch Brissot, den spätern Girondisten, der in einer kleinen 1780 erschienenen Schrift die reine kulturlose Anarchie predigte und 60 Jahre vor Proudhon das Eigentum als Diebstahl erklärte. In den ersten Jahren der franz. Revolutionsperiode machte sich der K. weder theoretisch noch praktisch ernstlich bemerkbar. Die bäuerliche Bevölkerung fand sich durch den Verkauf der Nationalgüter befriedigt, und die städtischen Arbeitermassen schienen abwarten zu wollen, welche wirtschaftlichen Vorteile ihnen die neuerworbene polit. Freiheit bringen werde. Robespierre sprach vom Libelter eigentlich nur als einem notwendigen Übel, und Saint-Just zeigt in einer erst lange nach seinem Tode veröffentlichten Abhandlung eine entschiedene Hinneigung zum antiken K. Jedoch erst nach dem Sturze der Jakobiner trat eine erhebliche kommunistische Agitation hervor, die in der Verschwörung des Babeuf (s. d.) ihre trug. Die Verschworenen hielten eine Reihe von Dekreten bereits fertig bereit, durch welche nach dem Gelingen des mit großer Umsicht geplanten Handstreichs gegen die Ministerien und alle leitenden Behörden die neue Ordnung ins Leben gerufen werden sollte. Es geht aus diesen Dokumenten hervor, daß man gewaltsame Konfiskation des Vermögens aller Widerstrebenden und Herstellung einer allgemeinen Gütergemeinschaft mit gemeinschaftlicher Produktion und absoluter Gleichheit aller Individuen beabsichtigte. Jedoch stellte Babeuf nicht, wie andere Utopisten, den Mitgliedern der neuen Gesellschaft ein üppiges Leben, sondern nur einen bescheidenen, anständigen Unterhalt in Aussicht. Unter der ersten franz. Kaiserzeit tauchten nun auch, anfangs kaum beachtet, Reformatoren auf, welche zur Bekämpfung der gesellschaftlichen Übel zwar das gemeinwirtschaftliche und Associationsprinzip zur Anwendung bringen, aber das private Kapitaleigentum mit mehr oder weniger Beschränkungen bestehen lassen wollten. Man pflegt diese gemäßigtern Theorien als Sozialismus (s. d.) zu bezeichnen, obwohl in der neuesten Zeit der K. ebenfalls diese Benennung für sich in Anspruch nimmt. Fourier (s. d.) ließ prinzipiell das Privateigentum ganz unangefochten, die Hauard der Saint-Simonistischen Schule dagegen, Bazard und Enfantin machten dem K. schon ein wichtiges Zugeständnis, indem sie die Abschaffung des Erbrechts verlangten. Zu regerm Leben erwachte der K. in der pariser Arbeiterbevölkerung wieder in dem ersten Jahrzehnt der hrung uus ein und er zog dabei nicht geringe Nahrung aus einer sichen unbeachtet gelassenen Geschichte der Babeufschen Verschwörung von dem Mitverschworenen Buonarotti. Es bildeten sich kommunistische Gesellschaften, wie die Société des travailleurs égalitaires, es erschienen Blätter, welche diese Richtung vertraten, wie der Humanitairer, und in den Aufständen in Paris und Lyon spielte das kommunistische Element schon eine unverkennbare Rolle. Neben Blanqui, dem Typus des anarchistischen Umsturzmannes, erscheint als Vertreter einer mehr idealistischen Richtung Cabet, der Prophet der allgemeinen Brüderlichkeit, der in seiner Schrift Voyage en Icarie) (1840) ein modernes Seitenstück zur Utopiap lieferte und mit Hilfe seiner Zeitschrift Le populairep und zahlreicher Konventikel eine durch ganz Frankreich verbreitete eifrige Anhängerschaft zusammenbrachte. Ein Versuch, das Ikarische Ideal in Amerika zu verwirklichen, hatte einen für Cabet sehr traurigen Ausgang. Eine mehr wissenschaftliche Bedeutung nahm die zuerst 1840 erschienene kleine Schrift von L. Blanc: ßt, sind unter C aufzusuchen. „L'organisation du travaib, in Anspruch. Dieselbe schlägt zwar die Gründung von kommunistisch organisierten Arbeiterassociationen mit Staatshilfe vor, will aber die Verzinsung der von dem Staate vorzuschießenden Kapitalien gestatten. übrigens sollten die unter der Februarrepublik organisierten sog. Nationalwerkstätten keineswegs etwa den Plänen L. Blanes entsprechen; in denselben wurden die beschäftigungslosen Arbeiter nur zu meistens unnützen Erdarbeiten verwendet. Proudhons scharfe Kritik des Eigentums in der Schrift Qu'est-ce que la propriété kam thatsächlich dem K. zu statten, obwohl Proudhon selbst ein abgesagter Feind desselben ist und nicht das Eigentum an sich, sondern nur die Mißbräuche desselben beseitigt sehen will. Ebenso ist auch die von Proudhon verteidigte „Anarchien nicht mit dem Programm der spätern kommunistischen Anarchisten zu verwechseln. Der Juni-Aufstand des 8. 1848 zog seine Kraft hauptsächlich aus dem K. Nach der blutigen Unterdrückung desselben schien die kommunistische Bewegung in Frankreich eine Reihe von Jahren hindurch gänzlich vernichtet. Erst in den letzten Jahren des Kaiserreichs trat sie wieder mit Lebhaftigkeit zu Tage und fand in der Internationaleno (s. d.) eine Organisation. Die pariser Commune war das gemeinschaftliche Werk der Kommunisten und der radikalen Jakobiner, und die erstern blieben seitdem trotz ihrer Niederlage eine in Paris und andern großen Städten durch zahlreiche Vereine und Genossenschaften vertretene Partei, in der die anarchistische Richtung immer mehr das Übergewicht über die gemäßigten Elemente erhalten hat. Zu einer polit. Bedeutung wie die deutschen Sozialdemokraten haben sie es jedoch nicht zu bringen vermocht, und auch ihre literarischen Vertreter siehen hinter den deutschen Theoretikern des K. weit zurück. Der erste deutsche Kommunist von Bedeutung war der in Magdeburg geborene Schneider Weitling, der in der Schweiz einen Kommunistenbund mit internationalen Verzweigungen stiftete und als Agitator große Geschicklichkeit und Energie entfaltete. Sein System legte er in einer Schrift: Garantien der Harmonie und Freiheity (Vevey 1842), dar. Eine zweite Schrift: Evangelium des armen Sünderso, gab der züricher Regierung Veranlassung zum Einschreiten. Weitling wurde über die Grenze geschafft und ging nach London. Durch zahlreiche Anhänger aus der Jung-Hegelschen Schule erhielt der daftäche K. in den vierziger Jahren einen wissenschaftlichen Anstrich. Als Organe dienten ihnen unter anderm die «Rheinischen Jahrbücher », der von M. Heß herausgegebene „Gesellschaftsspiegelv und die in Paris erscheinende Zeitung Vorwärtsv. Als hervorragendster wissenschaftlicher Kritiker der bestehenden Gesellschaftsordnung ist Karl Marx zu nennen, dessen Kapitalo von seinen Anhängern als eine Art von kommunistischer Bibel verehrt wird. Auch F. Engels, der treue Genosse Marx', kann außerhalb der Sekte Anspruch auf schriftstellerische Bedeutung erheben. Als praktische Parteiführer jedoch haben Marx und Engels weder in dem ältern Kommunistenbunde noch in der Internationalen besondere Erfolge aufzuweisen. Namentlich gelang es Marx nicht, die diktatorische Stellung, nach der er unverkennbar strebte, dauernd zu erringen. Die Gabe der Beherrschung der Gemüter und der volkstümlichen Agitation besaß in unver6leichlich höherm Grade F. Lassalle, der allerdings seine Grundgedanken von Marx entlehnte. An sein Auftreten knüpft sich die Entstehung oder „richtiger die Wiederbelebung der Sozialdemokratie . d.) in Deutschland, die der Theorie nach dem Marrschen K. huldigt, wenn sie auch als praktische polit. Partei ein sozialistisches übergangsstadium dulden will. Ihre Lehren wurden vor dem Erlaß des Sozialistengesetzes durch zahlreiche Zeitungen popularisiert und auch durch Zeitschriften von wissenschaftlicher Haltung, wie die Neue Gesellschafte (Zür. 1877— 78) und die „Zukunft» (Berl. 1877 —78) vertreten. Von der centralistisch-kcommunistischen Sozialdemokratie, welche die Verwirklichung ihrer Ideale von einem Volksstaates erwartet, hat sich eine «anarchistisches Gruppe abgesondert, die unter den Sozialisten der roman. Länder wohl die Majorität besitzen dürfte. Als deutscher Vertreter derselben sucht sich besonders Joh. Most hervorzuthun, der mit seinem Organ „Die Freiheito von arteeil Amerika hinübergewandert ist. Diese Partei will neben dem Eigentum auch die «Staatsbestieß vernichten und eine freie Gesellschaft auf Grund der Föderation freier Genossenschaften gründen. Das Wort Anarchie soll allerdings nur eine «Herrschaftslosigkeite bedeuten, die in dem erträumten Zukunftsideal identisch wäre mit allgemeiner Harmonie und Brüderlichkeit. Um aber dieses Ideal zu erreichen, tritt der Anarchismus gegenwärtig als wirkliche Umsturzpartei auf: die ganze Kapitalistenbruto (auf etwa ein Zwanzigstel der Bevölkerung geschätzt) soll «über die Klinge springeny oder vielmehr, aum kein übel angebrachtes Mitleid zu erwecken, möglichst human, etwa vermittels Elektricität, abgethan werdens. Eine eigentümliche Form des K., weil aus konservativen Anschauungen hervorgegangen, ist die von Rodbertus empfohlene. Allerdings glaubt dieser bedeutende Sozialtheoriker für absehbare Zeit keineswegs an die Ausführbarkeit kommunistischer Projekte, aber er stellt die bestehende Produktionsordnung (namentlich in der posthumen Schrift ⸗Das Kapitalo) dem K. in einer Art gegenüber, daß der letztere als das eigentlich wünschenswerte Ideal erscheint. In England hat der K. bis in die neueste Zeit wenig Boden gefunden. Allerdings war es R. Owen gelungen, für seine in mancher Beziehung eigentümlichen Lehren eine Anzahl Anhänger zu finden; aber die Arbeiter zogen doch im ganzen vor, sich leichter erreichbaren Zielen zuzuwenden, wie dem polit. Programm der Chartisten und später der sozial-ökonomischen Organisation der Gewerkvereine (s. d.). In der Gegenwart jedoch sind die kommunistischen Bestrebungen intensiver geworden und zwar hat namentlich der Gedanke der Nationalisierung des Bodenso, für welche auch der Amerikaner H. George in England Propaganda macht, iee als für die Landbevölkerung sehr verlockend erwiesen. Versuche, kommunistische Gesellschaften im kleinen zu organisieren, sind namentlich in Amerika (unter anderm auch von Owen in New-Harmony) gemacht worden. Sie sind jedoch entweder völlig mißlungen, oder haben nur dort Erfolg gehabt, wo kleine Kongregationen von mehr oder weniger schwärmerischer Richtung sich einer strengen, fast klösterlichen Ordnung unterwarfen. Litteratur. Stein, Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich (3 Bde., Lpz. 1850); Semler, 4Geschichte des Sozialismus und K. in Nordamerikay (Lpz. 1880); de Lavelaue, «Die sozialen mißt, sind unter ECaufzusuchen. Parteien der Gegenwarty (deutsch von Cheberg, Tüb. 1884); Reybaud, Etudes sur les réformateurs ou socialistes modernes o (2 Bde., Par. 1840—43); Sudre, Histoire du communismep (Par. 1849); Leroy-Beaulieu, Le collectivismeo (Par. 1884). (S. Arbeiterbewegung, Internationale, Kollektivismus, Sozialdemokratie, Sozialismus.)